Sendedatum: 21.09.2018 19:10 Uhr

30 Jahre Komödie Winterhuder Fährhaus

von Daniel Kaiser

Das erfolgreiche Hamburger Boulevardtheater Winterhuder Fährhaus feiert 30. Geburtstag. Mit der Uraufführung der Komödie "Komplexe Väter" startet die Bühne am Freitag in ihre Jubiläumssaison. Unzählige Theater- und Fernsehstars haben hier schon die Menschen zum Lachen und Nachdenken gebracht. Das Besondere an dem Theater: Es kommt ohne einen Euro Zuschuss vom Staat aus.

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Walter Giller und Nadja Tiller in einem Stück am Winterhuder Fährhaus in Hamburg im Jahr 1989

Herbert Herrmann, Wolfgang Spier, Walter Plathe, Ilja Richter, Jochen Busse, Anita Kupsch, Nadja Tiller, Walter Giller und Edith Hancke. Diese Namen haben die ersten 30 Jahre des Theaters geprägt. Sie kamen und kommen immer wieder. Die Winterhuder Komödie besetzt eine besondere Nische in der Theaterlandschaft. Wenn man von einem Fährhaus-Stück spricht, weiß man in Hamburg eigentlich genau, was gemeint ist: Witz, Energie und eine gewisse Leichtigkeit. Aus dem Hamburger Theaterleben ist die Komödie Winterhuder Fährhaus nicht mehr wegzudenken.

Von der Schenke zur Erfolgsbühne

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Die Komödie Winterhuder Fährhaus liegt direkt an der Alster und ist bei den Hamburgern beliebt.

Dort, wo heute Theater gespielt wird, legten wirklich einmal Schiffe an, und es wurde zünftig gefeiert. 1854 öffnete die allererste kleine Alsterschenke. Generationen von Winterhudern und Eppendorfern hatten im alten Fährhaus Familien- und Stadtfeste gefeiert, bis Ende der 70er Jahre das marode Gebäude mit seinem markanten Türmchen gegen den Widerstand vieler Bewohnerinnen und Bewohner abgerissen wurde. Die Theaterfamilie Wölffer, die die Boulevardbühne am Berliner Kurfürstendamm betrieb, beschloss damals, eine Hamburger Filiale zu gründen. Das neue Theater wurde vom Architekten Peter Schweger entworfen und hatte einen großen Saal mit 580 und einen kleinen mit 99 Plätzen. Als ersten Theaterchef gewann Jürgen Wölffer - und das war ein echter Coup - den langjährigen Staatsopern-Direktor Rolf Mares. Elf Jahre stand er an der Spitze. Sein Motto: "Lieber fünfmal scheitern, als es gar nicht probieren!" Mit seiner Erfahrung und seinem außerordentlichen Ansehen in der Theaterszene führte er das Haus zum Erfolg und machte es zu einer ersten Adresse für gehobene Unterhaltungskunst.

Keinen Euro Zuschuss

Als Mares damals in der Hamburger Kulturbehörde vorstellig wurde, um über die Theaterpläne zu berichten, kamen die Beamten gar nicht dazu, mit leidendem Blick auf leere Staatskassen hinzuweisen, die eine Förderung des Theaters unmöglich machen. Denn das Fährhaus-Konzept sah von Anfang an vor, ohne öffentlicher Gelder auszukommen und allein auf publikumswirksame Stücke zu setzen. Und so ist das bis heute. Geld aus der Kulturbehörde gab es allein für die Bühne "Kontraste" im kleinen Saal, die von 2001 bis 2018 schwärzere, frechere, makaberere und experimentellere Stücke zeigte als die große Bühne.

Mares gibt Contra

Die allererste Premiere "Stürmische Überfahrt" von Curth Flatow am 2. September 1988 hatte es noch etwas schwer. "Das Haus in Montevideo" von Curt Goetz gleich danach wurde aber zum Riesenerfolg. Mares hat es geliebt, sich - besonders nach schlechten Zeitungs-Kritiken - vor den Plakaten photographieren zu lassen, wenn er das "Ausverkauft!"-Schild anbringen konnte, weil ihm die Leute trotzdem die Bude eingerannt haben. Legendär sind Mares‘ Briefe an Kulturjournalisten nach Verrissen. Von 1999 bis Juli 2017 wurde das Theater vom Kulturmanger und Musiker Michael Lang geleitet. Seit seinem Wechsel an die Spitze des Ohnsorg Theaters 2017 leitet Britta Duah die Komödie.

Neujahrspunsch mit "Loki und Smoky"

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Moderator Gerd Spiekermann moderiert den beliebten Neujahrspunsch im Winterhuder Fährhaus.

Im Winterhuder Fährhaus lacht das bürgerliche Hamburg. Und das nicht nur abends. 1990 lud Rolf Mares zum ersten Neujahrspunsch ins Theater. Die bunte Veranstaltung, die jahrzehntelang vom Hamburger Theaterberserker Eberhard Möbius moderiert wurde, ist heute - auch mit seinem Nachfolger Gerd Spiekermann - eine echte Hamburgensie. Nicht zuletzt das Ehepaar Helmut und Loki Schmidt brachte der Veranstaltung mit seinem treuen Besuch das richtige Gewicht. Und was war das für ein fast schon bundesweiter Aufruhr, als die beiden im Jahr 2008 doch tatsächlich im Theater ihre Zigaretten anzündeten. Eine Nichtraucher-Initiative zeigte die beiden an. Am Ende mussten sie ein symbolisches Bußgeld zahlen. Beim Neujahrsempfang 2010 blieben die Zigaretten aus.

Unschlagbare Nähe zum Publikum

Oft übernimmt die Hamburger Bühne Produktionen aus dem Berliner Mutterhaus. Immer wieder sind aber auch eigene Stücke zu sehen, so wie jetzt die Uraufführung zum Geburtstag "Komplexe Väter" mit Jochen Busse und Hugo-Egon Balder. Die Nähe zum Lachen und Leben der Menschen ist die große Stärke der Komödie Winterhuder Fährhaus. Anita Kupsch spielte hier mal ihr Solo-Programm "Männer und andere Irrtümer" und fand eines Tages einen Riesenstrauß roter Rosen und einen Umschlag in ihrer Garderobe. Auf der Karte stand: "Liebe Anita Kupsch! Vor 14 Tagen war ich in Ihrer Vorstellung. Vor vier Tagen habe ich meinen Mann rausgeschmissen. Vielen Dank!"

Ein Mann und eine Frau sitzen auf einem Sofa im Winterhuder Fährhaus. © NDR/Emine Cekirge Foto: Emine Cekirge

Treue Abonnenten im Winterhuder Fährhaus

NDR 90,3 - Kulturjournal -

Sie waren von Beginn an dabei: Karin und Jürgen Kusel sind seit 30 Jahren Abonnenten in der Komödie Winterhuder Fährhaus - und blicken zum Jubiläum zurück auf die Entwicklung des Theaters.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 21.09.2018 | 19:10 Uhr

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