Stand: 04.12.2017 19:07 Uhr

Lärmschutz-Vorschlag: Behörde sagt Nein

Mit einer Volkspetition kämpfen Anwohner und Umweltschützer derzeit für eine konsequente Nachtruhe am Hamburger Flughafen - und zwar ab 22 Uhr. Nun hat die Fluglärmschutzkommission (FLSK) einen neuen Vorschlag zur Güte vorgelegt: Verspätete Flieger sollen demnach nur noch bis 23.30 Uhr in Fuhlsbüttel landen dürfen statt wie bisher bis 24 Uhr. Doch der Vorschlag hat viele Gegner - unter anderem die zuständige Wirtschaftsbehörde, die ihm eine Absage erteilte.

Es gebe keinen Anlass, die bestehenden Regelungen zu ändern, erklärte die Wirtschaftsbehörde am Montag. Die derzeitige Betriebsgenehmigung des Flughafens einschließlich der Verspätungsregelung sei rechtmäßig. Eine Änderung sei rechtlich nicht angezeigt. Stattdessen verwies die Behörde darauf, was bereits alles getan wurde, um die Situation für die Flughafenanwohner erträglicher zu machen. Unter anderem müssen Flieger jetzt höhere Gebühren zahlen, wenn sie zwischen 23 und 24 Uhr starten oder landen.

"Angemessener Interessensausgleich"

"Die Verspätungsregelung ist Ausdruck eines angemessenen Interessensausgleichs zwischen den verkehrlichen Belangen und dem notwendigen Schutz der Anwohner", sagte Staatsrat Andreas Rieckhof. Ziel müsse es daher sein, die Einhaltung der geltenden Regelungen streng zu überwachen, um jeglichen Missbrauch der Verspätungsregelung konsequent zu verfolgen.

"Unglaublich und ignorant"

Umweltschützer reagierten empört auf die Absage. Dass die Wirtschaftsbehörde selbst einen moderaten Vorschlag zur Verbesserung ablehne, sei "unglaublich und ignorant", kritisierte Manfred Braasch vom BUND. Damit eskaliere der seit Jahren schwelende Streit am innerstädtischen Flughafen Hamburg.

Für den Hamburger Flughafen gilt ein Nachtflugverbot von 23 bis 6 Uhr. Wenn ein Flugzeug aus unvermeidbaren Gründen später kommt, darf es noch bis Mitternacht landen. In diesem Jahr landeten bis Ende Oktober 919 Flüge nach 23 Uhr. Ungefähr drei Viertel davon erreichten den Flughafen bis 23.30 Uhr, der Rest noch später. Sie müssen nicht nur den Grund für die Verspätung darlegen und eventuell mit einem Verfahren rechnen, sondern auch erhöhte Landegebühren entrichten.

Anwohnern ging der Vorschlag nicht weit genug

Zuvor hatten Bürgerinitiativen für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein den Vorschlag einer halbstündigen Verlängerung des nächtlichen Landeverbots "bloße Makulatur" genannt. Die Hamburger Linke bezeichnete das Angebot als "unwürdige Schacherei" auf Kosten der Betroffenen, während Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler vor negativen wirtschaftlichen Folgen warnte.

Die FLSK hatte den Vorschlag bereits am Freitag vorgelegt. Bei der Kommission handelt es sich um ein Beratungsgremium mit Vertretern der Bezirke und Anliegergemeinden des Airports sowie Fluggesellschaften und weiteren Fachbehörden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.12.2017 | 18:00 Uhr

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