Stand: 29.07.2020 12:48 Uhr

Corona: Jugendliche verbringen mehr Zeit mit Computerspielen

Ein Jugendlicher mit Headset spielt am Computer. © picture alliance / imageBROKER Foto: Ulrich Niehoff
Eine Studie zeigt: Kinder und Jugendliche verbringen während der Corona-Pandemie deutlich mehr Zeit vor dem Computer.

Kinder und Jugendliche haben während der Corona-Pandemie einer Studie zufolge 75 Prozent mehr Zeit mit digitalen Spielen verbracht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung zur Mediennutzung der Hamburger Krankenkasse DAK-Gesundheit zusammen mit Forschern des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Fast 140 statt 80 Minuten pro Tag

Demnach stieg bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren, die mindestens einmal pro Woche spielen, die Nutzungsdauer von digitalen Spielen auf Tablets, Smartphones, Spielkonsolen oder am PC deutlich an: Während im September vergangenen Jahres die durchschnittliche Spieldauer werktags noch bei 79 Minuten lag, kletterte sie im April - also rund vier Wochen nach Beginn der Corona-Beschränkungen - auf 139 Minuten.

Auch soziale Medien im Internet wurden der Studie zufolge in der Corona-Zeit von mehr Kindern und Jugendlichen täglich genutzt. Gaben im September 2019 noch 66 Prozent an, täglich soziale Medien zu nutzen, stieg ihr Anteil im April auf etwa drei Viertel der Befragten an.

"Brauchen Frühwarnsystem gegen Mediensucht"

"Unsere Studie zeigt, dass wir dringend ein verlässliches und umfassendes Frühwarnsystem gegen Mediensucht brauchen", sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Es dürfe nicht länger Zufall sein, Betroffene zu erkennen und ihnen Hilfsangebote zu machen. Neben Kindern wurden in der repräsentativen Untersuchung auch Erziehungsberechtigte in den rund 1.200 Familien befragt.

UKE-Suchtexperte: In vielen Familien fehlen Regeln

UKE-Suchtexperte Rainer Thomasius forderte, Eltern müssten ihren Kindern beibringen, wie sie sich richtig im Internet bewegen. In vielen Familien hätten dafür - wie schon vor Corona - klare Regeln gefehlt, so Thomasius: "Es waren immer 50 Prozent der bundesdeutschen Haushalte, die keine zeitlichen Regeln eingeführt haben, immer ein Drittel der bundesdeutschen Haushalte, wo es den Eltern offenbar egal war, was ihre Jugendlichen, ihre Kinder im Netz machen, das ist erschreckend, dass da keine Änderungen jetzt so in der Zwischenzeit erfolgt sind und mehr Regelwerke in den Haushalten etabliert wurden."

Drogenbeauftragte: Bessere Medienkompetenz gefragt

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), sprach angesichts der Zahlen von einem "heftigen Anstieg", der so nicht weitergehen dürfe. "Was wir brauchen, ist eine bessere Medienkompetenz, gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen überall in Deutschland. Sie müssen wissen, wie viel noch okay ist und ab wann es zu viel wird", sagte Ludwig den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.07.2020 | 12:00 Uhr

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