Stand: 15.07.2018 09:44 Uhr

Helene Fischer in Hamburg: Immer auf der Eins!

von Daniel Kaiser

Deutschlands größter Schlagerstar hat Hamburg begeistert. Helene Fischer hat den Zuschauern im fast ausverkauften Volksparkstadion alle ihre großen Hits und eine überwältigende Bühnenshow geliefert.

Die erste Konfettikanone knallt schon nach einer Minute. Regenbogenfarbene Rauchschwaden stehen über dem Stadion. Helene Fischer-Poesie ("Sternenmeer!") weht von der Bühne herüber. "Ohh ohh!" antwortet der Stadionchor. Feuerwerk, Mitsingen und Konfetti - wofür andere zwei Stunden benötigen, das erledigt Helene Fischer gleich in den ersten vier Minuten: eine ganze Konzertdramaturgie in nur einem Song! Was soll danach noch kommen? Doch Helene Fischer hält das Tempo. Irgendwo dampft immer eine Nebelmaschine.

Helene Fischer: Konfetti, Feuerwerk, Herzklopfen

Endlich wieder Leidenschaft im Volksparkstadion

Schlager - war das nicht mal der Samstagabend, als bei Dieter Thomas Heck als einziger Special Effect schüchtern Rosen überreicht wurden? Heute ist die Thermik eine andere: zack! Noch 'ne Konfettikanone. Diesmal weiß. Flammenwerfer am Bühnenrand speien wie Drachen im Rhythmus Feuerbälle. Die Hitzewellen rasen durchs Stadion bis auf die Ränge. "Spürst Du das?" ist das Leitmotiv des Abends. So viel Begeisterung und Leidenschaft hat das Volksparkstadion lange nicht mehr erlebt. Erst nach einer halben Stunde gönnt Helene Fischer ihren Fans die erste Atempause. Wahnsinn!

Zwischen Star Trek und Botticelli

Jedes Konzert-Kapitel hat ein eigenes Outfit. Mal tritt Fischer als silbern glitzernde Azteken-Prinzessin auf, mal trägt sie einen hautengen Overall, der an die tief dekolletierte Galauniform eines Star-Trek-Offiziers erinnert, oder sie steht in einer großen Muschel wie im weltberühmten Gemälde von der "Geburt der Venus" von Botticelli auf der Bühne.

Helne Fischer bei einem Auftritt auf der Bühne.

Helene Fischer verzaubert Hamburg

Hamburg Journal -

Zweieinhalb Stunden hat Helene Fischer im Hamburger Volksparkstadion eine überwältigende Bühnenshow geliefert - und sie begeisterte damit nicht nur ihre Ultra-Fans.

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Olympiareifer Hüftschwung

Helenes erstes Kostüm erinnert an ein Rollerskatergirl mit Hotpants und Hippie-Fransen. Strass-Steinchen kleben auf ihrer Stirn. Aber hippiemäßig-anarchisch ist an diesem Abend natürlich nichts. Der Abend ist perfekt durchgestylt. Da sitzt jeder Ton. Die Windmaschine weht ihr Haar ins makellose Gesicht. Das Saxofon-Solo mit einem schiefen Tröter als letztem Laut wirkt da schon wie ein subversiver Akt. Während die Körper ihrer halbnackten Tänzer bald schweißnass glänzen, schafft Helene Fischer alles scheinbar mühelos und elegant. Helenes Hüftschwung ist noch im allerletzten Takt so komplex und präzise, dass er sogar in Zeitlupenwiederholung hochdekorierte olympische Turmspringer zum Erröten bringen würde. Man kann sich nicht sattsehen. Dass in dieser perfekt inszenierten Show, in der jede Strähne sitzt und jedes Konfettiblättchen eine eigene Choreografie zu haben scheint, ausgerechnet die Großbildleinwand immer wieder brachial stottert, ist allerdings ein echter Makel.

In den Schuhen der Fischer!

Ein bisschen Petersplatz-Feeling kommt auf, als Helene mit einer Mischung aus Papamobil und Barbies Traumauto durch das Stadion fährt, auf dem Wagendach steht und in einem Medley "Mitten im Paradies" singt. Als klar wird, dass der Star zum Greifen nah ist, gibt es hektische Bewegungen im Stadioninnenraum hin zur Helenemobil-Strecke. Ältere Fans in den Rängen nesteln aufgeregt an ihrem Handy, als sie sich nähert. Vor Helene schreiten Fahnen schwenkende Tänzer. Das Ganze ist bonbonrosa ausgeleuchtet: Barbie et Orbi!

Frivol kann sie auch

Fischer umarmt viele Musikstile und "helenisiert" sie. Sie singt Eurodance ("Rhythm Is A Dancer"), Salsa und sogar "Verdammt, ich lieb' Dich" von Matthias Reim. Die Tänzer springen. Dampfwolken wabern. Das Stadion bebt. Zu "Unser Tag" werden Mega-Ballons in die Menge geworfen. "Das sieht aus wie ein Riesen-Kindergeburtstag", erläutert Fischer danach die Idee und liest eines der vielen hochgehaltenen Plakate im Publikum vor: "Egal wie Fisch Du bist, Helene ist Fischer." Sie erzählt, wie sie immer wieder Menschen trifft, die genau so heißen wie sie und wird dann sogar überraschend frivol: "Ich bin mir sicher, heute werden auch noch mehrere Helenes produziert!"

Westernhagen-Karikatur

Plötzlich steht wieder Ben Zucker auf der Bühne - der aus dem Vorprogramm mit der groben Reibeisenstimme. Gemeinsam stimmen die beiden tatsächlich "Freiheit" von Westernhagen an. Zucker intoniert das so brutal gewollt heiser und kernig, dass man sich fragt, ob er mit dieser Stimme auch zum Bäcker geht und Mehrkornbrötchen kauft. Es klingt wie eine Westernhagen-Karikatur. Das Wort Sakrileg liegt einem auf der Zunge. Weiß Marius davon? Das war schon ein bisschen drüber. Und es fällt so sehr auf, weil Helene Fischer eigentlich die Königin der richtigen Dosis ist.

Pommesgabel am Umhänge-Keyboard

"Eure Liebe überflutet mich", haucht Helene aus dem Off. "Ihr macht mich …!" Kunstpause. "… atemlos!" Was kommt jetzt wohl? Helene Fischer steht mit Umhänge-Keyboard allein auf der Bühne, zeigt mit dem kleinen und dem Zeigefinger den Metal-Gruß, die "Pommesgabel", und startet ihren großen Hit. Man klatscht natürlich mit. Auf der Eins. Und der Drei. Der Offbeat hat an diesem Abend keine Chance. Zu "Herzbeben" reitet Helene Fischer auf einem rot glühenden Herzen, das sich dreht wie ein Elektro-Rodeo-Bulle. "In zerrissenen Jeans um die Häuser ziehen, das kann ich mit keinem andern!", singt sie. Und da stehen die Menschen schon längst auf den Stühlen und winken selbstvergessen mit den Armen in der Luft hin und her. Denn Helene Fischer singt in der Herzenssprache ihrer Fans. Man sieht Polonäsen im Zuschauerraum. Bei "Nur mit Dir" gehen Feuerzeuge an. Naja. Es sind meistens doch Handy-Taschenlampen. Lauter Jubel schwillt spontan an, als sich auf der großen Leinwand ein älteres Paar Arm im Arm im Balladentakt wiegt.

Helene goes Kneipp

Zum Finale stampft Helene Fischer durch einen Wasserteich auf der Bühne, legt sich sogar hinein und platscht eine Choreografie irgendwo zwischen Kneipp und Esther Williams. Pitschnass schaut sie verwegen von der Stadionleinwand ins Publikum. Selbst wenn man wirklich überhaupt keinen Schlager mag, muss man anerkennend nicken: Diese Frau liefert ab. Auf Weltniveau. "Spürst Du das?" In haushohen Großbuchstaben detoniert das Motto des Abends noch ein letztes Mal auf der Leinwand. Das Herz rast. Am Ende kann man nicht anders, als mindestens mit dem Fuß den Takt mitzuklopfen. Natürlich immer auf der Eins.

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NDR Plus: Ihr Bild vom Helene Fischer-Konzert

Waren Sie beim Konzert von Helene Fischer im Volksparkstadion dabei? Hier finden Sie die Besucher-Bilder des Abends, die NDR Plus von Ihnen gemacht hat. mehr

NDR 90,3: Ihr Bild vom Helene-Fischer-Konzert

Waren Sie beim Konzert von Helene Fischer im Volksparkstadion dabei? Hier finden Sie die Besucher-Bilder des Abends, die NDR 90,3 und das Hamburg Journal von Ihnen gemacht haben. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 15.07.2018 | 10:44 Uhr

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