Stand: 24.08.2016 21:39 Uhr

Hamburg trauert um Henning Voscherau

Hamburg trauert um einen langjährigen Bürgermeister: Henning Voscherau ist tot. Nach Informationen von NDR 90,3 starb der SPD-Politiker im Kreise seiner Familie in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch an den Folgen eines Gehirntumors. Voscherau hatte erst am 13. August seinen 75. Geburtstag gefeiert. Er hinterlässt Ehefrau Annerose und drei Kinder.

Henning Voscherau vor seinem Ölportrait.

Zum Tod von Henning Voscherau

NDR//Aktuell -

Hamburg trauert um einen ehemaligen Bürgermeister: Kurz nach seinem 75. Geburtstag ist Henning Voscherau im Kreise seiner Familie an den Folgen eines Hirntumors gestorben.

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Von 1988 bis 1997 Bürgermeister

Mit einer Amtszeit von fast zehn Jahren lenkte kaum ein Hamburger Bürgermeister länger die Geschicke der Hansestadt als Voscherau. Von 1988 bis 1997 regierte er zunächst mit der FDP, dann mit absoluter Mehrheit. Als er 1997 die Koalition mit der Statt Partei nicht fortsetzen konnte, trat Voscherau noch am Wahlabend zurück. Angesichts von Rot-Grün sei seine Schmerzgrenze unterschritten, so Voscherau damals.

Scholz: "Starker Bürgermeister in bewegten Zeiten"

Hamburgs amtierender Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erklärte: "Henning Voscherau war ein starker Bürgermeister in bewegten Zeiten. Er hat seine politischen Ämter mit Format und Substanz ausgefüllt. Hamburgerinnen und Hamburger unterschiedlichster Herkunft und Prägung schätzten ihn und vertrauten ihm. Er hat die Stadt nach innen verbunden und nach außen glänzend vertreten."

Weitere Reaktionen auf den Tod von Henning Voscherau:

  • SPD-Chef Sigmar Gabriel:

    "Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hat einen besonnenen Streiter für sozialen Ausgleich und Hamburg einen ehemaligen Bürgermeister verloren, der ganz und gar für seine Stadt gelebt hat. Kurz nach seinem 75. Geburtstag ist mit Henning ein ganz großer sozialdemokratischer Hanseat von uns gegangen. Er hat sein politisches Wirken seiner Heimatstadt gewidmet, seine Tugenden, sein Fleiß und seine auf das Detail bedachte Arbeitsweise haben zum heutigen Wohlstand und der Modernität Hamburgs entscheidend beigetragen."

  • Andreas Dressel, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion Hamburg

    "Die SPD Fraktion trauert um einen vorbildlichen Hanseaten. Und ich bin persönlich sehr, sehr traurig. Wir trauern um einen großen Bürgermeister. Wir verneigen uns vor einem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden. Er hat die Stadt, die Partei und die Fraktion über viele Jahre entscheidend geprägt. Wir alle haben ihm unendlich viel zu verdanken. Seine Geradlinigkeit und seine Haltung werden uns ewig Vorbild bleiben."

  • Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin (Grüne)

    "Ich habe Henning Voscherau persönlich sehr gemocht. Ich bewunderte seine Gabe, wichtige Ereignisse so humorvoll und anschaulich zu erzählen, dass die Vergangenheit wieder lebendig wurde. Viele Hamburgerinnen und Hamburger haben ihn für seine Gradlinigkeit gern gehabt. Man wusste immer, woran man bei ihm ist."

  • Anjes Tjarks, Fraktionsvorsitzender der Hamburger Grünen

    "Der Tod von Henning Voscherau ist ein großer Verlust für unsere Stadt. Wir Hamburger Grünen haben uns an ihm gerieben und sind auch in der politischen Auseinandersetzung mit ihm gewachsen. Henning Voscherau hat Hamburg in den vergangenen Jahrzehnten geprägt und sich große Verdienste um sie erworben."

  • André Trepoll, Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion

    "Voscherau war ein wahrer Hanseat, der an seinen Prinzipien festhielt und zu seinem Wort stand. Über alle Parteigrenzen hinweg ist er damit zum Vorbild geworden. Wir verneigen uns vor einem großen Hamburger."

  • Katja Suding, Vorsitzende der FDP Hamburg und der FDP-Bürgerschaftsfraktion

    "Henning Voscherau war ein hochverdienter Bürgermeister, der immer über alle parteipolitischen Grenzen hinweg loyal zu seinem Wort und seiner Politik stand."

  • Sabine Boeddinghaus, Co-Vorsitzende der Fraktion Die Linke

    "Hamburg verliert einen engagierten und verlässlichen Staatsmann, der die städtische Entwicklung während seiner Amtszeit entscheidend geprägt hat - auch wenn sein Bestreben, die Stadt vor allem nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu einem 'Unternehmen Hamburg' zu formen, unserem Verständnis einer solidarischen Stadtgesellschaft widerspricht."

  • Fritz Horst Melsheimer, Präses der Handelskammer Hamburg

    "Mit Dr. Henning Voscherau ist einer der profiliertesten Hamburger Politiker Nachkriegsdeutschlands und ein großer Europäer von uns gegangen. Voscherau setzte sich zeitlebens für Hamburgs Zukunft im Herzen eines vereinten Europas ein."

  • Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD)

    "In bewegten Zeiten erkannte er scharfsinnig die großen Chancen und Möglichkeiten, die sich aus dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Ende des Kalten Krieges ergaben, und wusste sie zum Wohle Hamburgs zu nutzen."

  • Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU)

    "Mit Henning Voscherau haben wir einen großartigen Politiker und einen wunderbaren Menschen verloren. Ich bin mit meinen Gedanken bei seiner Familie und seinen Freunden."

  • Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck

    "Henning Voscherau war ein kluger Gesprächspartner und eine im besten Sinne hanseatische Persönlichkeit. Er hat bedeutende Anstöße für die Stadtentwicklung gegeben und sich mit großem Engagement für den Erhalt von Kirchen eingesetzt."

  • Dr. Michael Otto, Unternehmer und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Otto Group

    "Henning Voscherau war für mich ein vorbildlicher Hanseat. Ich mochte an ihm vor allem seine soziale und zutiefst demokratische Grundhaltung, sein herausragendes politisches und gesellschaftliches Engagement, seine bedingungslose Gradlinigkeit und seinen trockenen norddeutschen Humor."

  • Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD)

    "Ein großer Hanseat ist von uns gegangen. Er hat seine Heimatstadt Hamburg geliebt und in seinen Amtsjahren politisch und wirtschaftlich weit vorangebracht."

  • Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, und Katja Karger, Vorsitzende des DGB Hamburg

    "Die Gewerkschaften in Hamburg und im ganzen Norden werden dem Menschen, Politiker und Gewerkschaftsmitglied Henning Voscherau ein ehrendes Andenken bewahren. Auch sein feiner Humor wird uns fehlen.“

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"Geborener Sozi"

Voscherau selbst hatte sich einen "geborenen Sozi" genannt, Großeltern und Eltern waren aktive Sozialdemokraten. Der Großvater Hafenarbeiter, der Vater Schauspieler am Hamburger Ohnsorg Theater. Voscherau trat 1966 in die SPD ein, gehörte zum konservativen Flügel, galt später als "Enkel" Helmut Schmidts, mit dem ihn eine jahrzehntelange Freundschaft verband.

Er galt als "Vater der Hafencity"

Als Bürgermeister stellte er wichtige Weichen für die Zukunft der Hansestadt. Stolz machte ihn die Bezeichnung "Vater der Hafencity", ebenso die großen Infrastrukturprojekte wie Flughafenausbau, Elbvertiefung, Airbusansiedlung. Nach seinem Rücktritt 1997 arbeitete der Jurist wieder als Notar und war Aufsichtsratsvorsitzender eines Energieunternehmens. Ende 2014 übernahm Henning Voscherau den Vorsitz der Mindestlohnkommission. Wegen einer schweren Operation am Kopf musste er den Kommissionsvorsitz jedoch bereits im April 2015 wieder abgeben.

Kondolenzbuch ausgelegt

Am Rathausturm hing ein schwarzer Trauerflor. Die Stadt Hamburg legte zu Ehren Voscheraus ein Kondolenzbuch im Rathaus aus. Scholz trug sich am Nachmittag als Erster dort ein. "Mit Henning Voscherau verliert Hamburg einen überragenden Bürgermeister, dem die Hamburgerinnen und Hamburger wie kaum einen anderen schätzen und dem sie vertrauten. Er verband in einer einzigartigen Weise Ernsthaftigkeit, Glaubhaftigkeit, Charme und Humor. Er wird uns fehlen", schrieb der sichtlich bewegte Bürgermeister. Hunderte folgten Scholz und trugen sich ebenfalls in das Buch ein. NDR.de bietet auch ein Online-Kondolenzbuch für Ihre Erinnerungen und Gedanken an den Altbürgermeister an.

Ein Hamburger im Dienst seiner Stadt

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Die Hamburger Bürgermeister seit 1946

Seit dem Zweiten Weltkrieg stellt die SPD in der Hansestadt fast immer den Ersten Bürgermeister. Max Brauer macht den Anfang. Olaf Scholz setzt diese Tradition fort. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.08.2016 | 16:00 Uhr

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