Stand: 10.07.2017 22:12 Uhr

Nach G20: Einzelhandel fordert Ausgleich

Bild vergrößern
In der Mönckebergstraße haben viele Händler ihre Geschäfte geschlossen.

Was der G20-Gipfel in Hamburg insgesamt gekostet hat, steht bislang noch nicht fest. Für die Händler der Innenstadt waren die Umsatzbußen allerdings schlimmer als befürchtet: 18 Millionen Euro. Das hat der Hamburger Einzelhandelsverband am Montag bekannt gegeben. "Unsere schlimmsten Prognosen sind noch übertroffen worden", sagte Geschäftsführerin Brigitte Nolte.

Nach den Krawallen hatten sich die meisten Händler in der Innenstadt entschieden, ihre Geschäfte am Freitagnachmittag zu schließen und auch am Sonnabend nicht zu öffnen, dem umsatzstärksten Tag der Woche. In den Kosten noch nicht mit eingerechnet seien die Schutzmaßnahmen. Viele Geschäfte hatten ihre Fassaden mit Holzbrettern vernagelt und Sicherheitspersonal vor dem Eingang postiert.

Händler fordern Ausgleich

Das Geld wollen die Händler nun wieder reinholen: mit zwei zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntagen im Dezember, der umsatzstärksten Zeit. So steht es in einem offenen Brief, der Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am späten Nachmittag zugestellt wurde und der NDR 90,3 vorliegt. Darin heißt es, die Bilder aus der Schanze, die um die Welt gingen, hätten die Kunden davon abgehalten, in der Innenstadt shoppen zu gehen. Geschäftsstraßen und Läden seien leer gewesen. Und einige Geschäfte hätten allein deshalb nicht öffnen können, weil ihre Mitarbeiter schlicht zu viel Angst gehabt hätten, zur Arbeit zu fahren. Den Brief haben Citymanagerin Brigitte Engler, der Handelsverband Nord und der Verband der Mittel- und Großbetriebe unterschrieben.

Auch die Handelskammer verlangt Unterstützung für ihre betroffenen Mitgliedsunternehmen. Die schnelle unbürokratische Hilfe, die den Opfern der Krawalle versprochen wurde, müsse jetzt auch kommen, sagte Handelskammer-Präses Tobias Bergmann im Gespräch mit NDR 90,3. Sowohl Bürgermeister Scholz als auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten am Sonnabend versichert, dass es Hilfe geben werde.

Einbußen in Altona und Eimsbüttel noch unklar

Noch nicht beziffert können nach Angaben des Einzelhandelsverbandes die Umsatzeinbußen in Altona und Eimsbüttel. Allein Rewe machte zehn seiner Supermärkte dicht. Auch das Mercado-Einkaufszentrum blieb geschlossen.

Budnikowsky rechnet mit 1,1 Millionen Euro Schaden

Die bei den Krawallen zerstörte Budni-Filiale am Schulterblatt soll am Sonnabend provisorisch wieder öffnen. Das kündigte der Geschäftsführer der Hamburger Drogeriekette Budnikowsky, Cord Wöhlke, am Montag an. Bis zur kompletten Neueröffnung könne es Mitte August werden, schätzte er. Da die Fassade unter Denkmalschutz stehe, müsse die Rückmeldung des Denkmalschutzamtes abgewartet werden. Den Schaden von den Zerstörungen sowie durch Umsatzausfälle auch in weiteren Filialen, die wegen des G20-Gipfels weniger Zulauf hatten, bezifferte das Unternehmen nach ersten Schätzungen auf rund 1,1 Millionen Euro. In der Filiale am Schulterblatt waren nicht nur die Verkaufsräume, sondern auch die dahinter liegenden Büroräume zerstört worden.

Weitere Informationen

G20-Gipfel in Hamburg

Der G20-Gipfel 2017 fand am 7. und 8. Juli in Hamburg statt. Im Dossier finden Sie News, Videos, Bilderstrecken und Reaktionen auf das zu Ende gegangene Gipfeltreffen. mehr

mit Audio

Schäden durch G20-Krawall: Merkel sagt Hilfe zu

Ausgebrannte Autos, kaputte Scheiben, beschädigte Häuser: Viele Hamburger sind Opfer der Krawalle während des G20-Gipfels geworden. Die Kanzlerin sagte zum G20-Abschluss Hilfe vom Bund zu. (08.07.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.07.2017 | 19:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

00:34

Hamburg zeigt Solidarität mit Opfern in Barcelona

19.08.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:36

Giftiger Elektroschrott: Von Hamburg nach Afrika

19.08.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:35

Holsten-Brauerei muss für Biotop zahlen

19.08.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal