Stand: 04.07.2020 18:12 Uhr  - NDR 90,3

Hamburg: Protest gegen Motorrad-Fahrverbote

Bild vergrößern
Der Unmut der Motorradfahrenden auf St. Pauli richtet sich gegen eine Bundesratsinitiative.

Tausende Motorradfahrerinnen und -fahrer haben am Sonnabendnachmittag auf St. Pauli gegen drohende Fahrverbote protestiert. Anlass für die Aktion war eine Initiative des Bundesrats zur Reduzierung von Motorradlärm. Die Länderkammer spricht sich unter anderem dafür aus, für Motorräder leichter Fahrverbote aus Lärmschutzgründen an Sonn- und Feiertagen zu ermöglichen. Außerdem sieht die Initiative vor, dass die Lautstärke neuer Maschinen auf maximal 80 Dezibel begrenzt werden soll.

Motorrad-Demo: Reeperbahn voll gesperrt

Zum Auftakt des Protestes gegen 14 Uhr standen bereits hunderte Motorräder dicht an dicht auf der Reeperbahn. Offenbar kamen deutlich mehr Bikerinnen und Biker als die geplanten 750 Teilnehmenden. Schätzungen zufolge hatten sich mehrere tausend Menschen mit ihren Motorrädern auch aus dem Hamburger Umland in mehreren Sternfahrten auf den Weg in die Hansestadt gemacht. Für Autofahrende kam es wegen der Demonstration am Nachmittag zu Verkehrsbehinderungen. Die Reeperbahn wurde zwischen Millerntorplatz und Davidstraße in beiden Richtungen gesperrt.

Generelle Fahrverboten für Motorräder befürchtet

Die Demonstranten befürchten, dass es generelle Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen geben wird, auch wenn zunächst nur lokale Fahrverbote auf besonders belasteten Strecken verhängt werden. Ihrer Ansicht nach sind die bestehenden Regelungen zum Lärmschutz ausreichend. Die Protestaktion der Motorradfahrenden wurde auch von der Hamburger Polizei begleitet. Viele der Teilnehmenden trugen trotz Corona-Auflagen keinen Mund- und Nasenschutz. Sicherheitsabstände beim Parken der Motorräder wurden jedoch weitgehend eingehalten.

Motorradfahrende protestieren auch in anderen Städten

Bikerorganisationen hatten für Sonnabend bundesweit zu Protesten aufgerufen. Kundgebungen gab es zum Beispiel in Schwerin, Papenburg und Oldenburg sowie in Wiesbaden, Friedrichshafen und Dresden. Der bundesweit größte Motorrad-Korso sollte in München stattfinden, wurde jedoch wegen Bedenken der Kreisverwaltung kurzfristig abgesagt. Trotzdem hatten sich am Mittag Motorradfahrerinnen und -fahrer auf den Weg in die bayerische Landeshauptstadt gemacht.

Verkehrsministerium gegen verschärfte Regeln

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zeigte Verständnis für die Proteste und unterstützte die Haltung der Demonstrierenden. Er bekräftigte am Sonnabend seine Position, weitere Verschärfungen und Verbote für Motorradfahrer abzulehnen. "Wir haben ausreichende, geltende Regeln", sagte Scheuer der Deutschen Presse-Agentur. "Ich werde die Beschlüsse des Bundesrates, also der Bundesländer, nicht umsetzen", ergänzte der CSU-Politiker.

Weitere Informationen

Schwerin: Biker demonstrieren gegen drohende Fahrverbote

In Schwerin haben mehr als 1.000 Biker aus dem ganzen Land gegen drohende Fahrverbote für Motorräder an Wochenenden und Feiertagen demonstriert. (04.07.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.07.2020 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:19
Hamburg Journal
02:21
Hamburg Journal
03:43
Hamburg Journal