Stand: 15.07.2018 07:00 Uhr

Demonstranten fordern NSU-Aufarbeitung

Wenige Tage nach den Urteilsverkündungen im NSU-Prozess haben sich Demonstranten am Sonnabend in Hamburg für weitere Aufklärung stark gemacht. Der Protestzug unter dem Motto "Fünf Jahre NSU-Prozess - Kein Schlussstrich" startete am Hansaplatz im Stadtteil St. Georg. Dazu aufgerufen hatte das Bündnis gegen Rechts.

Ihre Forderungen sind ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss, die vollständige Aufklärung des NSU-Terrors und die Auflösung des Verfassungsschutzes. Die Veranstalter sprachen von rund 1.500, die Polizei von rund 700 Demonstranten. Eine von ihnen war Esther Bejerano, die Auschwitz überlebte und sich gegen Rassismus und Faschismus einsetzt. "Ab heute bin ich Teil der Rache der Familien der NSU-Opfer und ihr seid Teil meiner Rache am Nationalsozialismus", sagte Bejerano auf der Demo.

Untersuchungsausschuss gefordert

Bereits am Mittwochabend hatten in Hamburg rund 800 Menschen für weitere Ermittlungen im Umfeld der verurteilten Beate Zschäpe demonstriert. Das Gerichtsverfahren gegen Zschäpe und weitere Unterstützer des NSU habe das Netzwerk der rechtsextremen Gruppe nicht umfassend aufdecken können. Deshalb müsse es auch in Hamburg einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss geben - ein Anliegen, das von den Linken in der Bürgerschaft unterstützt wird.

Militante rechte Szene

Die Hamburger Polizei hatte damals, als Süleyman Taşköprü 2001 im Lebensmittelgeschäft seiner Familie in Bahrenfeld erschossen wurde, in viele Richtungen ermittelt, nur die Spur eines rassistisch motivierten Mordes habe sie nicht verfolgt, sagte Christiane Schneider von den Linken. Dabei habe es zu der Zeit in Hamburg eine militante rechte Szene gegeben. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss könnte klären, ob der NSU um Beate Zschäpe Unterstützer in Hamburg hatte.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 14.07.2018 | 19:30 Uhr

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