Stand: 15.02.2019 15:23 Uhr

Bluttat am Jungfernstieg: Lebenslang für den Täter

Für den Mord an seiner Ex-Partnerin und seiner kleinen Tochter in der Hamburger S-Bahnstation Jungfernstieg ist ein 34-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Hamburger Landgericht stellte am Freitag zusätzlich die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren in der Praxis so gut wie ausgeschlossen. Der Mann hatte die Mutter und das einjährige Kind im April 2018 mit einem Messer getötet. "Sie haben durch die Tötung Ihrer Frau und Tochter etwas Furchtbares angerichtet", sagte der Vorsitzende Richter Joachim Bülter an die Adresse des Angeklagten. Die Tat habe weit über den Kreis der Angehörigen hinaus für Erschütterung und Entsetzen gesorgt.

Streit ums Sorgerecht

Den Vorsatz zu der Tat, sagte der Richter, habe der Angeklagte spontan gefasst. Am Morgen des 12. April 2018 war der 34-Jährige in der S-Bahn auf seine frühere Lebensgefährtin getroffen. Auch deren neuer Freund war dabei. Der Angeklagte sei dann erneut mit seiner früheren Lebensgefährtin in Streit um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Mariam geraten. Er hielt seiner Ex-Freundin vor, dass deren neuer Freund mit der Tochter zusammenleben könne, während er sein Kind nur eingeschränkt sehen dürfe. "Sie ist mein Blut", habe er immer wieder gesagt. Aus dem Streit heraus habe er sich dann entschieden, sich an der Mutter zu rächen. Deshalb habe er erst seine Tochter, dann deren Mutter getötet. "Er wollte sich an der Mutter rächen, sie betrafen und seinen Machtanspruch an dem Kind demonstrieren", sagte der Vorsitzende Richter.

Verteidiger: "Spontane Tat"

Der Verteidiger des Angeklagten hingegen hatte erklärt, er gehe davon aus, dass der Angeklagte keinen heimtückischen Mord begangen hat, sondern Mutter und Kind spontan aus dem Streit heraus tötete.

Abschiebung unklar

Wird eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt, ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Ob der Angeklagte vor vollständiger Verbüßung der Haftstrafe in sein Heimatland abgeschoben werde, habe das Gericht nicht zu entscheiden, sagte Bülter. Das sei Sache der für die Strafvollstreckung zuständigen Staatsanwaltschaft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.02.2019 | 12:00 Uhr

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