Stand: 21.01.2020 20:17 Uhr  - NDR 90,3

Kommission soll Hamburger Straßennamen prüfen

Die Stadt Hamburg will Straßennamen künftig genauer unter die Lupe nehmen. Nach Informationen von NDR 90,3 will die Kulturbehörde dazu eine Kommission einrichten. Diese soll untersuchen, welche Rolle die Männer und Frauen, nach denen Straßen benannt sind, im Nationalsozialismus gespielt haben.

Mitgliedschaften in Organisationen einbeziehen

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Will die Vergangenheit von Namensgebern Hamburger Straßen noch genauer prüfen: Carsten Brosda (SPD).

Grundlage ist eine Studie, in der Historiker und Historikerinnen schon vor zwei Jahren fast 60 Hamburger Straßennamen untersucht haben, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD). "Während man früher nur auf große Verbrechen im Bereich des Nationalsozialismus geachtet hat, geht es jetzt auch zunehmend um die Frage, ob jemand weggeschaut oder sich nicht ausreichend engagiert hat", so der Senator. Auch Mitgliedschaften in der Hitlerjugend beispielsweise würden zunehmend in die Debatte hineinspielen.

Prüfung von Heidi Kabel und Gustaf Gründgens

Auch dass Heidi Kabel Mitglied in der NS-Frauenschaft wurde und Siegfried Lenz bei der Hitlerjugend war, war Teil der Untersuchung. Als Fazit bei Heidi Kabel steht: "Aktivismus jenseits der formalen Mitgliedschaft ist ihr nicht nachweisbar".

Im Kapitel über Gustaf Gründgens und dessen Rolle in der NS-Diktatur kommt die Studie zu einem anderen Ergebnis. "Der Schauspieler und Theaterintendant Gustaf Gründgens arrangierte sich 1933 mit den nationalsozialistischen Machthabern und fungierte als künstlerisches Aushängeschild des Regimes, ohne dessen Ideologie zu teilen oder Parteimitglied zu werden. (…) Er versuchte sich der expliziten ideologischen Vereinnahmung zu entziehen, konnte dies aber nicht vollständig durchhalten", heißt es dort.

Brosda: Es darf keine Unschärfe bleiben

In der Studie geht es auch um den Albershardtweg auf Finkenwerder, benannt nach dem Volksschullehrer und Leiter der niederdeutschen Theatergruppe Adolph Albershardt. Die Experten untersuchten, wie sehr seine Finkenwerder "Heimatpflege" damals Teil der NS-Kulturpolitik wurde. "Solche Fälle muss man einfach aufklären, damit an der einen oder anderen Stelle nicht eine Unschärfe bleibt", begründete Brosda den Vorstoß.

Die neue Kommission soll im Laufe des Jahres die Arbeit aufnehmen und dann Kriterien entwickeln, nach denen über die Benennung oder Umbenennung von Straßen entschieden wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.01.2020 | 19:00 Uhr

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