Stand: 31.05.2018 22:09 Uhr

Fernwärme-Gutachten: Stadt in der Zwickmühle

Das Hamburger Fernwärmenetz hat in den vergangenen Jahren deutlich an Wert verloren. Das belegt ein Gutachten, das die Stadt Hamburg gemeinsam mit dem Energieversorger Vattenfall in Auftrag gegeben hat. Demnach ist das Fernwärmenetz exakt 645 Millionen Euro wert - inklusive dem Heizkraftwerk in Wedel.

Haushaltsordnung verbietet Verlustgeschäfte

Diese Wertangabe bringt die Stadt Hamburg in eine echte Zwickmühle: Sie muss das Fernwärmenetz von Vattenfall zurückkaufen, so wie es der Volksentscheid von 2013 beschlossen hatte. Doch würde sie das zum damals vereinbarten Mindestkaufpreis von 950 Millionen Euro umsetzen, würde die Stadt massiv gegen die Landeshaushaltsordnung verstoßen, die ein solches Geschäft verbietet.

Was also tun? "Miteinander reden hilft", sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). "Hier sind wir natürlich als Stadt bereit, auch unseren Teil zur Lösung beizutragen. Aber wir erwarten auch von Vattenfall, dass die als ein wichtiger Player am Standort Hamburg bereit sind, einen Schritt auf die Stadt zuzugehen. Und das ist mein Appell: Gesprächsbereitschaft auf allen Seiten! Wir sind gesprächsbereit."

Finanzsenator sieht noch viel Arbeit vor sich

Beide Seiten haben nun vier Wochen Zeit, das Gutachten zu prüfen. Dabei gehe Gründlichkeit vor Schnelligkeit, sagte Dressel zu NDR 90,3. Angesichts der neuen Bewertung von 645 Millionen Euro für das Fernwärmenetz fügte er hinzu: "Es liegt noch viel Arbeit vor uns."

FDP schlägt Moorburg-Angebot vor

FDP-Politiker Michael Kruse forderte den Senat zum Handeln auf. Die Stadt habe eigentlich nur noch die Option, auf Vattenfall zuzugehen und über den Mindestkaufpreis zu sprechen. "Dafür muss die Stadt aber etwas anbieten. Aus unserer Sicht könnte das sein, das Kohlekraftwerk Moorburg an das Fernwärmenetz anzuschließen."

Ein Volksentscheid hatte die Stadt Hamburg 2013 dazu gezwungen, die Energienetze zurückzukaufen. Gas- und Stromnetz sind bereits wieder städtisch - nur das Fernwärmenetz bleibt noch. Das gehört noch zu drei Vierteln dem Energieversorger Vattenfall.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 31.05.2018 | 18:00 Uhr

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