Stand: 09.06.2019 21:14 Uhr

Bestürzung nach Havarie der "No. 5 Elbe"

Nach der Havarie des Lotsenschoners "No. 5 Elbe" laufen die Ermittlungen zu dem Unfall. Das historische Schiff war am Sonnabend auf Höhe Stadersand mit einem Containerschiff kollidiert und gesunken. Sechs Erwachsene und zwei Kinder wurden mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Zu den Gründen, die zum Zusammenstoß mit dem Containerschiff geführt haben, müssten die Ergebnisse der amtlichen Untersuchungen abgewartet werden, heißt es in einem Statement der Stiftung Hamburg Maritim, der die "No. 5 Elbe" gehört.

Saniert, gesunken und gehoben: Das Drama um die "No. 5 Elbe"

Der Segler war noch während des Sinkens abgeschleppt worden und liegt nun im Mündungsbereich des Flusses Schwinge auf Grund. Die Feuerwehr sicherte das Denkmalschiff mit Stahlseilen an Land. Taucher begutachteten es am Sonntag unter Wasser, um die Beschaffenheit und die Bergungslage zu erkunden. Noch ist unklar, wie es mit der "No. 5 Elbe" weitergehen soll - und ob sie sogar wieder flottgemacht werden kann. Der Lotsenschoner war gerade erst für rund 1,5 Millionen Euro aufwendig saniert worden und Ende Mai nach Hamburg zurückgekehrt.

Besucher erschüttert

Am Sonntag besuchten viele Menschen aus der Umgebung das havarierte Schiff, wie NDR 90,3 Stadtreporter Karsten Sekund berichtete. Viele seien erschüttert bei dem Anblick des Lotsenschoners, von dem nur noch die Masten aus dem Wasser herausragten. Die Feuerwehr hat Ölsperren um das Schiff herum gelegt.

Restaurator sieht Chance für Erhalt des Schiffes

Besonders betroffen zeigten sich die Mitglieder des Freundeskreises zum Erhalt des Lotsenschoners. Es sei ein großer Schock gewesen, sagte etwa Marlies Bentz-Kleist: "Ganz furchtbar, das muss man erst mal verdauen."

Ihr Mann, Wolfgang Bentz, hatte mitgeholfen, den Lotsenschoner jüngst in Dänemark zu restaurieren. "Ich habe die Nacht nicht geschlafen", sagt er NDR 90,3. "Wir sind heute morgen hier her, ich habe dann einen Kollegen abgelöst, der die ganze Nacht Wache gehalten hat." Dazu, ob von der "No. 5 Elbe" noch etwas zu retten sei, sagte Bentz: "Es ist ja aus Holz und hatte schon mal Blessuren. Man muss jetzt schauen, welche Schäden durch das Bergen hinzukommen."

Bergung frühestens Mittwoch

Die Eigentümer der "No. 5 Elbe" wurden nun aufgefordert, ein Konzept für die Bergung vorzulegen, wie Bettina Gätje vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg dem NDR sagte. Man müsse dann entscheiden, ob es landseitig oder mit einem Schwimmkran geborgen wird. Wegen des Pfingstwochenendes werde das Schiff aber wohl noch mindestens bis Mittwoch in dem Fluss liegen.

Unfall mit einem 141 Meter langen Containerschiff

Laut Feuerwehr Stade war das 37 Meter lange Schiff am Sonnabend auf einer Gästefahrt mit 43 Passagieren unterwegs. Wie die Polizei mitteilte, kam es dann gegen 14.30 Uhr zu dem Unfall mit dem 141 Meter langen Containerschiff "Astrosprinter", das unter zypriotischer Flagge in Richtung Nordsee unterwegs war.

DLRG und Feuerwehr zufällig vor Ort

Laut Stader Feuerwehrsprecher Stefan Braun haben die Passagiere dabei Glück im Unglück gehabt: DLRG und Feuerwehr waren schon vor Ort, weil sie kurz vorher zu einem anderen Einsatz gerufen worden waren.

Sie haben die Kollision beobachtet und konnten sofort reagieren. Normalerweise braucht die Wasserrettung rund 15 Minuten zum Einsatzort. Die Passagiere an Bord des Segelschiffes wurden von der Stader Feuerwehr und den weiteren Helfern in Sicherheit gebracht.

Polizei ermittelt Unfallhergang

Das Containerschiff habe durch die Kollision so gut wie keine Schäden davongetragen, erklärte Gätje. Da Frachter in der Größe mehrere Kilometer Bremsweg haben, war das Schiff weitergefahren. Laut Havariekommando fuhr die Wasserschutzpolizei ihm mit der "Bürgermeister Brauer" entgegen. In Brunsbüttel ging die Polizei dann an Bord, um den Unfallhergang zu ermitteln. Am Sonnabend war es sehr stürmisch - ob das mit zu dem Unfall führte, ist noch unklar.

Havarie der "No.5 Elbe": Nur noch die Masten über Wasser

Schiff mit bewegter Geschichte

Der Lotsenschoner "No. 5 Elbe" hat eine äußerst bewegte und bewegende Geschichte. Gebaut 1883 bei der Stülcken-Werft in Hamburg, diente das Schiff mehrere Jahrzehnte dazu, Lotsen in der Nordsee an Bord der einlaufenden Schiffe zu bringen - und wieder zurück. Nach der Außerdienststellung wurde die "No. 5 Elbe" in den 1920er-Jahren in die USA verkauft, diente dem Autor und Abenteurer Warwick Tompkins und seiner Familie als schwimmendes Zuhause. Seit 2002 war der Lotsenschoner wieder in Deutschland und nahm bei Tagestörns auch Gäste mit an Bord.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.06.2019 | 17:00 Uhr

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