Neubau Sternbrücke: Nebenan ein Haus für bedrohte Clubs?

Stand: 17.12.2020 20:00 Uhr

Der geplante Neubau der Sternbrücke in Hamburg-Altona ist umstritten. Für die gefährdeten Clubs und Kneipen zeichnet sich aber eine Lösung ab: Ein benachbarter Neubau könnte sie retten.

Jetzt hat die Clubszene selbst zusammen mit einem Architekten ein Konzept für ein Gebäude an der Ecke Stresemannstraße/Altonaer Straße vorgelegt, in dem nicht nur die Clubs und Kneipen Astra Stube, Fundbureau und Waagenbau unterkommen könnten, sondern unter anderem auch noch eine Kita, Probenräume, Studios sowie Apartments für gastierende Künstlerinnen und Künstler. Die Kosten schätzen die Initiatoren auf rund 15 Millionen Euro.

Bahn unterstützt Pläne

Die Astra Stube unter der Sternbrücke in Hamburg. © NDR Foto: Heiko Block
Unter der alten Sternbrücke sind täglich 50.000 Fahrzeuge unterwegs. Bei einem Abriss sind mehrere Clubs und Kneipen gefährdet.

Die Deutsche Bahn begrüßte den Vorschlag. "Die Sicherung der Existenz der Kulturbetriebe ist uns wichtig. Deshalb haben wir die konstruktiven Schritte der Clubbetreiber zur Suche eines neuen Standorts gern unterstützt", sagte Bahn-Projektleiter Markus Warnken - und sicherte weitere Hilfe zu. "Die Idee eines neuen Clubhauses an der neuen Sternbrücke ist überzeugend und korrespondiert mit unseren Planungen."

Brückenentwurf scharf kritisiert

Der Vorschlag der Deutschen Bahn sieht vor, die knapp 100 Jahre alte und seit Jahren sanierungsbedürftige Sternbrücke durch einen rund 125 Millionen Euro teuren Neubau zu ersetzen. Der Brückenneubau sei ein Monster, das den Stadtteil Sternschanze optisch erschlage, kritisierten dagegen drei Experten bei der Anhörung der Bürgerschaft am Donnerstagabend. Unter Druck stand Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). Der Senator und die Bahn-Experten sind überzeugt, dass nur der Neubau mehr Bus- und Radverkehr erlaube und die Sperrungen beim Bau deutlich verkürze.

Stadt will Vorschlag prüfen

Visualisierung der neuen Sternbrücke in Hamburg Altona. Eine stützenfreie Stabbogenkonstruktion soll die fast 100 Jahre alte Brücke ersetzen und die für den Schienenverkehr im Norden zentrale Gleisverbindung langfristig sichern. © Vössing Ingenieurgesellschaft mbH
Der Neubauentwurf wird von Kritikern als zu wuchtig angesehen.

Das Grundstück für den möglichen Club- und Kneipenneubau gehört nach Angaben von Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) bereits der Stadt. Er sagte, die Stadt werde nun prüfen, wie das Projekt etwa über ein Erbpacht- und Stiftungsmodell umgesetzt werden könnte.

Viele Abgeordnete überzeugte das Konzept am Abend im Verkehrsausschuss der Bürgerschaft nicht. Sie schlossen sich dem Bauingenieur Werner Lorenz an. Er sagt: Der Erhalt der denkmalgeschützten Brücke sei nie ernsthaft geprüft worden. Er schlägt einen Architektenwettbewerb vor.

Auch bei einer Sanierung hätten Clubs wohl wegziehen müssen

Waagenbau-Inhaberin Claudia Mohr wies am Donnerstag Spekulationen zurück, dass die unter der Brücke angesiedelten Clubs und Kneipen nach einer Sanierung wieder zurückkehren könnten. "Von Beginn an war klar, dass die Flächen unter der Brücke nur als Zwischennutzung zur Verfügung stehen." Tjarks betonte: "Es gibt kein Szenario, in dem die Clubs unter der Brücke erhalten worden wären, weil selbst bei einer Sanierung die entsprechenden Räume hätten verfüllt werden müssen."

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 17.12.2020 | 19:30 Uhr

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