Stand: 12.02.2020 19:53 Uhr

Beruht Hamburger Klimaplan auf falschen Zahlen?

Der Klimaschutz wird in Hamburg Staatsziel von Verfassungsrang: Die Bürgerschaft stimmte am Mittwoch bei ihrer letzten Sitzung vor der Bürgerschaftswahl einer entsprechenden Änderung der Landesverfassung mit großer Mehrheit zu. Damit wird der Satz "Insbesondere nimmt die Freie und Hansestadt Hamburg ihre Verantwortung für die Begrenzung der Erderwärmung wahr" in die Präambel eingefügt. Auch die Fortschreibung des Hamburger Klimaplans und ein neues Klimaschutzgesetz wurden in zweiter Lesung beschlossen.

Kritiker zweifeln an den Zahlen

Der Klimaplan sieht mehr als 400 Maßnahmen vor, mit denen der CO2-Ausstoß Hamburgs bis 2030 gemessen am Wert von 1990 um 55 Prozent gesenkt werden soll. Davon sei schon eine Menge geschafft, hatte die Umweltbehörde zuvor mitgeteilt. Doch Kritiker bezweifeln das, wie das "Hamburger Abendblatt" (Mittwochsausgabe) berichtete.

Kurioser Wert

Denn die Statistik zeigt einen kuriosen Wert: Im Jahr 1992 soll Hamburgs CO2-Wert um 24 Prozent gesunken sein - um eine Million Tonnen. Der Mineralölwirtschaftsverband hält das für unmöglich. Gegenüber NDR 90,3 erklärte er: "Einen massiven Absatzeinbruch bei Benzin und Diesel binnen eines Jahres können wir aus den Mineralöldaten für die Bundesrepublik nicht herauslesen. Auch für einzelne Bundesländer ist es somit höchst unwahrscheinlich."

Umweltbehörde sieht keinen Handlungsbedarf

Die Umweltbehörde räumte ein, dass die Einsparung von 1992 zu hoch angesetzt wurde, man sei aber weder schuld daran, noch könne man sie korrigieren. Eine Notwendigkeit, den Klimaplan anzupassen, gebe es nicht. "Statistische Unklarheiten aus der Vergangenheit sind für diese in die Zukunft gerichtete Sektorverpflichtung völlig unerheblich" sagte ein Sprecher der Umweltbehörde dem "Hamburger Abendblatt".

"Rot-Grün kann nicht rechnen"

Die Umweltschutzorganisation BUND forderte die Behörde zur Aufklärung auf. Und FDP-Fraktionschefin Anna von Treuenfels erklärt: "Rot-Grün kann nicht rechnen." Der Klimaplan sei hektisch zusammengeschustert und Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) werde zum Klimakasper.

Weitere Informationen
Ein Bus fährt an einer Station zur Luftmessung in Hamburg vorbei. © dpa Foto: Axel Heimken

Senat kündigt Revision gegen Urteil zur Luftreinheit an

Sind in Hamburg neue Diesel-Fahrverbote nötig? Der Senat geht gegen eine Gerichtsentscheidung zu seiner Umweltpolitik vor. Gleichzeitig soll der Luftreinhalteplan überarbeitet werden. (11.02.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.02.2020 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Bei einer Frau wird ein Abstrich mit einem langen Wattestäbchen in der Nase gemacht. © pathermedia Foto: ryanking999

306 neue Corona-Fälle in Hamburg gemeldet

Der Inzidenzwert ist in der Hansestadt nach Angaben der Sozialbehörde auf 97,4 gesunken. mehr

Gemüse auf einem Hamburger Wochenmarkt. © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius

Immer weniger landwirtschaftliche Betriebe in Hamburg

Wie das Statistikamt Nord am Donnerstag mitteilte, gibt es noch etwa 600 Betriebe in der Hansestadt. mehr

An einem Laptop wird aus dem Homeoffice gearbeitet.

Hamburger Wirtschaft kritisiert Homeoffice-Regeln

Es gibt Kritik an der Verordnung der Bundesregierung. Mehreren Wirtschaftsverbänden gehen die Pläne zu weit. mehr

Schriftzug "Hamburg Süd" auf dem Gebäude der Konzernzentrale der Reederei Hamburg Süd © picture alliance / Bildagentur-online Foto: Bildagentur-online/Joko

Reederei Hamburg Süd zieht um

Das denkmalgeschützte Hochhaus wird verkauft, die Mitarbeiter müssen umziehen - wohin ist noch ungewiss. mehr