Stand: 15.04.2020 17:01 Uhr  - NDR 90,3

Häufung von Corona-Fällen: UKE weist Vorwürfe zurück

Nach der Häufung von Covid-19-Fällen in der Onkologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat die Klinikleitung Kritik an der Informationspolitik zurückgewiesen. Die Gesundheitsbehörden seien von Anfang an über jeden Einzelfall informiert worden, sagte der Direktor für Patienten- und Pflegemanagement, Joachim Prölß, am Mittwoch. Das UKE sei sehr professionell mit den Fällen umgegangen und habe die Situation "sehr gut gemanagt". "Den Tenor, wir haben da etwas nicht konsequent verfolgt, muss ich von uns weisen." Man habe erst mal alles getan, um die Patientinnen und Patienten zu schützen, sagte der Leiter des Zentrums für Onkologie, Carsten Bokemeyer.

Sieben Menschen vorsorglich auf Intensivstation verlegt

Von den etwa 50 betroffenen Patientinnen und Patienten mit Covid-19 lägen derzeit 23 Personen auf der Intensivstation, sagte Prölß. Nachdem ein Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurde, sei man am späten Abend des 5. April zusammengekommen und habe geschaut, welche Kontakte der betroffene Mitarbeiter zuletzt hatte. Darüber hinaus habe man am selben Abend vorsorglich sieben Patientinnen und Patienten der Onkologie-Station auf die Intensivstation verlegt, sagte Prölß. Im Laufe der vergangenen Woche seien dann weitere Patientinnen und Patienten positiv getestet worden - ebenso wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UKE. Bei ihnen handelte es sich Prölß zufolge um Personen aus dem Pflegedienst sowie um Reinigungskräfte und Physiotherapeutinnen und -therapeuten. "Das Augenmerk liegt auf den Patienten, die besonders geschützt werden müssen", sagte Prölß, "aber natürlich auch auf den Mitarbeitern".

UKE: Gesundheitsamt am 6. April informiert

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Man schule das Personal, sagte der Leiter für Krankenhaushygiene, Johannes Knobloch.

Dem zuständigen Gesundheitsamt seien am Morgen des 6. April die Covid-19-Erkrankungen gemeldet worden, "mit dem Hinweis, dass es sich hier um eine Häufung handelt", sagte der Leiter der Krankenhaushygiene, Johannes Knobloch. Jeder einzelne Befund sei dem Gesundheitsamt gemeldet worden. Die Aufgabe der Krankenhaushygiene sei es, herauszufinden, wie es zu solchen Häufungen kommen könne, sagte er weiter. In der Öffentlichkeit werde viel darüber spekuliert. "Zu diesem Zeitpunkt können wir noch nichts Genaues sagen, wir sind in der Analyse der Ereignisse", so Knobloch.

Noch drei Patienten auf der Intensivstation

Alle bis auf drei Patienten seien jetzt wieder auf eine normale Station verlegt worden, betonte Bokemeyer. Von diesen Dreien werde einer künstlich beatmet. In diesem Zusammenhang habe das UKE eine onkologische Station nur für Menschen eröffnet, die positiv auf Covid-19 getestet wurden. Die Betreuung erfolge durch onkologisches Fachpersonal, das ausschließlich dort tätig sei. Die Krebs-Therapie der Patienten werde fortgeführt.

Krebspatienten anfällig für Coronavirus

Die positiv getesteten Krebspatientinnen und -patienten seien insgesamt ein kleiner Teil der onkologischen Station. "Wir testen jetzt alle konsequent im Onkologischen Zentrum", so Bokemeyer. "Wir bauen Expertise und Behandlungsmöglichkeiten für Corona-positive Patienten auf." Das sei etwas Entscheidendes, das man immer wieder brauchen werde, so der Leiter des Onkologischen Zentrums. Denn Krebs sei eine Krankheit, die mit einer gewissen Immunschwäche einhergehe, "daher ist die Kombination keine Seltenheit", sagte er weiter. Daher sei es gut, die Behandlung jetzt zu erproben.

Verlust des Geruchsinns wichtiges Symptom

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Klinikleitung: Situation gut gemanagt

Laut der Klinikleitung des UKE, ist das Krankenhaus professionell mit den Corona-Fällen auf der Onkologiestation umgegangen. Das sagten die Verantwortlichen in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Video (37:52 min)

Jeder neue Patient im UKE werde regelhaft auf Corona getestet. Aufgrund des Krankheitsverlaufs sei es aber möglich, dass ein frisch infizierter Virus-Träger negativ getestet werde. Man lerne jeden Tag dazu, sagte Prölß, genau wie das RKI. "Täglich skalieren wir unsere Schutzmaßnahmen", sagte er weiter. Bokemeyer fügte hinzu, dass auf der Onkologischen Station mittlerweile ausschließlich FFP2-Schutzmasken verwendet würden. Ob diese wesentlich effektiver seien als ein chirurgischer Mund- und Nasenschutz, sei zwar nicht klar, aber man gehe auf Nummer sicher.

Zudem würden Patientinnen und Patienten nicht länger in Zweibettzimmern versorgt, sondern in Einzelzimmern. Da Schutzmasken auch weiterhin Mangelware seien, werde das Personal geschult, wie es möglichst ressourcenschonend mit den Masken umgehen könne, sagte Knobloch. Er betonte zudem, dass der Verlust des Geruchssinns ein wichtiges Symptom sei, auf das vor allem Allergikerinnen und Allergiker achten sollten.

UKE: Ausbruch aufgrund einer Kette von Fehlern?

NDR 90,3 hatte zuvor berichtet, dass der Corona-Ausbruch auf der Onkologie des UKE möglicherweise auf eine Kette von Fehlern zurückgeht. Der Auslöser habe demnach fast einen Monat zurückgelegen. Mitte bis Ende März war bei einer Person auf der Krebsstation das Coronavirus nachgewiesen worden. Dieser Fall soll dem zuständigen Gesundheitsamt des Bezirks Hamburg-Nord aber erst verspätet gemeldet worden seien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.04.2020 | 17:00 Uhr

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