Stand: 15.12.2019 18:43 Uhr  - NDR 90,3

Ein Hochhaus aus Holz entsteht in der Hafencity

von Bert Beyers

Im Elbbrückenquartier entsteht ein Holzhaus mit 19 Geschossen. Der untere Teil des Gebäudes wird aus Stahlbeton gefertigt. Dort wird eine Ausstellung der Deutschen Wildtierstiftung einziehen. Die etwa 180 Wohnungen der Wildspitze werden aus Massivholz bestehen: ein Drittel geförderter Mietwohnungsbau, zwei Drittel Eigentumswohnungen.

Ein Unikat: Das Holzhochhaus "Wildspitze"

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Im Holzbau arbeitet man mit vorgefertigten Teilen - die auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Dadurch gewinnt das Gebäude an Qualität und Präzision. Die Wildspitze soll 2023 fertig sein.

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Holz hinter Glas

Dass die Wildspitze aus Holz besteht, wird weithin sichtbar sein: kein Putz, keine Fassadenplatten, keine Farbe. Allerdings bekommt der Wohnturm eine Hülle aus Glas. Die Scheiben sind beweglich, von den Loggien dahinter kann man sie öffnen. Die Glashaut soll das Holz vor der Hamburger Witterung schützen und auch den Lärm vom Hafen abhalten. Schließlich liegt die Wildspitze direkt am Wasser. Genauer: im Quartier Elbbrücken, das neben dem Überseequartier das zweite urbane Zentrum der Hafencity werden soll. Davon sieht man derzeit auf dem Gelände gegenüber dem Großmarkt allerdings noch herzlich wenig – nur große Sandflächen, Bauzäune und ein paar Maschinen. Die Wildspitze sollte ursprünglich bereits im kommenden Jahr fertig sein. Tatsächlich wird 2020 erst die Baugrube ausgehoben. Die Fertigstellung ist nun für das erste Quartal 2023 geplant.

Holz auf Beton

Mit 19 Geschossen und einer Höhe von 65 Metern wird die Wildspitze das mit Abstand höchste Holzgebäude Deutschlands werden. Vergleichbare Häuser gibt es in Wien und in der norwegischen Stadt Brumunddal, beide sind etwa 20 Meter höher als die Wildspitze. Alle drei Gebäude verfügen über einen Kern aus Stahlbeton für das Treppenhaus und den Lift. Bei der Wildspitze werden zudem die unteren Geschosse aus Beton sein, auch wegen des Hochwasserschutzes. Die Deutsche Wildtierstiftung wird hier eine Dauerausstellung zeigen – daher auch der Name des Gebäudes: Wildspitze. Erst oberhalb der Ausstellungsräume und der Büros der Stiftung erhebt sich die Wohnbebauung aus Massivholz. Es gibt einen niedrigeren Teil mit öffentlich geförderten Mietwohnungen. Daneben steht der Wohnturm mit Eigentumswohnungen, sie haben Größen zwischen 50 und 130 Quadratmetern. Der Durchschnittspreis pro Quadratmeter liegt laut Bauherr bei 8.500 Euro.

Holzbau und Brandschutz

Bei der Wildspitze sind auch die Geschossdecken aus Massivholz. Um die Anforderungen des Schallschutzes zu erfüllen, mussten die Architekten von Störmer, Murphy and Partners sich deshalb etwas einfallen lassen. Natürlich ist bei Holzbauten auch der Brandschutz ein großes Thema. Der Architekt Jan Störmer sieht das allerdings gelassen. Weil massive Holzteile, wenn sie Feuer fangen, an der Oberfläche eine Holzkohleschicht ausbilden - und sich damit selber schützen. Holzhäuser hält Störmer im Brandfall für sicherer als Stahlgebäude. „Ich würde immer ins Holzhaus rennen“, sagt er. Als weitere Sicherheit bekommt der Wohnturm noch eine Sprinkleranlage.

Holzbau: schnell und präzise

Die Firma Garbe Immobilien-Projekte suchte nach einer Alternative zur konventionellen Bauweise in Stahl, Beton und Mauerwerk mit Wärmeverbundsystem. Der Holzbau, sagt Georg Nunnemann von Garbe, sei deutlich präziser. Ein großer Teil der Arbeit findet in der Werkstatt und nicht auf der Baustelle statt. Angeliefert werden vorgefertigte Teile, in einer Größe, wie der Baukran sie noch bewegen kann. Bei der Wildspitze sind das überwiegend Massivholzplatten, die aus Brettern zusammengeleimt und dann mittels Präzisionsfräse in Form gebracht werden. Eine Korrektur auf der Baustelle ist dann kaum noch möglich. Die Teile müssen einfach zusammenpassen. Ja, sagt Georg Nunnemann, die Holzbauweise sei teurer als ein konventioneller Bau. Die schnellere Bauzeit schlägt dagegen positiv zu Buche. Ob die Wildspitze eine Vorlage für weitere Holzhochhäuser sein kann? Für Nunnemann eher nicht. Bei niedrigeren Gebäuden sei der Holzbau wegen des schnelleren Bauens und der höheren Qualität aber eine interessante Option. So bleibt die Wildspitze in der Hafencity wohl eher ein Unikat.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 15.12.2019 | 18:00 Uhr

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