Arbeiter stellen Wohncontainer für ukrainische Flüchtlinge an der Schnackenburgallee in Hamburg auf. © dpa Foto: Marcus Brandt

Hamburg rechnet mit starkem Zustrom von Geflüchteten

Stand: 15.09.2022 21:11 Uhr

Hamburg steht vor einem schwierigen Herbst und Winter. Nicht nur wegen der drohenden Energiekrise, sondern auch, weil es für die Stadt immer schwieriger wird, Geflüchtete unterzubringen. Sozialsenatorin Melanie Leonhard und Innensenator Andy Grote (beide SPD) haben am Donnerstag gemeinsam über die Lage informiert.

Angesichts eines anhaltenden Zustroms von ukrainischen Kriegsflüchtlingen und Asylbewerbern auch aus anderen Ländern haben Hamburgs Innen- und Sozialbehörde am Donnerstag eindringlich vor einer Überlastung des Hilfesystems gewarnt. "Die Lage ist sehr, sehr viel angespannter, als sie sich über den Sommer anfühlte", sagte Leonhard.

NDR 90,3 Reporter Jörn Straehler-Pohl berichtet über den Parteitag der LINKEN. © NDR Foto: Anna Rüter
AUDIO: Hamburg rechnet weiter mit vielen Geflüchteten (2 Min)

Viele freie Fläche zur Unterbringung nutzen

Es sei zu befürchten, dass im Herbst bis zu 50.000 Menschen in öffentlichen Einrichtungen untergebracht werden müssen. Das führe dazu, dass jetzt weitere Unterkünfte für Geflüchtete entstehen müssen. Auch größere Unterkünfte sind demnach geplant - überall dort, wo es irgendwie möglich ist, beispielsweise auch in ehemaligen Supermärkten, in Turnhallen oder in der Messe. Eine Messehalle könnte etwa im Herbst wieder als Notunterkunft für bis zu 400 Menschen hergerichtet werden.

6.000 Menschen kamen im Sommer aus der Ukraine

Innensenator Grote sagte, allein im Juni, Juli und August seien jeweils 2.000 Menschen aus der Ukraine gekommen, von denen jeweils 1.500 untergebracht werden mussten. Darüber hinaus seien im August 875 Flüchtlinge aus anderen Ländern nach Hamburg gekommen, von denen 700 eine Unterkunft benötigt hätten.

Zu wenig Wohnraum vorhanden

Die Stadt hat in diesem Jahr nach Angaben von Leonhard schon 13.000 neue Plätze geschaffen. Allerdings reicht das noch immer nicht, denn fast jeder Platz ist schon belegt. Zudem gibt es nicht ausreichend Wohnungen in Hamburg. Das heißt: Die Menschen bleiben in öffentlichen Unterkünften, weil sie keinen normalen Wohnraum finden.

Mehr als 43.000 Menschen in öffentlichen Unterkünften

Vor Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hatte Hamburg etwa 27.000 Menschen in den öffentlichen Unterkünften untergebracht. Inzwischen sind es laut Grote mehr als 43.000 Menschen. Dazu kommen noch die Menschen in Notunterkünften. Alles in allem seien es so viele Menschen wie in den drei Stadtteilen St. Georg, St. Pauli und Hamburg-Neustadt zusammen gemeldet sind.

Wunsch nach Hilfe von der Bundesregierung

Nun will die Stadt weitere Unterkünfte bauen. Denn jeder Mensch soll ein Dach über den Kopf bekommen, sagen Leonhard und Grote. Allerdings sehen beide auch mehr und mehr die Bundesregierung in der Pflicht. Aus ihrer Sicht sollte überlegt werden, ob auch die Bundeswehr und das Technische Hilfswerk bei dem Bau von Unterkünften mithelfen kann - damit es schneller geht. Leonhard erhofft sich, dass es wenigstens mehr Geld vom Bund gibt - und eine bessere Verteilung von Geflüchteten, da die Ballungsräume besonders betroffen sind. Beim nächsten Treffen von Kanzler Olaf Scholz (SPD) mit den Länderchefs und -chefinnen müsse das Thema jedenfalls ganz oben auf die Tagesordnung, sagte die Sozialsenatorin.

Thering: "Senat hinkt der Entwicklung hinterher"

Der CDU-Fraktionschef Dennis Thering warf dem rot-grünen Senat vor, den Entwicklungen hinterherzuhinken. "Spätestens seit dem russischen Angriffskrieg vor über einem halben Jahr war klar, dass in Hamburg auch sehr viele Menschen aus der Ukraine untergebracht werden müssen." Der Senat habe sich in seinen Planungen erneut verschätzt. Aus Therings Sicht kann die Messehalle für einen begrenzten Zeitraum als Unterkunft genutzt werden. "Schulsporthallen sollten allerdings für den Schul- und Sportbetrieb weiter zur Verfügung stehen", findet er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.09.2022 | 17:00 Uhr

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