Stand: 03.07.2018 16:22 Uhr

Kreuzfahrer sollen Flüssiggas den Weg bahnen

Große Frachtschiffe, die einen wesentlichen Teil der weltweiten Schiffsflotte ausmachen, fahren fast ausschließlich mit Schweröl, also mit den zähflüssigen Rückständen der Raffinerien, die bei der Benzin- und Dieselerzeugung übrig bleiben. In der Kreuzfahrtschifffahrt wird hingegen zunehmend der Schiffstreibstoff Liquefied Natural Gas (LNG) eingesetzt. Bei neu bestellten Kreuzfahrtschiffen sei fast immer der Antrieb mit dem verflüssigten Erdgas vorgesehen oder zumindest möglich, sagt Thorsten Lehmann, Vorsitzender der Maritimen LNG Plattform, einer Initiative für flüssiges Erdgas auf See und an Land, und Chef des Motorenherstellers MAN, am Dienstag in Hamburg.

Auch Fähren werden immer häufiger mit LNG- oder Dual-Fuel-Motoren in Auftrag gegeben, die mit verschiedenen Kraftstoffen betrieben werden können. "Viel kommt jetzt aus dem Fährverkehr in Nord- und Ostsee durch die Anbindung an Skandianvien", sagt Lehmann. "Skanidavien ist einfach weiter bei dem Thema." Weltweit können bei einer Flotte von rund 50.000 Seeschiffenaber derzeit lediglich schätzungsweise 200 Schiffe mit LNG fahren oder sind darauf vorbereitet - das sind weniger als ein Prozent.

Verfügbarkeit in den Häfen noch mau

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Eine Flüssiggas-Barge im Hamburger Hafen.

Insgesamt zieht die LNG-Initiative, die seit vier Jahren besteht und mehr als 100 Mitglieder hat, eine positive Bilanz ihrer Arbeit. "Als wir anfingen, war das ein absolutes Außenseiterthema und kaum jemand wusste, was LNG ist", sagte der Gründer der LNG Plattform und frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust. "Heute ist das Thema in aller Munde." Auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD im Bund werde die LNG-Förderung erwähnt. Es seien bereits Förderanträge für 30 LNG-Schiffe gestellt.

Ein Problem bei der Durchsetzung von LNG in der Schifffahrt ist aber die Verfügbarkeit in den Häfen. Gerade in den deutschen Häfen, auch in Hamburg, gibt es noch nicht genügend Tank-Kapazitäten - sei es in Form von eigenen Terminals oder als Tankschiffe, sogenannte Bunkerbargen. Das schrecke viele Unternehmen ab, sagt Reeder Rowil Ponta. "Wir können nicht einfach ein Schiff bestellen und auf gut Glück losfahren, dafür ist die Abdeckung noch nicht da."

LNG-Initiative weist NABU-Kritik zurück

Das verflüssigte Erdgas verringere den Ausstoß der Schiffe von Schwefel, Stickoxiden und Feinstaub erheblich und auch die Kohlendioxid-Einsparung liege bei etwa 20 Prozent, so die LNG-Initiative. Die zuletzt vom Umweltschutzorganisation NABU geäußerte Kritik, dass LNG aus Klimasicht kaum etwas bringe, weist der Branchenverband am Dienstag zurück.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.07.2018 | 17:00 Uhr

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