Stand: 21.01.2018 07:40 Uhr

Entsetzen über geplante Schulschließungen

Die Pläne des Erzbistums Hamburg, acht seiner 21 katholischen Schulen in der Hansestadt zu schließen, hat Betroffenheit und Bestürzung, aber auch Ärger ausgelöst. Am Sonnabend besuchten Hunderte Eltern und Schüler der katholischen Schulen die Messe im Mariendom in St. Georg und zogen anschließend mit Kerzen um die Kirche, so wollten sie auf ihre Situation aufmerksam machen. Es sei auch darum gegangen, gemeinsam um Kraft und Trost zu bitten, erklärte die Gesamtelternvertretung auf Nachfrage. "Wir sind vor allem deshalb enttäuscht, weil uns zugesichert wurde, beteiligt zu werden", sagte Henrik Lesaar, der Sprecher der Gesamtelternvertretung schon vorher. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Finanzkrise des Erzbistums Hamburg das katholische Schulleben in Hamburg massiv beschädigt." Am Montagnachmittag wollen die Eltern vor dem Mariendom für den Erhalt der Schulen demonstrieren.

Schulsenator: "Unglückliche Entscheidung" für Harburg

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte, er bedauere die Entscheidung des Erzbistums sehr. Besonders für den Bezirk Harburg, wo gleich drei Schulen geschlossen werden sollen, sei das "eine sehr unglückliche Entscheidung". Er gehe jedoch davon aus, dass die meisten staatlichen Schulen höhere Anmeldezahlen verkraften könnten. Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) forderte über Facebook das Erzbistum dazu auf, im Bezirk Harburg mindestens einen Grundschulstandort zu erhalten.

Die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft machte den rot-grünen Senat für die Schließungen mitverantwortlich: "Schuld sind auch die seit vielen Jahren völlig unzureichenden Zuwendungen der Stadt für den Betrieb und die Sanierung", sagte die schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Birgit Stöver.

Stadt will Übernahmevorschläge prüfen

Überlegungen, ob der Staat Standorte etwa in Harburg, Neugraben oder Barmbek übernehmen könnte, will die Stadt prüfen. "Wir sind offen für Gespräche", sagte Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde, dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen. "Wir sind selbst erst vor drei Tagen über die Details der Planungen informiert worden."

Generalvikar Ansgar Thim hatte am Freitag über die Schließungspläne des Erzbistums für 13 der 21 katholischen Schulen informiert. "Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht", sagte er bei einer Pressekonferenz. "Doch um sowohl den verbleibenden Schulen als auch dem gesamten Erzbistum eine Zukunft zu ermöglichen, sind diese Schließungen unumgänglich."

Fünf Schulen nehmen keine Schüler mehr auf

Betroffen sind die Grundschule St. Marien in Altona, die Domschule St. Marien in St. Georg, die Grund- und Stadtteilschule Altona, die Franz-von-Assisi-Schule in Barmbek und das Niels-Stensen-Gymnasium in Harburg. An diesen fünf Schulen werden bereits im kommenden Schuljahr 2018/19 keine Schüler mehr in die Vorschule, in die erste und in die fünfte Klasse aufgenommen.

Ein Jahr später folgen die Sophienschule in Barmbek sowie die beiden Grund- und Stadtteilschulen in Harburg und in Neugraben. "Hier werden derzeit noch Gespräche mit anderen möglichen Trägern geführt, unter anderem auch mit der Stadt Hamburg", sagte Christopher Haep, Leiter der Abteilung Schule und Hochschule im Erzbistum. Alle Schüler, die derzeit die betroffenen Standorte besuchen, sollen ihre Schulzeit dort beenden können.

Fast 80 Millionen Euro Schulden

Das Erzbistum Hamburg, zu dessen Gebiet auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg gehören, hat knapp 80 Millionen Euro Schulden. Nach einem Bericht der Unternehmensberatung Ernst & Young würden diese bis 2021 auf bis zu rund 350 Millionen Euro anwachsen, falls nicht umgesteuert wird.

Das Erzbistum unterhält in Hamburg bislang 18 Grund- und Stadtteilschulen sowie drei Gymnasien mit insgesamt rund 9.000 Schülern. Es ist damit größter privater Schulträger der Hansestadt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.01.2018 | 08:00 Uhr

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