Stand: 27.01.2020 06:00 Uhr

"Ort der Verbundenheit" in KZ-Gedenkstätte geplant

Bernhard Esser.
Bernhard Esser gestaltete ein Plakat, das an seinen Vater und seine Familie erinnert, die während der NS-Zeit verfolgt wurde.

Bis heute denkt Bernhard Esser oft an seinen Vater. Der war einer von mehr als 100.000 Häftlingen, die im Konzentrationslager Neuengamme Ziegel für Hamburger NS-Prachtbauten brennen mussten. In den ehemaligen Haftstätten, wo früher die Insassen als Zwangsarbeiter Behelfsheime für ausgebombte Hamburgerinnen und Hamburger bauten, entsteht nun ein "Ort der Verbundenheit". Dort können Angehörige bald Opfern des NS-Regimes gedenken - mit selbst gestalteten Erinnerungsplakaten. Ziel des Projektes ist es, ein partizipatives, aktives und beständig wachsendes Erinnerungszeichen auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu schaffen.

Esser wollte sich beteiligen und überlegte lange, wie er sein Gedenkplakat gestalten soll. "Weil ich eine ganz gute Handschrift habe, habe ich es tatsächlich handschriftlich gemacht", erklärt er. Er habe es nicht nur auf seinen Vater allein bezogen, sondern auf seine ganze Familie. "Denn unsere ganze Familie ist in der Nazizeit verfolgt worden, mein Onkel ist in Fuhlsbüttel umgebracht worden."

"Ort der Verbundenheit" soll stetig wachsen

Design-Studentin Charlotte Perka hat mit Kommilitonen und Kommilitoninnen das Projekt künstlerisch begleitet. Mit Plakaten und einem mehrsprachigen Blog, dessen Herzstück die Geschichten der Nachkommen sind, wollen sie die persönlichen Geschichten interaktiv präsentieren.

"Ort der Verbundenheit" auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.
Die selbst gestalteten Plakate sollen in der Werkstatt auf dem Gedenkstättengelände gedruckt und dann ausgestellt werden.

"Die Angehörigen können Plakate individuell gestalten", sagt Perka. "Sie können die Motive durch Text, Zeichnungen oder Fotos ergänzen. Und diese selbst gestalteten Motive können dann auf dem Gedenkstättengelände in der Werkstatt gedruckt werden." Die Plakate können entweder auf einer eigenen Plakatwand oder außerhalb der Gedenkstätte angebracht werden. "Gleichzeitig werden diese Druckstöcke permanent auf dem Gedenkstättengelände ausgestellt - in Form eines Archivregals", sagt Perka.

Auf diese Weise sollen "Erinnerungszeichen" stetig wachsen. Eröffnet werden soll der "Ort der Verbundenheit" zum 75. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung der Konzentrationslager im Mai 2020.

Ziel: Erinnerungsorte besser vernetzen

Zukünftig will die "Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen", die am 1. Januar 2020 ihre Arbeit aufgenommen hat, das Konzept erweitern und bereits bestehende Erinnerungsorte in Hamburg besser vernetzen. Das beschloss der Hamburger Senat, um die Gedenkstättenarbeit in Hamburg insgesamt zu stärken. Die neue Stiftung ist Trägerin der Gedenkstätten KZ Neuengamme, Bullenhuser Damm, Plattenhaus Poppenbüttel und Fuhlsbüttel.

Bauliche Veränderungen und Nutzungsveränderungen ermöglichen Stiftungsleiter Detlef Garbe, auch KZ-Außenstellen zu überarbeiten. "In Fuhlsbüttel wird ein Teil der Strafanstalt aufgelöst, die Schule am Bullenhuser Damm liegt in einem Entwicklunsgebiet, und wir werden vor allem ein ganz wichtiges Projekt haben", sagt Garbe. "Am Kleinen Grasbrook bietet sich die Möglichkeit, in Zukunft über das ganz wichtige Thema der Zwangsarbeit in der Kriegswirtschaft im Hamburger Hafen zu informieren."

Dokumentationszentrum in der Hafencity

Visualisierung des 1.000 Quadratmeter großen Dokumentationszentrum am ehemaligen "Hannoverschen Bahnhof" in Hamburg. © Wandel Lorch Architekten
So soll das 1.000 Quadratmeter große Dokumentationszentrum am ehemaligen Hannoverschen Bahnhof aussehen.

Derzeit gibt es mehr als 100 Orte in Hamburg, an denen an die Verfolgung im Nationalsozialismus erinnert wird. Mindestens ein Ort wird in diesem Jahr hinzukommen. Für den Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof im heutigen Lohsepark in der Hafencity, von wo aus während der NS-Zeit mehr als 8.000 Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma in Ghettos und Konzentrationslager verschleppt wurden, ist Anfang Februar der Spatenstich. Geplant ist ein 1.000 Quadratmeter großes Dokumentationszentrum am ehemaligen "Hannoverschen Bahnhof".

Wie alle weiteren Projekte soll es würdevoll erinnern, Geschichte erklären und zeigen, dass Opfer, wie der Vater von Bernhard Esser, nicht vergessen werden.

Weitere Informationen
Polizeireservisten bewachen Häftlinge des KZ Neuengamme bei Aufräumarbeiten in Hamburg. © KRONOS Media GmbH, Sammlung Uwe Petersen, HHWW2-Rolle 48_20140624_0010 Foto: Andreas Werner (Polizeiangehöriger)

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 27.01.2020 | 19:30 Uhr

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