Stand: 27.04.2020 21:27 Uhr

Coronavirus-Fälle im UKE: Staatsanwaltschaft ermittelt

von Britta von der Heide und Oda Lambrecht, NDR

Nachdem sich auf der Krebsstation des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) mehrere Patientinnen und Patienten mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hatten, ermittelt nun die Hamburger Staatsanwaltschaft nach NDR Informationen gegen Verantwortliche des UKE sowie gegen eine Reinigungskraft. Das bestätigte Oberstaatsanwältin Nana Frombach.

Zwei Strafanzeigen

Zwei Strafanzeigen waren bei der Staatsanwaltschaft eingegangen - und jetzt habe man aufgrund des Inhalts der Anzeigen einen Anfangsverdacht bejaht, sagte Frombach. Die Anzeigenerstatter hatten den Verantwortlichen des UKE fahrlässige Körperverletzung und der Reinigungskraft versuchten Mord vorgeworfen. "Die vorgetragenen Sachverhalte werden von der Staatsanwaltschaft jetzt umfassend in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht geprüft. An die rechtliche Bewertung der Anzeigenerstatter sind wir dabei nicht gebunden." Das heißt, dass die Ermittlungen auch einen anderen Tatbestand ergeben können.

Untersuchung möglicher Infektionswege

Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft lägen keine Informationen vor, erklärte das UKE auf Anfrage des NDR. Das Klinikum untersuche derzeit die möglichen Infektionswege. Es werde auch geprüft, ob jemand vielleicht unbewusst, weil er selbst keine Symptome einer Covid-19-Infektion gezeigt hatte, den Erreger weitergegeben hat. Die Unternehmenssprecherin Saskia Lemm erklärte, dass sie davon ausginge, dass die Infektionen nicht auf eine Einzelperson zurückzuführen seien. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte zuvor berichtet, dass die Infektionen auf eine Reinigungskraft zurückgehen sollen, die erkrankt zur Arbeit gegangen sei.

Drei Patienten sind verstorben

Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass sich mehrere Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende der onkologischen UKE-Station mit dem Coronavirus infiziert hatten. Insgesamt handele es sich um rund 40 Personen. Nach UKE-Angaben sind inzwischen drei Patienten verstorben, die zu denen gehört hatten, die in der vorvergangenen Woche positiv auf SARS-CoV 2 getestet worden waren. Ein 80-jähriger Patient litt an Blutkrebs, eine 59-jährige Patientin an einer Knochenmarkserkrankung. Der Patient und die Patientin seien "in der Endphase ihrer Krebserkrankung unter der COVID-19-Infektion verstorben", so Lemm. Das Virus sei ursächlich für den Tod in beiden Fällen gewesen. Insgesamt seien 73 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UKE-Konzerns - von rund 12.000 - seit Anbeginnn der Corona-Pandemie positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden, hieß auf NDR Anfrage.

Außerdem starb laut UKE am Montagabend ein 47-jähriger Krebspatient. Auch er hatte sich mit dem Coronavirus angesteckt. Wie die Klinik mitteilte, war er an einer aggressiven Leukämie erkrankt. Ob das Coronavirus die Todesursache ist, sollen nun weitere Untersuchungen klären.

Weitere Informationen
Blick auf den Eingangsbereich des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Erstmals ist in Hamburg eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden. Es handele sich um einen Mitarbeiter der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). © picture alliance Foto: Bodo Marks

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.04.2020 | 18:00 Uhr

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