Stand: 08.06.2020 06:45 Uhr

Ermittlungen wegen Randale nach Anti-Rassismus-Demos

Demonstration am Jungfernstieg in Hamburg © René Schröder Foto: René Schröder
In der Hamburger Innenstadt kamen am Sonnabend Tausende Menschen zusammen, um gegen Rassismus zu demonstrieren.

Rund 14.000 Menschen haben am Wochenende in Hamburg gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert - viel mehr als erwartet. Nach den friedlichen Großdemonstrationen gab es am Samstagabend Auseinandersetzungen. Die Polizei ermittelt nun gegen elf Personen. Sie müssen sich wegen Landfriedensbruch, Angriffe auf Polizeibeamte und Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz verantworten.

Polizei nahm 36 Menschen in Gewahrsam

Etwa 200 Menschen bewarfen Polizisten mit Steinen, Flaschen und abgerissenen Baustellenlampen. Am Jungfernstieg detonierte Pyrotechnik vor den Füßen der Polizeiketten. Daraufhin nahmen die Beamten insgesamt 36 Menschen in Gewahrsam, darunter 20 Minderjährige. Auch ein 13-Jähriger war dabei.

Einsatz von Wasserwerfern

Für die Dauer des Einsatzes wurden die Randalierenden auf Polizeiwachen gebracht. Mit Kommunikationsteams und Lautsprecherdurchsagen hatte die Polizei zunächst alle Teilnehmenden dazu aufgefordert, sich zu entfernen und den Infektionsschutz zu beachten. Mit Wasserwerfern und Tränengas lösten die Einsatzkräfte die Versammlung schließlich auf. 24 Polizisten wurden bei dem Einsatz durch Flaschen und Steine leicht verletzt.

Kritik an Missachtung von Corona-Regeln

Weil sich Demonstrierende nicht an die Corona-Vorsichtsmaßnahmen hielten, gab es auch Kritik aus der Hamburger Politik. SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf begrüßte die antirassistische Demo, appellierte aber, kreativer zu protestieren - etwa eine Demo auf mehrere Orte zu verteilen. Die Corona-Pandemie sei noch da, betonte CDU-Fraktionschef Denis Thering. Abstandsregeln seien deshalb auch bei Demos einzuhalten. Niemand verstehe, warum er sich im Alltag korrekt verhalten soll, wenn für Tausende Demonstranten Ausnahmen gemacht würden. Für die AfD sagte Ex-Innensenator Dirk Nockemann, man dürfe sich Grundrechte nicht verbieten lassen, aber Maske tragen sei Voraussetzung auch bei Demos. Deniz Celik von der Linken forderte, dass die Polizei gemeinsam mit den Anmeldern coronagerechte Demo-Konzepte entwickelt, sodass die Versammlungen entzerrt würden.

Weitere Informationen
Demonstration am Jungfernstieg in Hamburg © René Schröder Foto: René Schröder

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.06.2020 | 06:00 Uhr

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