Angriff auf jüdischen Studenten: Täter muss in Psychiatrie

Stand: 26.02.2021 15:52 Uhr

Nach dem Angriff auf einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge muss der Täter dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden.

Das Landgericht Hamburg verurteilte den 29-Jährigen am Freitag wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Zugleich sah es die Schuldunfähigkeit des Täters wegen einer schweren psychischen Erkrankung als erwiesen an. Daher erhielt er keine Haftstrafe.

Richterin: Wahnvorstellungen Auslöser für Tat

Die Tat könne als antisemitisch bezeichnet werden, sagte die Vorsitzende Richterin bei der öffentlichen Urteilsverkündung. Allerdings habe der Täter keiner rechtsradikalen Bewegung angehört. Auslöser für seine Handlung seien allein seine religiösen Wahnvorstellungen gewesen, die sich vor allem gegen Vertreter des Judentums gerichtet hätten. Auch den Zettel mit einem aufgemalten Hakenkreuz, den Ermittler kurz nach der Festnahme des Täters in seiner Hosentasche gefunden hatten, wertete das Gericht nicht als Hinweis auf einen rechtsradikalen Hintergrund. Er habe ihn auf Anraten seiner Mutter zum Schutz gegen seine Wahnvorstellungen bei sich getragen, so die Richterin. Bei dem Hakenkreuz handele es sich laut der Mutter um ein Sonnensymbol.

Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Die vorausgegangene, dreitägige Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Lediglich eine Vertreterin der Jüdischen Gemeinde Hamburg durfte als Beobachterin dabei sein. Wegen seines Gesundheitszustandes wurde der Prozess zum größten Teil in Abwesenheit des Täters geführt. Gegen das Urteil kann innerhalb einer Woche Revision eingelegt werden.

Angriff vor Synagoge

Der 29-Jährige hatte am 4. Oktober 2020 vor der Hamburger Synagoge einem jüdischen Studenten mit einem Kurzspaten auf den Kopf geschlagen und ihn dabei schwer verletzt. Der 26-Jährige wollte gerade das Gelände der Synagoge betreten, wo eine Feier anlässlich des jüdischen Laubhüttenfestes stattfinden sollte. Sicherheitskräfte der Polizei konnten den Angreifer überwältigen.

Weitere Informationen
Mehrere Personen stehen vor dem Landgericht Hamburg und halten ein Plakat.  Foto: Elke Spanner

Prozess um Angriff auf jüdischen Studenten gestartet

Ein 29-Jähriger hatte einen jüdischen Studenten angegriffen. Er gilt als psychisch krank. Vor Prozessbeginn gab es Proteste. (12.02.2021) mehr

Synagoge Hohe Weide in Hamburg-Eimsbüttel  Foto: Anna Rüter

Angriff vor Synagoge: Ermittler bezweifeln Antisemitismus

Nach dem Angriff auf einen Juden in Hamburg könnte der Täter in die Psychiatrie kommen. Die Jüdische Gemeinde ist irritiert. (08.01.2021) mehr

Ein Mannschaftswagen der Polizei parkt vor der Hamburger Synagoge, wo Passanten Blumen, Kerzen und Briefe abgelegt haben. © dpa Foto: Jonas Walzberg

Attacke vor Synagoge: Tatverdächtiger in Psychiatrie

Der mutmaßliche Täter eines antisemitischen Angriffs vor der Hamburger Synagoge ist in einer psychiatrischen Einrichtung. (06.10.2020) mehr

Nach einer Attacke auf einen jüdischen Studenten liegt ein Blumenstrauß vor einer Synagoge. © NDR Foto: Anna Rüter

Jüdischer Student vor Hamburger Synagoge schwer verletzt

Am Sonntag hat es in Hamburg einen offenbar antisemitischen Angriff gegeben. Politiker und jüdische Verbände zeigten sich bestürzt. (05.10.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 26.02.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Ein Bus der Feuerwehr Hamburg. © TV Elbnews Foto: Screenshot

150 Obdachlose in Hamburg wegen Corona-Ausbruch verlegt

42 Menschen hatten sich in einer Unterkunft in der Friesenstraße mit dem Coronavirus infiziert. mehr