Stand: 03.08.2019 09:16 Uhr  - NDR 90,3

Henrik Falk: Der Mann, der den Fahrplan abschaffen will

von Bert Beyers

"Die Grundfrage ist doch: Wie stelle ich mir Hamburg im Jahr 2030 vor?", sagt Henrik Falk, der Chef der Hamburger Hochbahn - und liefert die Antwort gleich mit: "Wo auch immer sich Bürger oder Gäste in der Stadt auch befinden, innerhalb von fünf Minuten bekommen Sie ein Vehikel, das zu ihrer jeweiligen Lebenssituation passt. Das kann eine U-Bahn sein oder ein Bus oder auch ein Service, wie zum Beispiel Moia ihn anbietet. Und das Ganze richtig kundenfreundlich." Als Alternative für das eigene Auto sei das Mobilitäts-Angebot noch zu schwach.

Hochbahn-Chef Henrik Falk im Porträt

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"Eine echte Alternative für das eigene Auto - dafür reicht das Mobilitäts-Angebot in Hamburg noch nicht aus." Hochbahn-Chef Henrik Falk will das ändern. Ein Blick ins Jahr 2030.

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"Sharing Mobility" statt "ÖPNV"

Das Problem fängt für Henrik Falk schon mit der Sprache an: "Öffentlicher Personennahverkehr", kurz: "ÖPNV". Das findet der Hochbahn-Chef alles andere als sexy. Vielleicht habe es etwas damit zu tun, philosophiert er, dass die Benutzer von Bussen und Bahnen früher eher Zwangskunden waren - Leute, die sich kein Auto leisten konnten. Besser als "ÖPNV" klingt für Henrik Falk die neudeutsche Wortschöpfung "Sharing Mobility", also das Miteinander von Bahnen, Bussen, Leihfahrzeugen, Elektrorollern etc. Auch Fahrpläne sind für ihn von gestern. Denn wenn etwa in fünf Minuten den Bus oder ein Sammeltaxi nehmen könne, dann brauche es keinen Fahrplan mehr, meint Falk. Dann geht man einfach los. Oder ordert einen Wagen per Handy - wenn es so etwas im Jahr 2030 noch geben sollte.

Ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse

Ab 2020 will die Hochbahn ausschließlich emissionsfreie Busse kaufen. Elektrobusse sind ungefähr doppelt so teuer wie Dieselbusse - noch. Aber die Preise, glaubt Henrik Falk, werden noch fallen. In Hamburg fahren derzeit rund 1.500 Busse im Nahverkehr. Wolle man die ganze Flotte umrüsten, "dann helfen nicht irgendwelche Prototypen oder Ausstellungsbusse, dann brauchen Sie Serienprodukte, die wie geschnitten Brot vom Band laufen". Und wann fährt der letzte Dieselbus der Hochbahn durch Hamburg? "Ich würde sagen, spätestens 2030", sagt Falk.

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Henrik Falk kommt das Wort Fahrverbot nicht so schnell über die Lippen. Er spricht lieber von "politischen Restriktionen". Er will "nicht fordern, was andere machen sollen", sondern sich den eigenen Baustellen zuwenden: "Was kann ich konzeptionell und inhaltlich für Alternativen auf die Straße bringen?" Nicht zuletzt aus Klimaschutzgründen. Natürlich müsse sich derzeit die ganze Welt überlegen, wie man bei diesem Thema vorankomme. Denn nach der Meinung des Hochbahn-Chefs lautet die Frage: "Wie erreiche ich eine radikale CO2-Reduktion?“

Autonomes Fahren in der Hafencity

Seit August läuft das Forschungs- und Entwicklungsprojekt HEAT in der Hafencity. Die Hochbahn testet elektrisch und autonom fahrende Kleinbusse auf einem 1,8 Kilometer langen Parkour. Ein wichtiges Motiv für die Hochbahn dabei sei, "selber ein Gefühl dafür zu bekommen: Wie weit ist die Technologie? Und worüber reden wir da eigentlich?" Für Henrik Falk eine "riesengroße technische Herausforderung, gerade in Ballungsräumen". Bis wann sich autonomes Fahren im normalen Busbetrieb durchgesetzt haben wird, das ist derzeit noch gar nicht abzusehen.

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Automatische U5

Der Vorteil des autonomen Fahrens ist für Henrik Falk die Effizienz. Die neue U-Bahnlinie 5 werde selbstverständlich ohne Fahrer unterwegs sein. Das ist im internationalen Maßstab mittlerweile Standard. Der automatische Betrieb - so heißt es bei schienengebunden Fahrzeugen - erlaubt Taktzeiten von 90 Sekunden, und zwar rund um die Uhr. Per Hand gesteuerte U-Bahnen würden diese dichte Abfolge nicht schaffen. Der erste Streckenabschnitt soll in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre in Betrieb gehen, die komplette Linie etwa zehn Jahre später.

Hamburg 2030: "Schritt für Schritt"

Komplexe Verkehrssysteme zu entwickeln gehe nur Schritt für Schritt, sagt Falk. Das fange mit neuer Technik an. Entscheidend aber seien die Menschen, die die Computer bauen und die Software schreiben. Natürlich müsse auch das Geld für die Innovationen vorhanden sein und nicht zuletzt brauche es Menschen, die Tag für Tag den öffentlichen Verkehr am Laufen halten, mit Passagieren kommunizieren und für Sicherheit sorgen. Nicht zuletzt brauche es auch Geld für die Innovationen, so der Hochbahn-Chef. "Wie es genau kommt, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Aber wir arbeiten uns Schritt für Schritt vor."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 03.08.2019 | 17:44 Uhr

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