Igel in Gefahr: Schwere Verletzungen durch Mähroboter

Stand: 15.08.2021 07:03 Uhr

Wildkaninchen, Feldhasenbabys und kleine Igel haben aktuell einen Hauptgegner: Roboter in Form von Rasenmähern. Die beliebte Gartenhilfe hat einen großen Nachteil, denn in den Abend- oder frühen Morgenstunden eingesetzt, wird nicht nur der Rasen gemäht, sondern auch das ein oder andere Tier unfreiwillig überrollt.

Gartenzeit - Platz für Mensch und Tier, eigentlich. Doch Vorsicht, wenn es automatisch wird, kann es auch gefährlich werden. "Die Geräte haben kein Stopp-Schild, sie sehen nicht, dass das ein Igel ist, sondern sie fahren drüber hinweg und verletzen den Igel arg. Deswegen sollte man darauch achten, dass diese Geräte wirklich einen Igelschutz haben", sagt Björn Mahrzahn, von der Behörde für Umwelt und Agrarwirtschaft.

Notaufnahme für verletzte Igel

Und so ist eine kleine Hamburger Wildtierstation in Bergedorf aktuell zur Notaufnahme geworden. Igel Woldemors Nase hat es erwischt, sein Stachelkleid hatte keine Chance gegen die Technik. "Sie haben natürlich den Instinkt, sich zusammen zu rollen. Und wenn der Mähroboter immer wieder dagegen fährt, dann klappt das natürlich nicht und dann haut er ihm einfach gegen die Nase. Das wird wahrscheinlich nie wieder ganz heilen", sagt Annette Rumöller von Looki e.V., die sich um den verletzten Igel kümmert.

Viele schwer verletzte Tiere

Lisa Maria Otte ist Abgeordnete der Grünen Bürgerschaftsfraktion und tierschutzpolitische Sprecherin. Die Tierschützerinnen und Tierschützer wollen ihr zeigen warum so viele Tiere hier schwer verletzt ankommen. In einem kleinen Gehege haben sie darum einen Mähroboter angestellt, der dann einen Apfel überrollt und einschneidet. "Es war schockierend zu sehen, dass das Gerät nicht stoppt. Es fährt einfach drüber. Wenn ich in einen Laden gehe, dann gehe ich doch davon aus, dass die Mähroboter, die dort verkauft werden sicher sind. Dass man sich daran nicht verletzt und dass man damit auch keine Tiere tötet. Deswegen sind hier die Hersteller in der Verantwortung sichere Geräte zu bauen", sagt Otte.

Bislang 46 Igel in diesem Jahr

Ein Ganzes Handicap-Gehege gibt es mittlerweile in Bergedorf. Hier wohnt auch Igel Heribert. Er hat nur noch drei Pfoten und wird in Dauerpflege bleiben. Genau wie Igeldame Trudi- die mit ihrem halben Gesicht das Phantom der Igel genannt wird. "Man hat es ja gesehen, wie beim Apfel, diese Verletzung geht direkt übers Gesicht. Draußen hat sie keine Chance", sagt eine Tierpflegerin. Und das hier seien nur die Igel, die auch gefunden würden. 46 solch stark verletzte Igel wurden in diesem Jahr bisher abgegeben.

Mähroboter besser nicht nachts

"Wer Tiere liebt kauft keine Mähroboter. Wer jetzt so ein Gerät schon hat, weil man das nicht wusste, sollte nicht mähen, zwischen 18 Uhr und 8 Uhr. Ansonsten im Garten auch immer Stellen freihalten, wo man es wachsen lässt, wo sich Tiere verstecken können. Ein tierfreundlicher Garten ist so wichtig und da können wir alle was tun, dass es Tieren besser geht", sagt Otte.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.08.2021 | 19:30 Uhr

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