Stand: 09.01.2019 18:30 Uhr

Fahrdienst Moia startet Testphase in Hamburg

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Die sechs Meter langen, gold-schwarzen Elektrofahrzeuge bieten Platz für bis zu sechs Fahrgäste.

Der VW-Fahrdienst Moia hat am Mittwoch in Hamburg seinen neuartigen Elektro-Kleinbus vorgestellt. Ab April sollen zunächst 100 dieser Fahrzeuge, die - über eine App gesteuert - bis zu sechs Fahrgäste mit ähnlichen Fahrtrouten gemeinsam transportieren können, eine Alternative zu den bestehenden Mobilitätsangeboten bieten. Bis dahin sollen technische Erprobungen durchgeführt und mehrere Hundert Fahrer geschult werden. Binnen zwölf Monaten soll die Flotte auf 500 Elektro-Fahrzeuge anwachsen. An der Jungfernfahrt auf einer öffentlichen Straße nahm am Mittwoch neben den Geschäftsführern der VW-Tochter, Ole Harms und Robert Henrich, auch Hamburgs Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) teil.

Fahrpreis steht vor Buchung fest

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Ziel ist, den Kunden eine komfortable und ruhige Fahrt zu bieten - mit viel Beinfreiheit und WLAN.

Der Fahrpreis bei Moia soll höher sein als bei einer U-Bahn- oder Bus-Fahrt, aber günstiger als ein Taxi für die selbe Strecke. Er wird individuell für jeden Fahrgast berechnet. Dabei gilt der Grundsatz: Je länger die Strecke ist, umso mehr muss der Kunde bezahlen. Aber auch die Tageszeit - ob Stoßzeit im Berufsverkehr oder Randzeit, beispielsweise am späten Abend - spielt eine Rolle. Laut Moia soll der Durchschnittspreis für eine Fahrt bei etwa 6 bis 7 Euro liegen. Wie teuer seine Fahrt ist, erfährt jeder Nutzer, bevor er über sein Handy bucht.

Zustieg nur an bestimmten Haltepunkten

Anders als herkömmliche Taxis oder der App-basierte Fahrdienst CleverShuttle bietet Moia keinen Haustür-zu-Haustür-Service an. Die Fahrgäste können nur an festgelegten Haltepunkten an größeren Straßen zu- und aussteigen. Der nächste Haltepunkt soll höchstens 200 Meter entfernt liegen. Südlich der Elbe bietet Moia zunächst keine Fahrten an. Die Fahrer sind alle festangestellte Mitarbeiter.

Eine Entlastung für den Großstadt-Verkehr?

"Bei uns werden Fahrgäste gepoolt, das heißt wir bündeln Fahrgäste mit ähnlicher Fahrtroute in ein und dasselbe Fahrzeug, eigentlich ganz ähnlich wie der ÖPNV", sagte Moia-Geschäftsführer Robert Henrich. "Dadurch steigern wir die Effizienz, steigern die Auslastung und erwarten positive Effekte auf den Verkehr." Die VW-Tochter hat sich das hochgesteckte Ziel gesetzt, mit dem Fahrdienst Probleme wie Stau, Luftverschmutzung und Lärm in Großstädten zu lösen. Ob das tatsächlich gelingt, soll eine wissenschaftliche Auswertung zeigen. Auf lange Sicht will Moia den Fahrdienst auch im Ausland etablieren. "Wir sind momentan mit 50 Städten weltweit im Gespräch", sagte Henrich.

In Hannover läuft Moia erfolgreich

Hamburg ist nach Hannover die zweite Stadt, in der Moia an den Start geht. In Hannover gilt der sogenannte Ridesharing-Service, bei dem sich mehrere Kunden ein Fahrzeug teilen, aus VW-Sicht schon als Erfolg. Nach einer Testphase ist man dort im Sommer 2018 in den Regelbetrieb übergegangen. Rund 60.000 Kunden haben sich in Hannover bereits angemeldet. "Wir sind regelrecht überrannt worden", meinte Moia-Geschäftsführer Henrich. Allerdings ist das Unternehmen in Hannover nicht mit Elektro-Fahrzeugen unterwegs, sondern mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren.

Fahrzeuge eigens für Hamburg entwickelt

In Hamburg hingegen hatte die Verkehrsbehörde darauf gedrängt, dass die Kleinbusse mit Elektro-Antrieb fahren. So kam es, dass die VW-Tochter das Fahrzeug für die Hansestadt ganz neu entwickelt hat - zusammen mit VW Osnabrück und VW Nutzfahrzeuge. Die Stadt Hamburg betrachtet den Fahrdienst als Baustein in ihrer breit angelegten Mobilitätsinitiative im Vorfeld des internationalen Verkehrskongresses ITS im Herbst 2021.

Proteste von Taxi-Fahrern

Seit Langem wehren sich Hamburger Taxi-Unternehmen gegen den Fahrdienst des VW-Tochterunternehmens. Sie befürchten Einbußen für ihr Geschäft. Die Verkehrsbehörde lässt sich von den Protesten aber nicht beirren. "Ich sehe Moia nicht als Konkurrenz für die Taxis, sondern eher als Ergänzung", sagte Verkehrssenator Westhagemann am Mittwoch. Die Hamburger Hochbahn will mit Moia zusammenarbeiten. Denkbar ist etwa eine Einbindung in das Mobilitätskonzept der Hochbahn namens switchh.

Weitere Informationen

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Die britisch anmutenden Elektrotaxis werden auch weiterhin im Hamburger Westen Fahrgäste zum HVV-Tarif einsammeln: Die Bahn-Tochter ioki macht mindestens für zwei Jahre weiter. (15.12.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.01.2019 | 16:00 Uhr

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