Der Senator für Kultur und Medien in Hamburg Carsten Brosda im NDR Kultur Studio © NDR/ Mischa Kreiskott Foto: Mischa Kreiskott

Carsten Brosda: "Bei Öffnungen muss die Kultur dabei sein"

Stand: 11.02.2021 07:18 Uhr

Während Friseursalons zum 1. März öffnen dürfen, bleiben Kulturorte weiterhin geschlossen. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) bittet um Geduld.

Im Interview mit dem NDR 90,3 Kulturjournal spricht er sich für den Fall einer Lockerung aber dafür aus, dass die Kultur wenigstens nicht benachteiligt werden darf.

Die Friseursalons dürfen am 1. März wieder öffnen. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass in den kommenden Wochen auch Kulturangebote in Hamburg wieder zugänglich sein dürfen?

Carsten Brosda: "Als Kultursenator hätte ich ein paar Sachen, die ich in der Priorität vor die Friseure packen würde, aber offensichtlich gibt es in solchen Kreisen Leute, denen ihre Haarpracht wichtiger ist. Aber im Ernst: Wir müssen uns alle noch miteinander gedulden. Wir haben als Kulturminister ja den Vorschlag gemacht: Lasst uns das mindestens im Gleichklang laufen lassen, dass also, wenn Schulen und Kitas öffnen, auch kulturelle Bildungsangebote möglich sind. Lasst uns, wenn der Einzelhandel öffnet, spätestens dann auch Museen öffnen, und lasst uns, wenn die Gastronomie an den Start geht, auch wieder in den Bereich der kulturellen Veranstaltungen einsteigen, so dass es zumindest keine Benachteiligung gibt. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung im Vergleich zu dem, was im Herbst passiert ist."

Kino-Betreiber wie Matthias Elwardt vom Hamburger Zeise-Kino wiederholen gebetsmühlenartig, Kulturorte seien sicher. Sie sind ungeduldig. Was sagen Sie dazu?

Brosda: "Ich verstehe und teile die Ungeduld, weil wir auch sehen müssen, dass es jede Woche, die dieser Lockdown länger dauert, wahrscheinlicher wird, dass wir Verwundungen im kulturellen Leben erleben werden, die nicht so leicht wieder weggehen und dass da eben doch etwas zurückbleibt und man nicht einfach sagt: Wir machen wieder auf, schütteln uns einmal und vergessen das Jahr, das hinter uns liegt, und machen weiter, wo wir vorher aufgehört haben. Das wird ein längerer Prozess werden. Ich bitte aber alle diejenigen, die noch im Lockdown sind, wie in den vergangenen Wochen und Monaten konsequent mitzumachen und konsequent mitzuhelfen, damit wir die Zahlen jetzt wirklich runterkriegen. Wenn man dann über die nächsten Lockerungs-Schritte nachdenkt, muss die Kultur dabei sein. Dann müssen die Kinos, die Konzerthäuser und die Theater dabei sein, weil das tatsächlich Orte mit herausragenden Lüftungssystemen und gut eingespielten Hygieneplänen sind."

Die Strukturen aufrechtzuerhalten, kostet viel Geld. Hamburg investiert dieses Geld. Schon jetzt gibt es bei manchen Kulturmacherinnen und -machern allerdings die dunkle Ahnung, dass der Rotstift kommt, wenn auch mit Verzögerung. Mit welchem Schaden für die Hamburger Kulturszene rechnen Sie langfristig?

Dr. Carsten Brosda © Hernandez für Behörde für Kultur und Medien
"Ich verstehe und teile die Ungeduld", sagt Carsten Brosda.

Brosda: "Wir kommen durch dieses und das nächste Jahr haushalterisch gut durch, weil wir als Bundesland - anders als Kommunen zum Beispiel - die Möglichkeit haben, Kredite aufzunehmen, um die Probleme so finanziell zu lösen. Ich mache mir zwar auch um das Materielle sorgen, weil wir die Kredite ja zurückzahlen müssen und weil wir auch einen volkswirtschaftlichen Einbruch haben, der etwas mit der Einnahmesituation des Staates in den nächsten Jahren zu tun hat. Wir werden uns jedenfalls in der Kultur sehr anstrengen müssen, die Relevanz und die Bedeutung öffentlicher, kultureller Orte in das Gedächtnis der Stadtgesellschaft zu rufen. Noch mehr Sorgen mache ich mir um das, was wir gar nicht mitkriegen: Es gibt Umfragen aus Berlin, die zeigen, wie viele Menschen sich schon klammheimlich aus der Musik verabschiedet haben und sagen: 'Das bringt doch gar nichts mehr. Ich mache etwas anderes.' Ich habe echt die Sorge, dass, wenn wir wieder aufmachen, nicht mehr alle da sind, weil Menschen sich entschieden haben, nach dieser langen Strecke etwas anderes zu machen. Und der Verlust an künstlerischem Material und kreativen Impulsen, der uns da droht, der kann immens und auch gesellschaftlich schwierig sein. Deshalb ist es wichtig, einerseits eine materielle Plausibilität zu geben, andererseits auch eine Perspektive darauf zu eröffnen, wie es weitergehen kann, wenn wir schon nicht sagen können, wann es weitergeht."  

Das Interview führte Daniel Kaiser.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 10.02.2020 | 19:36 Uhr

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