Stand: 01.08.2020 10:32 Uhr

Bunkerprojekt will ein bisschen die Welt verändern

Im Mai hat die Stadt Hamburg dem Bund den Hochbunker in der Schomburgstraße in Altona abgekauft. Nun können Bunker und Grundstück für den Gemeinbedarf genutzt werden. Ein großer Schritt für das Kultur-Energiebunker-Altona-Projekt (Kebap), das gemeinsam mit Anwohnerinnen und Anwohner seit zehn Jahren daran arbeitet, den alten Bunker zum Kulturzentrum samt alternativer Enegeriversorgung zu machen. Ein Besuch.

Der Kultur-Energie-Bunker "Kebap" am Emil-Wendt-Park ist ein großes Projekt. Vor den mehr als 20 Meter hoch aufragenden Wänden des ehemaligen Luftschutzbunkers aus dem Jahr 1940 verliert sich der Stadtgarten - mit immerhin 26 Hochbeeten nicht eben klein - auf den ersten Blick beinahe. Hier pflanzen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer von Kebap schon seit Jahren Obst, Gemüse, Kräuter und Blumen an. Der Garten ist immer und für alle offen. Heute erntet Marlene Stabie für das wöchentliche Kochen. "Das ist immer eine ganz schöne Aktivität", sagt Stabie. "Dann kommen auch Nachbarn und Leute aus befreunden Projekten her und wir kochen gemeinsam, was wir hier draußen im Garten ernten."

Kebap will Anwohner versorgen

Die Menschen im Stadtteil nachhaltig mit dem Lebenswichtigen zu versorgen ist das Ziel der Kebap-Leute. Das gilt für Essen genauso wie für Kultur und Energie. Mit dem Schlüssel zum Bunker ist Kepap diesem Ziel nun einen großen Schritt näher kommen.

Noch ist im Bunker drinnen alles fast wie früher, aber die Planungen für Kreativräume für Musikschaffende, Künstlerinnen und Künstler sowie für soziale Projekte laufen. In rechten Bunker-Teil sollen Übungsräume für Bands, Werkstätten oder Ateliers entstehen. Im linken Teil soll alternative Energie erzeugt werden. "Es soll einen Holzhackschnitzelvergaser geben, ein Blockheizkraftwerk, einen großen Wärmespeicher, Solarthermie" sagt Stabie. "Hier sollen also verschiedene innovative Technologien zusammengeführt werden."

Kultur-Energie-Genossenschaft sucht Unterstützer

Marlene Stabie.
Marlene Stabie will mit Projekten wie "Kebap" die Welt verändern.

Alle Ideen, wie die vom späteren Dachgarten, hat "Kebab" gemeinsam mit Anwohnerinnen, Anwohnern und Fachleuten entwickelt und entworfen. Vom Wunsch bis zur Wirklichkeit ist es aber noch ein langer Weg. Irgendwann soll die gewonnene Energie den Kulturbetrieb finanzieren. Bis dahin sind noch viele Fördermittel nötig und viele Menschen, die sich auch finanziell an der Kultur-Energie-Genossenschaft beteiligen wollen.

Die allesamt ehrenamtlichen Aktiven von "Kebap" bleiben zuversichtlich. "Wir haben die Hoffnung und den Glauben daran, dass wir als Gemeinschaft die Gesellschaft verändern können", sagt Stabie. "Und dafür sind solche Orte wie hier nötig." Die Saat zumindest ist gelegt. Wenn sie weiter wie geplant aufgeht, soll der Umbau des Bunkers in anderthalb Jahren losgehen.

 

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 01.08.2020 | 19:30 Uhr

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