Stand: 03.12.2019 20:53 Uhr

Neuer Klimaplan: CO2-Ausstoß bis 2030 halbieren

Bild vergrößern
"Wir werden das Ziel sicher erreichen, vielleicht sogar übertreffen", meint Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD, Archivfoto).

Mit mehr als 400 Maßnahmen will Hamburg den CO2-Ausstoß bis 2030 drastisch senken: So sieht es die Fortschreibung des Klimaplans vor, die der Hamburger Senat am Dienstag vorgelegt hat. Er sieht deutliche Einschränkungen für Bürger, Betriebe und Verkehr vor. Demnach sollen die CO2-Emissionen in zehn Jahren um 55 Prozent unter denen von 1990 liegen - eine Einsparmenge von 7,1 Millionen Tonnen. Mindestens zwei Milliarden Euro wird allein die Stadt in den nächsten zehn Jahren dafür ausgeben, etwa für sauberen Nahverkehr und eine kohlefreie Fernwärme.

Hafenindustrie Hamburg.

Senat verabschiedet neuen Klimaplan

Hamburg Journal -

Hamburgs neuer Klimaplan ist unter Dach und Fach: Mit über 400 Maßnahmen will der Senat sein Klimaziel für 2030 erreichen und mehr als sieben Millionen Tonnen CO2 einsparen.

1,32 bei 25 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Tschentscher spricht von "umfangreichstem Klimaplan"

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sprach vom bundesweit umfangreichsten Klimaplan - ein Vorbild für andere Bundesländer: "Wenn es in Hamburg gelingt, diesen Weg zu beschreiten, beweisen wir, dass Klimaschutz sehr gut möglich ist im Einklang mit Industrie, hoher Lebensqualität, viel Mobilität und dem, was wir uns in Hamburg wünschen." Mit den beschlossenen Maßnahmen würde das 55-Prozent-Klimaschutzziel für 2030 sicher erreicht, vermutlich sogar übertroffen, so Tschentscher.

Klimaneutral bis 2050

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) sprach ebenfalls vom "anspruchsvollsten und weitreichendsten Klimaschutzgesetz Deutschlands". Bis 2050 solle Hamburg klimaneutral werden. Man sei sich bewusst, den Bürgerinnen und Bürgern einiges abzuverlangen - aber niemand werde finanziell überfordert. 

Kommentar
NDR Info

Klima: "Der Hamburger Plan ist ein guter Start"

NDR Info

Hamburg möchte bis 2050 klimaneutral werden. Der Plan des Senats umfasst Hunderte Einzelmaßnahmen. Damit könnte er anderen Städten zum Vorbild werden, meint Christoph Prössl. mehr

Pflicht zu Solaranlagen, Abschied von Ölheizungen

Auch Industrie, Wohnungsbau und die Bürger müssen ihren Klima-Beitrag leisten - mit 400 Maßnahmen. Unter anderem soll ab 2023 für Neubauten eine Pflicht zur Installation von Solaranlagen auf den Dächern gelten. Ölheizungen sollen bei Neubauten ab 2022 nicht mehr zulässig sein, vier Jahre später sollen sie auch in bestehenden Gebäuden nicht mehr gegen neue ausgetauscht werden dürfen.

Express-Busse und Schnellbahnausbau

Im Bereich der Mobilität setzt der Senat vor allem auf den Ausbau des Nahverkehrs, unter anderem durch den Schnellbahnausbau, zusätzliche Haltestellen und Express-Busse. Umstiegsanreize sollen aber auch durch autofreie Innenstadtzonen geschaffen werden.

Neues Klimaschutzgesetz

Ein neues Klimaschutzgesetz, das im Entwurf ebenfalls verabschiedet wurde, verankert die Ziele und deren regelmäßige Überarbeitung rechtsverbindlich. Außerdem soll die Begrenzung der Erderwärmung künftig als Staatsziel in der Präambel der Landesverfassung stehen.

Bis zuletzt "knallhart verhandelt"

In der vergangenen Woche war wegen des Klimaplans noch "knallhart verhandelt" worden, sagte ein Insider im Gespräch mit NDR 90,3. Denn beide Seiten sind schon im Wahlkampf-Modus. Wer Klimaschutz wolle, müsse SPD wählen, hatte Tschentscher am Wochenende auf dem SPD-Parteitag gesagt. Die Grünen ihrerseits waren intensiv bemüht, dem Klima-Paket ihren Stempel aufzudrücken.

Kritik von der Opposition

Aus den Reihen der Opposition kam deutliche Kritik am Klimaplan des Senats. CDU-Fraktionschef André Trepoll hält die 400 Maßnahmen für unfair verteilt: "Da ist doch viel heiße Luft. Die Einzigen, die massiv beeinträchtigt sind, sind private Haushalte, insbesondere bei der Frage, zur Pflicht zu machen, ob man Solaranlagen aufs Dach installiert."

Peter Tschentscher (r., SPD), Erster Bürgermeister von Hamburg, und Andreas Dressel (SPD), Finanzsenator von Hamburg, sprechen auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Doppelhaushaltes. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Reinhardt

Senat legt Klimaschutzplan für Hamburg vor

NDR 90,3 - NDR 90,3 Aktuell -

Pflicht zu Solaranlagen, Abschied von Ölheizungen und Ausbau des Nahverkehrs: Der Hamburger Senat hat einen neuen Klimaplan vorgelegt. Das Ziel: 55 Prozent weniger CO2-Ausstoß als 1990.

1,56 bei 9 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Die FDP sieht die Hamburger durch Verbote gegängelt, statt sie zum Klimaschutz zu motivieren. Kritik kam auch vom Linken-Umweltexperten Stephan Jersch: "Ich habe starke Befürchtungen, dass die soziale Gerechtigkeit nicht ausreichend berücksichtigt worden ist. Wir sehen Schonbereiche wie Luftverkehr und Verkehr allgemein." Die AfD spricht von einem "Verbotswahn" und sagt, Klimahysterie werde zum Gesetz.

Lob von Umweltschützern und aus der Wirtschaft

Hamburgs Handwerk sieht im Klimaplan vor allem Chancen: Man müsse dabei aber eine Schlüsselrolle spielen, sagte die Kammer und merkte an: "Ohne Handwerk keine Klima- und Energiewende." Hamburg könne zum Vorreiter beim Klimaschutz werden, sagte auch die Handelskammer und begrüßte die ehrgeizigen Ziele. Vorschriften und Verbote dürften aber nicht über das bundesweite Maß hinausgehen – wegen der Wettbewerbsfähigkeit.

Dass es künftig gesetzliche Vorgaben zum Klimaschutz gibt, begrüßen die Umweltschützer vom BUND. Sie vermissen aber eine Verkehrswende mit weiteren Einschränkungen beim Autoverkehr.

Weitere Informationen

Regierungserklärung: Tschentscher erläutert Klimaplan

Hamburgs Bürgermeister Tschentscher hat in der Bürgerschaft eine Regierungserklärung zum Klimaschutzplan abgegeben. Die rund 400 Maßnahmen hatte der Senat gestern vorgestellt. mehr

Hamburger CDU legt eigenen Klimaplan vor

Gas statt Kohle in Moorburg, innovative Schiffsantriebe und ein 365-Euro-HVV-Ticket: Die Hamburger CDU hat im Wahlkampf einen eigenen Klimaplan vorgelegt. Er umfasst 50 Punkte. (02.12.2019) mehr

HHLA will in 20 Jahren klimaneutral arbeiten

Der Hamburger Hafenbetreiber HHLA will bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden. Dazu will das Unternehmen in Zukunft vor allem auf elektrisch betriebene Fahrzeuge setzen. (02.12.2019) mehr

Der BUND will Autos aus der Stadt verbannen

Der BUND in Hamburg fordert radikale Änderungen in der Klimapolitik. Er schlägt ein weitgehendes Autoverbot vor und will außerdem den Wohnungsbau zurückfahren. (21.11.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.12.2019 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:00
Hamburg Journal
01:43
Hamburg Journal