Stand: 30.10.2018 14:54 Uhr

Landstrom ja - aber nur zweieinhalb Stunden

Die Landstromanlage am Kreuzfahrtterminal in Altona wird nach Informationen von NDR 90,3 bei Schiffsanläufen derzeit nur wenige Stunden genutzt.

Die AIDA auf der Elbe

Netzagentur verhindert Landstrom für Schiffe

Hamburg Journal -

Die umweltfreundliche Landstromanlage am Altonaer Kreuzfahrt-Terminal wird bisher kaum genutzt. Grund dafür sind Vorgaben der Bundesnetzagentur, die Stromspitzen vermeiden will.

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Nur zweieinhalb Stunden Landstrom

20 Mal hat das Kreuzfahrtschiff "AIDAsol" in diesem Jahr in Altona festgemacht - und in den meisten Fällen wurde das Schiff den ganzen Tag mit Landstrom versorgt, sagte AIDA-Sprecher Hansjörg Kunze. Doch seit Anfang September wurde der Landstrom jeweils schon nach zweieinhalb Stunden wieder abgestellt und das Schiff über die bordeigenen Dieselgeneratoren aufgeladen - weil diese Versorgung dann um ein Vielfaches günstiger ist als der Landstrom. Die Rede ist von mehr als 100.000 Euro.

"Geschichte aus dem Tollhaus"

Grund dafür ist das sogenannte Hochlastzeitfenster, teilte der Senat in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken mit. Damit will die Bundesnetzagentur den Stromverbrauch steuern und die Stromnetze entlasten. Die Gebühren, um Landstrom zu beziehen, steigen deshalb laut Senat dramatisch an. "Das ist eine Geschichte aus dem Tollhaus", sagte der hafenpolitische Sprecher der Linken, Norbert Hackbusch.

Bislang ist die "AIDAsol" das einzige Schiff, das die Landstromanlage nutzt.

"Das ist absurd, das kann man niemandem erklären", meinte der scheidende Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). Es sei kaum nachvollziehbar, dass zwei Bundesministerien hier offenbar gegeneinander arbeiten: Während das Umweltministerium die Landstromanlage mitfinanziert hat, mache das Wirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU) Vorgaben, damit die Anlage kaum genutzt wird. So werde man es nicht schaffen, Landstrom in den Häfen als Standard zu etablieren, sagte Horch.

Landstrom zu teuer?

Bislang nutzt nur die "AIDAsol" die Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe in Altona. Neben Sicherheitsbedenken führen Reeder als Grund für die Nichtbenutzung der Anlage hinter vorgehaltener Hand immer wieder an, dass der Landstrom zu teuer sei. Er kostet mindestens drei Mal so viel wie der Strom, der an Bord durch Dieselgeneratoren erzeugt wird.

Sönke Diesener von der Umweltschutzorganisation NABU bezeichnete es als absurd, dass der Bund dem umweltfreundlichen Landstrom mit seinen Vorgaben Steine in den Weg lege. Michael Kruse, Fraktionschef der FDP sagte, auch zwei Jahre nach der Eröffnung habe der Senat noch immer kein schlüssiges Konzept für die Landstromanlage. Das ganze System drohe damit zum Rohrkrepierer zu werden.

Zehn Millionen Euro investiert

Rund zehn Millionen Euro hat die Anlage am Kreuzfahrtterminal in Altona gekostet. Hamburg hat dafür großzügige Zuschüsse vom Bund und von der Europäischen Union erhalten. Schiffe sollen so während der Liegezeit ihre eigenen Generatoren abstellen können, damit sie die Umwelt nicht mehr durch Abgase und Lärm belasten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 30.10.2018 | 17:00 Uhr

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