Stand: 21.03.2019 06:39 Uhr

"Gorch Fock": Millionen in Hamburg versickert

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Für die Sanierung der "Gorch Fock" hatte das Bundesverteidigungsministerium rund 70 Millionen Euro vorgestreckt.

Mehr als 20 Millionen Euro für die Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" sind nach vertraulichen Unterlagen, die dem NDR vorliegen, in einem großen Hamburger Firmengeflecht versickert. Im Mittelpunkt steht dabei die frühere Führung der Werft in Elsfleth, gegen die inzwischen die Staatsanwaltschaft in Osnabrück ermittelt. Einige der rund 20 Firmen haben ihren Sitz an der noblen Hamburger Elbchaussee und in Ottensen. Oftmals sitzen gleich mehrere Firmen unter der gleichen Adresse.

Geld floss auch in fachfremde Firmen

Nach Einschätzung von Antikorruptionsexperten ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich eigentlich nur um Briefkastenfirmen handelt. Darunter sind zwar auch Unternehmen, die zumindest einen Bezug zur Schifffahrt suggerieren. Aber auch solche in völlig fachfremden Branchen - wie etwa PR und Filmproduktion. Mindestens zwölf Millionen Euro sollen als Darlehen in diese Firmen geflossen sein, dazu weitere Millionen als Garantien und ähnliches.

Die jetzige Werftführung geht davon aus, dass das Geld weg ist. Das Bundesverteidigungsministerium hat der Werft für die Sanierung der "Gorch Fock" rund 70 Millionen Euro vorgestreckt - Geld mit dem auch zahlreiche Zulieferer bezahlt werden sollten. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt insgesamt gegen fünf Personen, darunter die frühere Werftführung. Nach einem vorübergehenden Baustopp wird seit Wochenbeginn wieder an der "Gorch Fock" gearbeitet.

Sanierung im Dezember gestoppt

Die Sanierung war wegen Korruptions- und Untreue-Vorwürfen gegen den früheren Vorstand der Elsflether Werft im Dezember vergangenen Jahre zunächst gestoppt worden. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte aber kürzlich angekündigt, den vorübergehenden Zahlungsstopp aufzuheben. Derzeit liegt die "Gorch Fock" in einem von der Elsflether Werft angemieteten Dock der Bremerhavener Bredow-Werft.

Im Sommer soll sie wieder schwimmen

Das Segelschulschiff soll bis zum Sommer für zunächst elf Millionen Euro schwimmfähig gemacht werden. Danach soll die Bark für weitere maximal 48 Millionen Euro wieder hochseetauglich werden. Nach den Untreue-Vorwürfen hatte die Elsflether Werft Insolvenz anmelden müssen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.03.2019 | 07:00 Uhr

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