Hamburg: Wie Gastronomie und Kultur 2G umsetzen wollen

Stand: 25.08.2021 18:15 Uhr

Von Sonnabend an sind Angebote nur für Geimpfte und Genesene in Hamburg möglich. Wird das 2G-Optionsmodell in der Gastronomie und in der Kultur genutzt? Es gibt viele skeptische Stimmen.

Der rot-grüne Senat hat am Dienstag das sogenannte 2G-Optionsmodell beschlossen, wonach Veranstaltende ab selbst entscheiden können, ob sie künftig nur noch Geimpfte und Genesene einlassen und dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind - oder ob sie weiter das 3G-Modell nutzen wollen.

Gastronomie fürchtet Personalknappheit

Unterschiedliche Reaktionen kommen aus der Gastronomie. Constanze Lay vom Barkombinat Hamburg, einem Zusammenschluss von Wirten, meint, die 2G-Regel sei eigentlich gar keine echte Wahlmöglichkeit. "Es ist wirtschaftlich ein Zwang, sich für 2G zu entscheiden", sagte sie im Gespräch mit NDR 90,3. Es bleibe keine andere Wahl, als auf 2G umzuschwenken. Vor allem in kleinen Kneipen könne nur mit der neuen Regel wieder Geld verdient werden.

Bei den Restaurants ist das im Moment noch genau andersherum, meint zumindest der Chef der Block-Gruppe, Stephan von Bülow. Rund 60 Prozent der Gäste kommen ihm zufolge mit einem Impfnachweis in seine Restaurants, 40 Prozent würde man bei 2G aussperren. Grundsätzlich sei der Weg aber der Richtige. Eine Sorge von Gastronomen und Gastronominnen insgesamt: Wenn nur noch Geimpfte im Service arbeiten dürfen, verschärft das die akute Personalnot. "Wir haben ein großes Problem, Mitarbeiter zu gewinnen. Jetzt müssen wir Mitarbeiter finden, die geimpft sind", sagte Jens Stacklies, Vizepräsident vom Branchenverband Dehoga, im Hamburg Journal des NDR Fernsehens. "Ich würde mir wünschen, dass wir das 3G-Modell beibehalten, flächendeckend in allen Bundesländern."

Kultur: Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen droht

In der Hamburger Kultur droht ein Flickenteppich. Man freue sich zwar, die Ränge wieder voll besetzen zu können, zum anderen wolle man aber auch niemanden ausschließen, hieß es. Das Schmidt Theater und die Komödie Winterhuder Fährhaus machen mit bei 2G - allerdings nicht ab sofort, sondern erst im Oktober beziehungsweise November. Das Thalia Theater überlegt noch, steigt aber - wenn überhaupt - auch erst im Oktober bei 2G ein. Intendant Joachim Lux sagte dem Hamburg Journal, im September ändere sich erstmal nichts, denn die Besuchenden hätten ihre Karte auf Basis der derzeitigen Regeln gekauft. Das Ohnsorg-Theater ist voraussichtlich nicht dabei, dort wird man auch weiter mit negativem Corona-Test reinkommen. "Wenn der Staat sich scheut, eine grundsätzliche Impfpflicht einzuführen, dann sollte diese Verantwortung, Menschen zu einem bestimmten Verhalten zu verpflichten, nicht auf die Institutionen verlagert werden", sagte Intendant Michael Lang.

In der Elbphilharmonie will man sich mit den großen Musikveranstaltern zusammensetzen, damit nicht jedes einzelne Konzert in der Elbphilharmonie und der Laieszhalle mal so und mal so stattfindet und das Chaos nicht zu groß wird. Fest stehe aber: "Die HamburgMusik wird keine Veranstaltung, für die bereits Karten an Besucher verkauft worden sind, nachträglich unter diese Option fassen." Daher werde es 2G-Veranstaltungen frühestens im November geben können.

Kinos: Besucher sollten sich vorab informieren

Auch bei den Kinos gibt es skeptische Stimmen. Matthias Ellwardt, Geschäftsführer des Zeise Kinos, sagte dem Hamburg Journal: "Das Publikum möchte Abstand haben und das möchten wir ihm auch geben. Von daher werden wir weiter 3G machen." Hamburgerinnen und Hamburger werden sich also in jedem Fall vor einem Kinobesuch informieren müssen, wie die Regeln im Einzelfall gehandhabt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 25.08.2021 | 08:00 Uhr

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