Hafenarbeiter: Arbeitgeber und Gewerkschaft vertagen Verhandlung

Stand: 10.08.2022 18:10 Uhr

Im Tarifkonflikt um die Löhne der Hafenarbeiter in den Nordseehäfen haben die Gewerkschaft ver.di und die Arbeitgeber am Mittwoch eine neue Verhandlungsrunde gestartet, sie am Abend aber vertagt.

"Wir haben uns in der heutigen Verhandlung angenähert, liegen jedoch noch an einigen Punkten auseinander", berichtete der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) nach der neunten Verhandlungsrunde. "Wir streben an, ausgehend von den heute erfolgten Schritten, am 22. August ein gemeinsames Ergebnis zu erzielen." Ver.di-Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth sagte: "Wir haben mehr erwartet und sind enttäuscht über die geringe Annäherung."

Einigung galt als unwahrscheinlich

Beide Seiten hatten ihre Verhandlungen knapp zwei Wochen nach dem Warnstreik Ende Juli wieder aufgenommen. In einer Onlineschalte wollten beide Seiten versuchen, eine Lösung in dem festgefahrenen Streit zu finden. Eine Einigung galt allerdings als unwahrscheinlich - auch deshalb, weil es schon einen Gesprächstermin für die zehnte Runde am 22. August gab.

Bis dahin sind nach einem gerichtlichen Vergleich weitere Warnstreiks ausgeschlossen. Zuletzt hatte ver.die vor etwa vier Wochen mit einem Ausstand den Güterumschlag in Hamburg, Bremerhaven und anderen wichtigen Häfen an der Nordsee nahezu lahmgelegt. Der Stillstand hatte 48 Stunden gedauert und es hatten sich mehrere Hafenarbeiterinnen und -arbeiter daran beteiligt.

Ver.di fordert Lohnerhöhungen von bis zu 14 Prozent

Ver.di hatte zuletzt wegen der aktuell hohen Inflation von derzeit knapp acht Prozent auf einer Sicherung der Reallöhne für alle Beschäftigten beharrt. Die Gewerkschaft war mit einem Forderungspaket in die Verhandlungen gegangen, das nach eigenen Angaben in der Spitze Lohnerhöhungen von bis zu 14 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten bedeutet.

Arbeitgeberseite legte "finales" Angebot vor

Die Arbeitgeberseite hatte vor etwa einem Monat ein Angebot vorgelegt mit 12,5 Prozent für die Containerbetriebe und 9,6 Prozent für konventionelle Betriebe - bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Für Beschäftigungssicherungsbetriebe mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Sanierungstarifvertrag taxiert der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) das Angebot auf 5,5 Prozent. Die Arbeitgeber hatten ihr nachgebessertes Paket bereits als final bezeichnet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.08.2022 | 12:00 Uhr

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