Stand: 03.08.2020 20:33 Uhr  - NDR 90,3

Künstliche Intelligenz findet Krebszellen

Krebszellen, die von einer künstlichen Intelligenz untersucht werden.
Krebszellen unter einem Mikroskop, die von einer Künstlichen Intelligenz untersucht und ausgezählt werden.

Krebs als Krankheit ist auf dem Vormarsch, so Felix Faber. Auch weil die Menschen immer älter werden. Fast 500.000 Menschen erkranken jedes Jahr neu an Krebs, allein in Deutschland. "Es gibt immer mehr Krebsfälle auf der Welt, aber die Anzahl der Ärzte, die auch diese Krebsdiagnosen erstellen können, die bleibt mehr oder weniger gleich", sagt er.

Schnellere und sicherere Krebsdiagnosen

Auf St. Pauli entwickelt MindPeak die Technik um Krebsdiagnosen schneller und sicherer zu machen. Grundlage für fast jede Diagnose ist eine Gewebeprobe, die mikroskopisch untersucht wird. Die Hauptfrage: Gibt es überhaupt Krebszellen, was für welche, und wie viele? Das macht bei Mindpeak eine künstliche Intelligenz. Faber erklärt die Software: "Zuerst markieren wir den Bereich, den wir analysieren wollen. Dann wird das an unseren Server gesendet und innerhalb weniger Sekunden hat unser System, unsere Künstlicher Intelligenz, die Tumorzellen von den Nicht-Tumorzellen differenziert und auch geschaut, welche Tumorzellen markiert sind um so eine Prozentzahl auszurechnen, und die hilft dem Onkologen, die richtige Therapie zu wählen."

VIDEO: Krebsdiagnose mit Hilfe künstlicher Intelligenz (3 Min)

Das Zählen ist langwierig

Normalerweise machen das Ärzte sozusagen per Hand. Mit dem bloßen Auge beurteilen sie die Krebszellen auf dem Bild und zählen sie aus - was langwierig und ermüdend ist. "Wenn Sie große Flächen auszählen sollen, da können Sie schon mal ein bisschen müde werden. Oder wenn es um die Beurteilung von sehr kleinen Pünktchen in Zellen geht, wo man 1.000 Zellen auszählen muss. Da ist es tatsächlich so, dass solche Syssteme die Konzentration sicherlich besser halten können als wir Menschen'", sagt Professor Markus Tiemann vom Institut für Hämatopathologie.

Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt

Krebszellen unter einem Mikroskomp.
Die Software kann Krebszellen schneller auszählen als ein Mensch.

Trotz ihrer Zuverlässigkeit - die Computer helfen nur, am Ende stellt die überlebenswichtige Schicksalsdiagnose Krebs immer noch eine erfahrene Ärztin oder ein erfahrener Arzt - auch wenn Mindpeaks Künstliche Intelligenz immer perfekter wird. "Wenn sie genug Beispiele gesehen hat, vielleicht eine Million Stück, dann kann sie selbst Regeln extrahieren und abstrahieren und deswegen selbst neue Strukturen, die sie vorher noch nie gesehen hat, erkennen", sagt Faber.

Teamwork ist die Zukunft

Die Zukunft gehört dem Teamwork, so aber. Der erfahrene Arzt und die künstliche Intelligenz die zusammen effektiver und besser werden. "Ich denke, die Künstliche Intelligenz in circa zehn Jahren kann Ärzte und das Gesundheitssystem sehr gut unterstützen bei Tätigkeiten, die sich häufig wiederholen. Künstlicher-Intelligenz-Software kann da einfach Arbeit abnehmen und so dem Arzt mehr Zeit für den Patienten ermöglichen." Das klappt natürlich nur, wenn Ärzte und Krankenkassen das auch wollen - und nicht nur an den Profit denken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburg Journal | 03.08.2020 | 19:30 Uhr

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