Stand: 02.04.2020 17:14 Uhr

Coronavirus: Hamburger Labor bietet Antikörpertests an

Ob ein Mensch an Covid-19 erkrankt ist oder nicht lässt sich mit einem sogenannten PCR-Test feststellen. Überall in Deutschland wird aber auch an Antikörpertests gearbeitet. Nach etwa zehn Tagen, wenn sich das Immunsystem bereits erfolgreich mit dem Erreger auseinandergesetzt hat, zirkulieren diese Antikörper im Blut. Nun hat ein großes Labor in Hamburg begonnen, diese Tests durchführen.

Antikörpertest für ein Gefühl der Sicherheit?

Vor einigen Wochen hatte der plastische Chirurg Jan Prasel einen Halsinfekt, dessen Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus glichen. Er bekam einen der ersten Hamburger Antikörpertests. Prasel war das wichtig, "um ganz sicherzugehen, dass man nicht irgendwas überträgt", sagt er. "Und um sicherzustellen, dass, wenn man schon Covid-19 hatte, sich ganz anders bewegen könnte." Er müsse dann nicht mehr so sehr auf Eigenschutz achten, wenn gesichert sei, dass er die Krankheit bereits durchgemacht habe, so Prasel. Der beste Schutz im Kampf gegen das Coronavirus: eine bereits durchgemachte Infektion. Denn dann wäre er gegen den Erreger immun, weiß der Arzt.

Für den Test nahm sich der Arzt selbst Blut ab. Er will in den kommenden Wochen in der Asklepios Klinik in Barmbek aushelfen, wenn dort viele Covid-19-Patientinnen und -Patienten versorgt werden müssen. Prasel sorgt sich allerdings, dass bald Schutzanzüge und Atemschutzmasken ausgehen könnten und er sich dann selbst gefährden würde. "Das würde man mit Soldaten niemals machen, man würde niemanden in den Krieg schicken, ohne ihn zu bewaffnen oder zu schützen", ergänzt er.

Testkit kommt aus Lübeck

Sein Blut für den Test brachte er direkt in das Labor von Thomas Fenner. Hier wird seit Freitag auf Corona-Antikörper getestet. Das Labor ist bundesweit eines der ersten, die den Test anbieten. Das zertifizierte Testkit kommt von einer renommierten Lübecker Firma. Es gibt zwei Klassen von Antikörpern, hier wird auf Langzeit-Antikörper getestet, sogenannte IgGs. "Wir halten hier im Labor die Langzeit-Antikörper für die wichtigeren, weil wir damit Personenkreise 'freischalten' können. Alle die 'IgG-positiv' sind, haben die Erkrankung gehabt und können in verschiedenste Arbeitsprozesse wieder eingeschleust werden - ohne, dass sie sich irgendwo anstecken können", erklärt Mikrobiologe Thomas Fenner.

Etwa 700 Tests am Tag möglich

Das Hamurger Labor kann etwa 700 "ELISA"-Tests am Tag durchführen. Sinn ergeben sie frühestens zwei Wochen nach der Infektion. Vorher wären noch keine Antikörper nachweisbar. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse, wenn Arzt oder Ärztin den Test veranlasst. "Er entscheidet dann, ob er Blut abnimmt und das in ein Labor seines Vertrauens schickt", sagt Fenner. Es würden noch andere Labore in Deutschland den Test durchführen. "Wir sind sicherlich nicht die einzigen, wir waren nur sehr schnell, das umzusetzen." Sicherlich könne man diese Diagnostik auch zeitnah flächendeckend bekommen, meint Fenner.

Jan Prasel hat sein Ergebnis schnell bekommen: Er hat keine Antikörper gegen das Coronavirus. Wenn er demnächst im Krankenhaus arbeitet, muss er besonders gut auf sich aufpassen.

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Hamburg Journal | 01.04.2020 | 19:30 Uhr

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