Stand: 06.10.2018 11:39 Uhr

Fluglärmgegner kritisieren Luftfahrt-Branche

Nachdem sich am Freitag Vertreter von Bund, Ländern, EU, von Flughäfen, der Flugsicherung und von Fluggesellschaften im Hamburger Rathaus getroffen haben, kritisieren Fluglärmgegner das Ergebnis. Die Maßnahmen würden keine Verbesserungen bringen, hieß es von den Bürgerinitiativen für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein. Sie saßen nicht mit am Verhandlungstisch. "Die Interessen der Anwohner, der Betroffenen von nächtlichem Fluglärm, sind überhaupt nicht gehört und berücksichtigt worden", sagte Martin Mosel, Sprecher des länderübergreifenden BUND Arbeitskreises "Luftverkehr" sowie der Bürgerinitiativen für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW). Mosel befürchtet sogar noch mehr Fluglärm, weil die Gipfelteilnehmer von einer Zunahme des Luftverkehrs gesprochen hätten.

Ein Flugzeug hebt ab.

Luftfahrt-Branche will Flüge pünktlicher machen

Hamburg Journal -

Am Hamburger Flughafen zählen lärmgeplagte Anwohner besonders viele verspätete Flüge. Beim Luftfahrt-Gipfel im Hamburger Rathaus hat die Branche Maßnahmen beschlossen, das zu ändern.

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Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) setzt dagegen auch auf die von der Lufthansa angekündigten acht Reserveflugzeuge. Sie springen ein, um Ketten-Verspätungen zu verhindern. "Wir sind dann nicht mehr betroffen von Verzögerungen, die sich in Frankfurt oder an anderen Flughäfen ereignet haben, sondern wir sind dann in den Abendstunden tatsächlich ruhiger", so Tschentscher. Es werde schon nächstes Jahr stiller: Flüge nach 23 Uhr wolle der Senat dringend reduzieren.

25 Maßnahmen vereinbart

In einer gemeinsamen Erklärung vereinbarte die Luftfahrt-Branche in Hamburg 25 Maßnahmen, um massive Störungen im Flugverkehr wie in diesem Jahr künftig zu verhindern. Die Flugsicherung etwa soll personell besser ausgestattet werden, die Airlines wollen Flugpläne verbessern und künftig frühzeitig die Kunden informieren. Außerdem wollen die Flughäfen Engpässe bei Sicherheitskontrollen vermeiden. "Wir können Luftverkehr, und das wollen wir unter Beweis stellen", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Weiteres Spitzengespräch geplant

"Das Ausmaß der in diesem Jahr aufgetretenen Flugausfälle und Verspätungen muss in Zukunft reduziert werden", heißt es in dem Papier. Scheuer erklärte nach dem Spitzengespräch in Hamburg, die Erklärung sei ein guter erster Schritt. "Keiner ist zufrieden mit dieser Situation, die 2018 entstanden ist", ergänzte er. Zu den Hauptreisezeiten in diesem Jahr waren in Europa ungewöhnlich viele Flüge verspätet oder ausgefallen. Der Gipfel in Hamburg sei ein erster Schritt zu mehr Sicherheit und Pünktlichkeit am deutschen und europäischen Himmel, sagte Scheuer. "Ich bin sehr zufrieden, dass wir einen wichtigen Schritt gemeinsam gegangen sind."

Es werde nicht der letzte sein. Noch bevor im nächsten Jahr der Sommerflugplan in Kraft tritt, soll sich eine ähnliche Runde noch einmal treffen und eine erste Zwischenbilanz ziehen. "Am Himmel wird es eng, und das spüren wir", so Scheuer. Er werde auch auf europäischer Ebene das Thema stärker nach vorn bringen, um auf dem Weg zu einem einheitlichen europäischen Luftraum voranzukommen.

Lufthansa will 600 zusätzliche Stellen schaffen

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte, sein Unternehmen werde zusätzliche Flugzeuge und Crews an den großen deutschen Flughäfen bereitstellen und insgesamt 600 zusätzliche Stellen für die Verbesserung der Qualität schaffen. Die Lufthansa habe in diesem Sommer infolge von Verspätungen und Ausfällen rund 250 Millionen Euro für Zahlungen an die Passagiere ausgegeben und sei bereit, die gleiche Summe zu investieren.

Kommentar

Kommentar: Neue Regeln für den Luftverkehr

Der Luftfahrt-Gipfel im Hamburger Rathaus hat 25 Maßnahmen beschlossen, um Störungen am Flughafen zu beenden. Ob diese greifen? Volker Frerichs von NDR 90,3 kommentiert. mehr

Die beschlossenen Maßnahmen sehen auch vor, mehr Fluglotsen auszubilden, sie von Sonderaufgaben zu entlasten und flexibler einzusetzen. Das System der Sicherheitskontrollen, das an anderen europäischen Flughäfen weitaus effektiver arbeitet, soll auf den Prüfstand gestellt werden. Bislang ist die Bundespolizei für die Personenkontrollen zuständig, die wiederum private Dienstleister beauftragt.

Tschentscher: Ausmaß nicht mehr akzeptabel

"Wir haben ein Ausmaß an Verspätungen und Flugausfällen, das nicht mehr akzeptabel ist", sagte Bürgermeister Tschentscher. Der Luftverkehr sei ein komplexes System mit vielen Akteuren. "Die gute Nachricht ist, dass wir deshalb auch an vielen Stellen ansetzen können." Es sei die feste gemeinsame Verabredung der Teilnehmer, die Kapazität des Luftverkehrs in Deutschland deutlich zu erhöhen. Alle Akteure würden an einem Strang ziehen.

Die von Verbraucherschützern und Politikern geforderte Stärkung von Fluggastrechten stand nicht im Mittelpunkt des Gipfels. Vielmehr gehe es zunächst darum, Verbesserungen innerhalb des Systems zu erreichen, um die Leistungsfähigkeit zu verbessern, so die Teilnehmer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.10.2018 | 10:00 Uhr

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