Stand: 31.07.2019 11:05 Uhr

Brosda: Hamburg bekommt neue Bojenmänner

von Daniel Kaiser

Die vier beliebten Holzfiguren des Künstlers Stephan Balkenhol auf Hamburgs Gewässern werden erneuert. Das kündigte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) im Interview mit NDR 90,3 an.

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Neue Bojenmänner für Hamburg

Hamburg Journal 18.00 -

Kultursenator Carsten Brosda hat angekündigt, dass die Bojenmänner erneuert werden sollen. Die Holz-Skulpturen des Künstlers Stephan Balkenhol stehen auf mehreren Gewässern in Hamburg.

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Bislang müssen die Figuren aus Eichenholz jedes Jahr im Winter in die Werkstatt. Wasser, Wind und auch Salz haben den Bojenmännern in den vergangenen 26 Jahren allerdings schwer zugesetzt. Mittlerweile gebe es da kaum noch etwas zu retten. "Die Balkenhol-Figuren bleiben", sagte Brosda. Mit dem Künstler Stephan Balkenhol habe man sich jetzt auf eine Lösung verständigt. "Wir sprechen gerade noch darüber, aus welchem Material die neuen Figuren sein werden, aber sicher ist, dass es die Balkenhol-Figuren auch noch im nächsten Jahr und in den kommenden Jahren geben wird."

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) spricht beim Festakt zur Eröffnung des Europäischen Kulturerbejahres 2018. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Reinhardt

Neue Bojenmänner für die Hansestadt

NDR 90,3 - Kulturjournal Spezial -

Die Holzfiguren des Künstlers Stephan Balkenhol werden erneuert, kündigte Kultursenator Brosda an. Außerdem sollen Benin-Bronzen zurückgegeben werden, sagte er im Gespräch mit NDR 90,3.

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Neue Figuren bleiben dauerhaft

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Seit 1993 prägen die Skulpturen von Stephan Balkenhol das Stadtbild Hamburgs.

Schon im kommenden Frühjahr sollen die neuen Figuren ausgesetzt werden und dann viel robuster sein. Ursprünglich waren die Bojenmänner in Alster, Elbe und im Bergedorfer Serrahn als Kunstwerk auf Zeit gedacht. "Die Hamburger haben diese Figuren so lieben gelernt, dass wir sicherstellen wollen, dass sie auch auf Dauer sichtbar sein werden", so Brosda. Die alten Holzfiguren mit weißem Hemd und unbeteiligtem Blick sollen nicht verschrottet werden. Auch sie werden voraussichtlich zugänglich bleiben. Der Künstler Stephan Balkenhol ist mit seinen Holzfiguren an gleich mehreren Orten in Hamburg präsent. Neben den Bojenmännern auf den Gewässern der Stadt finden sich vor der Zentralbibliothek am Hühnerposten langbeinige Figuren und vor Hagenbecks Tierpark hängt ein Mann am Hals einer Giraffe.

Gespräch über Rückgabe der Benin-Bronzen laufen

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Bronzen aus Benin stehen im Museum für Kunst und Gewerbe.

In der Auseinandersetzung um Kriegsbeute in Hamburger Museen versprach Brosda, Exponate, die von afrikanischen Regierungen zurückgefordert werden, so schnell wie möglich zurückzugeben. "Ich bin allerdings dagegen, in so ein neokoloniales Gehabe zu verfallen, was der eine oder andere auch von uns verlangt. Wir sollten mal zurückgeben, ohne dass eine Restitutionsforderung vorliegt", sagte der Kultursenator. In Hamburg warte man jetzt zunächst auf eine Forderung des nigerianischen Staates, der die Exponate dann an ein geplantes Museum in Benin-City übergeben will. Er sei sich sicher, dass Hamburg bei der Rückgabe ganz vorne mit dabei sein werde. "Wir sind aber an einem Punkt, an dem die Nigerianer erst mal sagen müssen: Das wollen wir wiederhaben. Das Gespräch läuft gerade und dann werden wir auch restituieren", so Brosda.

Hamburg war Drehscheibe für Kriegsbeute aus Afrika

Der Kolonial-Historiker Jürgen Zimmerer hatte das Vorgehen Hamburgs kritisiert. Eine sofortige Eigentumsübertragung der Benin-Bronzen nach Nigeria sei ein Gebot der historischen Gerechtigkeit, sagte er NDR 90,3. Deutsche Museen sollten jeden Eindruck vermeiden, sie würden auf Zeit spielen, bis das öffentliche Interesse an der Frage wieder abflaut. Im Hamburger Museum für Kunst Gewerbe und im MARKK, dem ehemaligen Völkerkundemuseum, befinden sich seit mehr als 120 Jahren Exponate, die gestohlen wurden, als britische Soldaten 1897 den Königspalast von Benin-City im heutigen Nigeria plünderten. Hamburg habe sich damals zu einer Drehscheibe für den Handel mit den Objekten entwickelt, erklärte Kultursenator Brosda. "Justus Brinckmann, der das Museum für Kunst und Gewerbe gegründet hat, war einer der - heute würde man wahrscheinlich sagen - 'Top-Hehler' innerhalb Europas." So hat Hamburg bis heute eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen der sogenannten Benin-Bronzen.

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Hamburgs Bojenmänner wieder im Wasser

Die Bojenmänner von Künstler Stephan Balkenhohl gibt es schon seit 1993 in Hamburg. Uwe Umlandt begleitet die lebensgroßen Skulpturen jedes Jahr auf ihrem Weg vom Winterlager ins Wasser. (21.04.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal Spezial | 31.07.2019 | 12:00 Uhr

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