Stand: 07.05.2019 11:06 Uhr  - NDR 90,3

Beim Einsatz fixiert: Wieder Mann gestorben

In Hamburg ist wieder ein Mann nach einem Zwischenfall bei einer Fixierung gestorben. Der 27-Jährige starb am Montag im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), nachdem er bei einem Polizeieinsatz in der vergangenen Woche einen Herz-Stillstand erlitten hatte. Die Polizei bestätigte gegenüber NDR 90,3 den Todesfall. Jetzt soll eine Eilsektion durchgeführt werden.

Der offenbar psychisch kranke Mann hatte vor einer Woche im Stadtteil Rotherbaum eine Polizistin mit einem Messer verletzt. Zwei Beamte, eine 20-jährige Auszubildende und ihr 31 Jahre alter Kollege, waren nach Angaben der Polizei am vergangenen Montag zu einer Werkstatt in der Nähe des Dammtor-Bahnhofs gerufen worden. Dort hatte der 27-Jährige unvermittelt einen Mitarbeiter mit den Fäusten angegriffen. Der Onkel des Angreifers und weitere Mitarbeiter brachten den 27-Jährigen in ein Büro.

Polizistin im Gesicht verletzt

Als die Beamten den Raum betraten, habe der Mann ein nicht sichtbar getragenes Messer gezogen. Damit habe er die Polizistin im Gesicht verletzt. Ihr Kollege und der Onkel hätten den Angreifer entwaffnen können. Dennoch verletzte der 27-Jährige den zweiten Polizisten durch Schläge und Tritte. Der 31-Jährige erlitt Prellungen im Gesicht.

Nach erneuter Fixierung kollabiert

Weitere Beamte brachten den Angreifer gefesselt ins Kommissariat. Ein Amtsarzt habe der Fixierung des Mannes zugestimmt und ihn als verwahrfähig eingestuft, hieß es. Der 27-Jährige sollte daraufhin vor einen Haftrichter kommen. Nachdem er sich offenbar beruhigt hatte, wurde die Fixierung durch die Beamten gelöst, um den Mann in eine Zelle zu führen. Doch plötzlich leistete der 27-Jährige Widerstand und wurde erneut fixiert. Daraufhin kollabierte der Mann und musste wiederbelebt werden. Er kam in ein Krankenhaus, wo er jetzt starb. Das Dezernat für Interne Ermittlungen hatte bereits in der vergangenen Woche interne Ermittlungen aufgenommen. Der 27-Jährige hatte sich offenbar vor der Tat längere Zeit in einer psychiatrischen Klinik befunden.

Polizeipräsident: Gewalttätige weiterhin fixieren

Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer will weiterhin Festgenommene fixieren, wenn sie gewalttätig werden. Im Gespräch mit NDR 90,3 sagte er am Dienstag: "Man sieht hier, wie schwer diese Einsätze sind. Ich bin eigentlich ein Anhänger vom sogenannten Taser - dem Distanzelektroimpulsgerät - weil ich glaube, dass massive Gewalt der Polizei gegenüber gebrochen werden muss. Aber jetzt muss man das erst mal untersuchen. Das ist unser Ziel und das ist auch der Anspruch."

Erst vor wenigen Tagen Mann nach Fixierung im UKE gestorben

Erst am 26. April war ein Psychiatriepatient im UKE gestorben, nachdem der Sicherheitsdienst ihn wenige Tage zuvor fixiert hatte. Danach wurden Vorwürfe laut, der Sicherheitsdienst sei dabei brutal vorgegangen. Die Obduktion hatte ergeben, dass der Mann aus Kamerun an einem Herzversagen starb. Wodurch es ausgelöst wurde, ist aber noch unklar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.05.2019 | 11:00 Uhr

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