Stand: 12.09.2018 21:57 Uhr

Ryanair-Streik: Auch im Norden Flüge ausgefallen

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Wegen des Streiks blieben einige Ryanair-Maschinen am Boden.

Piloten und Flugbegleiter an den zwölf deutschen Basen der irischen Airline Ryanair sind am Mittwochmorgen in einen 24-stündigen Streik eingetreten. Zu dem Ausstand hatte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di gemeinsam mit der Vereinigung Cockpit (VC) aufgerufen. Erstmalig versuchten damit die Gewerkschaften beider Berufsgruppen gemeinsam, Verbesserungen beim größten Billigflieger Europas zu erzielen. Der Ausstand soll bis Donnerstag früh um 2.59 Uhr dauern. Das Unternehmen hatte am Dienstag angekündigt, dass 150 von 400 geplanten Flügen in Deutschland nicht stattfinden könnten. Eine Liste der ausfallenden Flüge wollten die Iren nicht veröffentlichen. Insgesamt fliegt Ryanair 19 Flughäfen in Deutschland an, im Norden sind es Hamburg und Bremen.

In Bremen neun Flüge gestrichen, in Hamburg zwei

In Bremen wurden neun von 16 geplanten Flügen der Billigfluglinie abgesagt. Das Unternehmen habe unter anderem Verbindungen nach London, Mailand und Mallorca gestrichen, sagte Flughafen-Sprecherin Andrea Hartmann. Ursprünglich war nur von drei Ausfällen die Rede gewesen. In Hamburg fielen zwei von planmäßig 14 Verbindungen aus.

Bei einem ersten Streik am 10. August waren von Ryanair bereits 250 Flüge abgesagt worden.

Tarifkonflikt mit Piloten und Kabinenpersonal

Eine Maschine der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair rollt am Flughafen-Terminal vorbei.

"Geld geht an Aktionäre, nicht an Mitarbeiter"

NDR Info -

Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt spricht bei NDR Info über die bisherige Tarifpolitk von Ryanair und über die Veränderungen in der Branche nach der Air-Berlin-Pleite.

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Die Fronten in dem Tarifkonflikt sind verhärtet. "Wir werden nicht nachgeben", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Mittwoch in London. Die Fluggesellschaft sei den Mitarbeitern bereits in allen wichtigen Punkten entgegengekommen. Das Einzige, was man abgelehnt habe, sei die "aberwitzige" Forderung nach höheren Gehältern. Er rief die Gewerkschaften auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Die Gewerkschaften ver.di und VC reagierten empört auf die wiederholten Drohungen des Managements. "Es ist ein absoluter Skandal, wenn hier Mitarbeiter bedroht werden, die ihren Grundrechten nachgehen", sagte VC-Vize Markus Wahl am Mittwoch in Frankfurt. Das zeige erneut, dass Ryanair versuche, die Beschäftigten mit der Angst um den Arbeitsplatz unter Druck zu setzen. Allerdings belege die hohe Streikbeteiligung, dass diese Mittel nicht mehr wirkten.

Bei den Piloten konnten sich beide Seiten bislang weder auf ein Schlichtungsverfahren noch auf die Person eines Schlichters einigen. Ver.di-Verhandlungsführerin Mira Neumaier nannte das Tarifangebot für die Flugbegleiter nach zwei Verhandlungsrunden völlig unzureichend. Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über einen Zeitraum von drei Jahren nur um 41 Euro monatlich angehoben werden.

Diese Ansprüche haben Passagiere

Passagiere, deren Flüge ausfallen oder sich verspäten, haben Ansprüche auf Ersatzleistungen. Diese sind jedoch im Streikfall sehr eng begrenzt: Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei Flügen bis zu 1.500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1.500 bis 3.500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3.500 Kilometern nach vier Stunden. Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und Reisende ihn dann verpassen.

Entschädigungen gibt es bei Streiks nicht

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand. Entschädigungen gibt es daher nicht.

Kommentar
NDR Info

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08.08.2018 18:30 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.09.2018 | 17:00 Uhr

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