Stand: 08.07.2020 14:08 Uhr  - NDR 90,3

Coronavirus: Hamburg hält an Maskenpflicht fest

Zwei Schutzmasken hängen am Rückspiegel © picture alliance Foto: Winfried Rothermel
In Hamburg wird der Mund-Nasen-Schutz vorerst weiter zum Straßenbild gehören.

Der Hamburger Senat bleibt vorsichtig im Umgang mit dem Coronavirus und sieht ein schnelles Ende der aktuellen Maskenpflicht skeptisch. Dafür hatten sich zuvor am Sonntag die Wirtschaftsminister von Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern ausgesprochen.

Maskenpflicht: Wie lange?

"Die Gesichtsmaske im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel ist Voraussetzung für die seit Mittwoch geltenden Lockerungen in Hamburg", sagte Senatssprecher Marcel Schweitzer NDR 90,3 und dem Hamburg Journal. Über weitere Maßnahmen soll demnach erst entschieden werden, wenn die Auswirkungen der bisherigen Lockerungen auf die Verbreitung des Coronavirus klar sind. "Im Verlauf der Pandemie hat sich die Expertenmeinung gefestigt, dass die Mund-Nasen-Bedeckung eine sehr wirksame Maßnahme ist gegen die Ausbreitung des Coronavirus", so Schweitzer. Man wolle erst Ende August die Infektionszahlen aus den Sommerferien abwarten - auch durch Reiserückkehrer. Hamburgs aktuelle Corona-Verordnung gilt bis zum 31. August.

VIDEO: Maskenpflicht: Lockerung nicht in Sicht (3 Min)

Fegebank: Infektionszahlen niedrig halten

Nach Ansicht der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank haben die Masken in den vergangenen Monaten maßgeblich dazu beigetragen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und die Infektionszahlen gering zu halten. Diesen Erfolg dürfe man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, schrieb Fegebank am Montag bei Instagram.

Unterstützung von der CDU

Hamburgs CDU unterstützt in diesem Fall den Kurs des Senats. Eine Debatte um die Maskenpflicht kommt zu früh, findet Fraktionschef Dennis Thering. Noch sei das Virus nicht besiegt und Maske tragen ein notwendiges Übel, um viele andere Freiheiten trotzdem zu ermöglichen. "Mit Masken schütze ich vor allem andere, deswegen wird eine Freiwilligkeit leider nicht funktionieren", sagte Thering. Es gehe darum, eine zweite Welle zu verhindern, gerade auch mit vielen Urlaubsrückkehrern. Ein Blick in die USA zeige auf traurige Weise, wohin eine falsche Lockerheit führen könne.

Handelsverband verständnisvoll

Der Handelsverband Nord in Hamburg hatte zu Beginn der Maskenpflicht Verständnis für Hygienemaßnahmen geäußert, diese aber auch stets als Hemmschuh für die Shopping-Stimmung bezeichnet. Viele Kundinnen und Kunden und Verkäuferinnen und Verkäufer würden den Mund-Nase-Schutz nach wie vor als "belastend" empfinden, heißt es vom Verband. Außerdem sei er potenzielles Streitobjekt, weil Händler Kundinnen und Kunden ohne Maske aus dem Laden werfen müssen und im Gegenzug oft beschimpft würden.

Bußgeld für Inhaber und Inhaberinnen

Denn laut Verordnung müssen Geschäftsinhabende Menschen ohne Maske aus ihren Geschäften verweisen. Tun sie das nicht, drohen Bußgelder in Höhe von 500 bis 1.000 Euro.

Einzelhandel: Kein hohes Ansteckungsrisiko

Ein Beispiel, dass in Geschäften kein hohes Ansteckungsrisiko herrscht, ist laut Handelsverband der Beginn der Corona-Krise. Im Supermarkt gab es damals noch keine Maskenpflicht, es habe aber auch keine steigenden Infektionszahlen gegeben. Im Hamburger Citymanagement schaue man laut Geschäftsführerin Brigitte Engler, was in den anderen Bundesländern passiere. Man wolle auch mit Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) über das Thema Maskenpflicht sprechen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.07.2020 | 15:00 Uhr

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