Stand: 13.01.2018 08:40 Uhr

Lärm bremst Autofahrer aus

von Reinhard Postelt

In Hamburg sorgt die nächtliche Geschwindigkeitsbeschränkung für zehn Hauptverkehrsstraßen für Wirbel. Fahrzeuge dürfen aus Lärmschutzgründen zwischen 22 und 6 Uhr nur 30 Stundenkilometer fahren. Betroffen sind etwa Teile der Eiffestraße, der Bergedorfer Straße, der Kuhmühle und der Rennbahnstraße/Horner Rampe. Das führt zu Kritik.

Ganz still und leise hat Hamburgs rot-grüner Senat das Tempolimit eingeführt. Wer will schon laute Autofahrer-Proteste. Erst die "Tempo 30"-Schilder aufstellen, dann nach zwei Tagen eine dürre Pressemitteilung, nachdem Reporter die Schilder entdeckt hatten: Hier sollte etwas unter der Asphalt-Decke gehalten werden.

Unhörbarer Unterschied

Die Maßnahme ist nicht nur umstritten, sie ist Unsinn. Tempo 30 nachts vermeidet so gut wie keinen Lärm – nur 2,5 Dezibel, kaum hörbar. Die EU empfiehlt nachts maximal 55 Dezibel an Straßen. Das schafft man auch mit Tempo 30 nicht. Der Lärm ist fast gleich, ob ich Tempo 50 im vierten Gang fahre – oder 30 im dritten Gang. Dafür pusten Fahrzeuge aber deutlich mehr vom Klimakiller CO2 aus, wenn sie eine Strecke mit weniger Geschwindigkeit zurücklegen.

Berlin als schlechtes Vorbild

Umweltsenator Jens Kerstan könnte es wissen, denn er formuliert: "Ein nächtliches Tempolimit an Hauptstraßen kann in vielen Fällen den gesundheitsschädlichen Lärm reduzieren." "Kann" heißt: Es muss nicht.Tempo 30 nachts ist pure Ideologie bei Grünen und Linken. Bei ihnen kam Neid auf, als der schwarz-rote Berliner Senat schon 1999  an einigen Hauptstraßen nachts Tempo 30 durchsetzte. Das hing zwar mit den katastrophalen Schlaglöcher in Berlin zusammen. Aber von dem Tag an verlangten es Grüne und Linke bundesweit. Tempo 30 nachts ist nämlich ein wunderbarer Hebel gegen das Autofahren. Egal, ob sinnvoll oder nicht, Hauptsache, Autos ausbremsen.

Kontrollen gegen Nervensägen

Das nächtliche Tempolimit bringt also nichts, und Flüsterasphalt, wie ihn die CDU fordert, muss alle paar Jahre teuer erneuert werden. Was wirklich gegen Lärm hilft, sind häufige Kontrollen gegen Raser und überlaute Sportwagen. Hier leistet Hamburgs Polizei mit ihrer neuen Soko „Autoposer“ Mustergültiges. Jeder weiß doch: Ein einziges Motorrad oder der Lamborghini von Tim Wiese jaulen lauter als zehn Lastwagen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 13.01.2018 | 08:40 Uhr

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