Stand: 28.08.2020 10:03 Uhr

Hamburger Initiative versorgt Bedürftige mit Brillen

Hunderte gebrauchte Brillen bringt Christiane Faude-Großmann für ihre Sprechstunden mit: Die Initiative "Mehrblick" bietet Augenuntersuchungen in sozialen Einrichtungen an und verteilt kostenlos Brillen an Menschen, die unter einer Fehlsichtigkeit leiden - auch an Seeleute.

In der Seemannsmission Duckdalben in Hamburg-Waltershof stehen die Seeleute normalerweise Schlange, um sich kostenlos untersuchen zu lassen. Durch Corona lassen sich aber viele abschrecken: Wer sich an Land infiziert, ist schnell seinen Job los.

VIDEO: Initiative versorgt Obdachlose mit Brillen (2 Min)

Herausforderungen in Corona-Zeiten

Faude-Großmann freut sich, nun mit einer Sondergenehmigung wieder Brillensprechstunden durchführen zu können. Während der vergangenen Monate hätten die Seeleute die Schiffe häufig nicht verlassen dürfen, um von Optikerinnen und Optikern untersucht zu werden. "Die sind dann nur auf die Schiffe gegangen und haben Notversorgungen gemacht", erklärt sie.

Weil die Zahl der Menschen, die sich mit Corona infiziert haben, in den vergangenen Tagen auch in Hamburg gestiegen ist, ist bei ihrer Sprechstunde nun wenig los. Unter den Matrosen spricht sich die Brillensprechstunde normalerweise herum. Ein russischer Matrose schafft es doch noch zur Untersuchung, Optikermeister Dennis misst seine Augenwerte. Auch er ist ehrenamtlich bei "Mehrblick".

Besser als gar keine Brille

Es sei an dem Leuchten ihrer Augen zu erkennen, wenn Menschen in der Sprechstunde dann eine passende Brille aufsetzen, so Faude-Großmann. "Mein Antrieb ist, dass Sehen für mich eigentlich wie ein Grundrecht ist. Ich bin selbst von Kindesbeinen an stark kurzsichtig", sagt sie.

Die Initiative "Mehrblick" kümmert sich vor allem um Menschen ohne Obdach und Bedürftige. Regelmäßig besucht Faude-Großmann soziale Einrichtungen. Die Brillen sind Spenden, auch die Gläser. Jeder bekommt eine Brille, die die Fehlsichtigkeit so gut wie möglich korrigiert. Das sei immer noch besser als gar keine Brille, sagt sie.

Geld ist nicht das Einzige, was fehlt

Optiker Dennis meint, fehlendes Geld sei nicht immer der Grund, warum Menschen ihre Fehlsichtigkeit nicht behandeln ließen. "Das kann beispielsweise ein Schamgefühl sein aufgrund der aktuellen Situation, in der sich ein Mensch befinden kann", sagt er. "Ein Schamgefühl, das einen daran hindert, den Besuch beim Optiker dann tatsächlich durchzuführen."

Für ihre Initiative hat Christiane Faude-Großmann ihren Job in einer Unternehmensberatung aufgegeben - und bietet die Brillensprechstunde mittlerweile auch in Hannover und Berlin an. Mehreren Tausend Menschen hat sie so schon zu mehr Lebensqualität verholfen.

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