Stand: 25.05.2020 17:36 Uhr  - Hamburg Journal 18.00

Kultursenator Brosda hofft auf Hilfe vom Bund

Bis zum 30. Juni bleiben Hamburgs Kulturstätten wie Theater, Konzertsäle und Kinos geschlossen. Das hatte der Senat bereits im April entschieden. Doch auch wie es danach weitergeht, ist noch unklar, sagt Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) im Interview mit dem Hamburg Journal. Ohne Kunst und ohne Kultur könne eine offene Gesellschaft nicht sein. Insofern sei die Aufgabe, beides jetzt wieder zu ermöglichen - "unter den Bedingungen, die dieses Virus uns derzeit diktiert", so Brosda.

Bei den Künstlerinnen und Künstlern sowie den Kreativen gebe es eine ganz große Lust, was zu machen - und eine große Verweiflung, weil es momentan nicht weiterginge, so der Kultursenator. Er führe im Moment viele Gespräche. In der vergangenen Woche hatten die Kulturminister der Länder zusammengesessen und einen Fahrplan festgelegt. "Was wir als Kulturminister gemacht haben, ist schauen: Welche Kriterien brauchen wir eigentlich?" Es sei nicht sinnvoll, bereits ein Datum für einzelne Lockerungen festzulegen, so Brosda. Stattdessen müsse darauf geachtet werden, welche Abstandsgebote eingehalten werden müssen und wie mögliche Hygienekonzepte aussehen könnten. "Wenn wir diese Kriterien erfüllen können, können wir auch veranstalten. Sonst nicht", so Brosda. "Ich glaube, das wird der Schritt sein, zu dem wir hin müssen und dafür haben wir eine ganze Menge Vorschläge gemacht."

Kultursenator Carsten Brosda im Interview

Hamburg Journal 18.00 -

Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit Kulturstätten in Hamburg wieder öffnen können? Kultursenator Carsten Brosda im Hamburg Journal Interview.

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Neue Ideen müssen erst entwickelt werden

Brosda drängt nach eigenen Angaben vor allem darauf, zu klären, wie die Stadt mit Kinos und Freiluft-Veranstaltungen umgeht. Und dann müsse man gucken, wie in den Locations 1,5 Meter Abstand eingehalten werden könne - auch auf der Bühne. Auch Maskenpflicht und regelmäßiges Lüften sei wichtig, so der Kultursenator. "Das ist eine Riesen-Herausforderung, auch für diejenigen, die Programm veranstalten." Da brauche es neue Ideen und diese müssten erst entwickelt werden. Die Entscheidung, Theater und Konzertsäle bis zum 30. Juni zu schließen, sei eine gemeinsame Entscheidung mit Theaterintendatinnen und -intendaten sowie Betreiberinnen und Betreibern gewesen, weil diese eben auch Planungssicherheit bräuchten.

Bund beteiligt sich an Finanzhilfen

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Interview in der Laeiszhalle: Auch hier bleiben die Türen bis zum 30. Juni geschlossen.

Selbst wenn Vorstellungen vor einem kleinen Publikum bald wieder stattfinden können - die Fixkosten für die Betriebe blieben die gleichen, kritisieren viele. Auf die Frage des Hamburg Journals, ob dies zumutbar sei, antwortete Brosda: "Ich finde, wir müssen es uns als Gesellschaft nicht zumuten, sondern es uns ermöglichen, weil wir Kunst und Kultur brauchen." Es sei aber eine spannende Frage, wie man mit Einnahmeausfällen umgehen soll. "Ich höre mit großer Freude, dass der Bund sagt, er würde im Rahmen seiner Konjunkturpaketüberlegungen auch einen Schwerpunkt auf Kunst und Kultur legen", so der Senator. Die Stadt brauche diese Unterstützung. Man habe in Hamburg viel Geld bewegt - weit mehr als 25 Millionen Euro alleine für die Institutionen, die nicht genug verdienen können, weil sie geschlossen waren, so Brosda. "Und diese Kosten, die entstehen, werden größer werden, wenn man wieder aufmacht. Weil ich in der Tat volle Kosten habe, aber nur einen Teil der Einnahmen. Da müssen wir helfen, wenn wir als Gesellschaft Kunst und Kultur ermöglichen wollen." Und das wolle man, bekräftigte der Kultursenator, insofern werde seine Behörde gemeinsam mit der Branche Lösungen finden.

Diese Finanzhilfen vom Bund seien konkret, versicherte Brosda. Sie sollen vor allem in Bereichen helfen, die noch länger betroffen sein werden. "Besonders wichtig ist, dass wir uns darum kümmern, Geld zur Verfügung zu stellen, damit sich die Einrichtungen die notwendigen Umbauten leisten können, um Einnahmeausfälle, die beim Veranstalten vor weniger Publikum entstehen, zu kompensieren und Künsterinnen und Künstlern dabei zu helfen, wieder zu produzieren." Überall da, so nehme er die Signale des Bundes wahr, werde der Bund die Hansestadt unterstützen, sagte Brosda. "Aber machen wir uns nichts vor: Das ist eine Aufgabe der Länder und der Kommunen. Wir in Hamburg fördern seit Ende März und wenn der Bund jetzt dazu kommt, wird das unsere Möglichkeiten erweitern."

Hamburger Clubs: "Da werden wir lange helfen müssen"

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Wann die Hamburger Clubs wiedereröffnen können, ist noch nicht klar.

Zur Forderung der Clubs, dass die Stadt auch Kredite erlassen sollte, sagte Brosda, die Behörde sei mit dem Clubkombinat im Gespräch. "Denn in der Tat: Clubs leben von Nähe", sagte Brosda. "Das ist das, was einen Club ausmacht und ich glaube, wir alle haben im Moment Schwierigkeiten, uns vorzustellen, wie ein pandemie-gerechtes Clubkonzert aussehen kann. Und deswegen werden wir da lange helfen müssen, sind aber auch gewillt, das zu tun."

Was die Krise am Ende mit der Kulturlandschaft Hamburgs mache, könne jetzt noch keiner abschätzen. "Wir kämpfen dafür, dass alle durchkommen, auch wenn wir nicht garantieren können, dass das gelingt", sagte der Senator. Es tue um jeden weh, der in Schwierigkeiten gerate, insofern versuche die Kulturbehörde derzeit, mit allen Beteiligten im Gespräch zu sein. "Wir fahren momentan alle auf Sicht", so Brosda. "Wichtig ist, dass wir uns unterhaken dabei."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal 18.00 | 25.05.2020 | 18:00 Uhr

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