Stand: 18.09.2019 16:18 Uhr

Der Norden will beim Wasserstoff vorangehen

Michael Westhagemann und Michael Eggenschwiler sitzen in einem mit Wasserstoff betriebenen Schlepper am Hamburger Flughafen.

Der Hamburger Senat, Norddeutschlands Handelskammern und der Flughafen Hamburg wollen die grüne Wasserstoff-Technologie vorantreiben. Der aus Windstrom gewonnene Treibstoff soll den Norden gegenüber dem Süden Deutschlands stärken.

"Wir behalten die saubere Energie bei uns"

Die zwölf norddeutschen Industrie- und Handelskammern fordern in einem Positionspapier, das sie am Mittwoch in Hamburg vorgestellt haben, mit Wasserstoff den Technologie-Vorsprung des Südens aufzuholen. Der Windstrom komme aus dem Norden, sagte die IHK-Vorsitzende Nord, Friederike Kühn, am Hamburger Flughafen. "Uns fehlen aber die Leitungen in den Süden. Aber was soll's: Dann müssen wir im Norden etwas daraus machen. Wir behalten die saubere Energie bei uns, wenn der Süden sie nicht haben möchte - und zwar in Form von Wasserstoff."

Sie gab das Positionspapier an Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos). Er gilt als glühender Befürworter von Wasserstoff, den Windräder per Elektrolyse produzieren können. Im Hamburger Hafen soll die weltweit größte Wasserstoff-Elektrolyse mit einer Leistung von 100 Megawatt entstehen, wie der Wirtschaftssenator vor Kurzem angekündigt hatte. Noch in diesem Jahr soll die finale Entscheidung über den Bau der Anlage fallen.

Flughafen sieht sich als Vorreiter

Seit 30 Jahren kämpft Hamburgs Wasserstoff-Gesellschaft für den sauberen Treibstoff. Ihr Vorsitzender ist der Chef des Hamburger Flughafens, Michael Eggenschwiler. "Wir wollen bis 2020 alle konventionellen Fahrzeuge am Airport auf alternative Antriebe umstellen und sind da schon mit 70 Prozent dabei", sagte er am Mittwoch. "Wir fahren mit synthetischem Diesel und wir haben Elektrofahrzeuge. Ich selbst fahre mit Wasserstoff."

Der Flughafen stellte am Mittwoch den ersten Flugzeugschlepper in Dienst, der mit Wasserstoff betankt wird. Anders als Elektrofahrzeuge hat er eine große Reichweite.

"Grüner" Energiespeicher Wasserstoff

Wasserstoff ist keine Energiequelle wie Erdöl, Wind oder Sonnenenergie, sondern ein Energiespeicher. Von Natur aus kommt Wasserstoff nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Um das farblose chemische Element aus dieser Bindung abzuspalten, ist Energie notwendig. Um umweltfreundlichen Wasserstoff zu erzeugen, werden regenerative Energien wie Solar­ oder Windenergie verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten (Elektrolyse).

Regenerativ erzeugter "grüner" Wasserstoff ist ein Schlüsselenergieträger der Energiewende. Er kann nach Darstellung von Experten auch zeitliche und räumliche Schwankungen der Stromgewinnung aus Solar- oder Windenergie ausgleichen.

Ein Großteil des in Deutschland produzierten Wasserstoffs ist allerdings "grauer Wasserstoff": Er entsteht als Nebenprodukt in der Chemieindustrie oder wird aus fossilen Energieträgern erzeugt. Bei dem Verfahren wird das Treibhausgas Kohlendioxid ausgestoßen. (Quelle: dpa)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 18.09.2019 | 13:00 Uhr

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