Stand: 13.12.2017 16:54 Uhr

Pro und Kontra: Online-Shopping

Amazon und andere Bücher-, Mode- oder Geschenkartikel-Händler schrauben vor Weihnachten ihre Online-Umsätze und -Erlöse in schwindelerregende Höhen. Viele Menschen nutzen den Internet-Service, sich Geschenke (manchmal sogar schon verpackt) nach Hause liefern zu lassen. Doch alles hat zwei Seiten: Denn durch den Bestell-Wahn sind die Mitarbeiter in den Warenlagern oder die Paketzusteller im Vollstress! Was also tun: Online-Shoppen - ja oder nein?

Die NDR Info Redakteure Nils Kinkel und Tom Heerdegen haben dazu unterschiedliche Ansichten. Und was meinen Sie? Schreiben Sie uns - unten auf dieser Seite.

Pro

"Online-Shoppen spart wertvolle Zeit", meint Nils Kinkel.

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Nils Kinkel genießt seine virtuellen Einkaufstouren auf der Couch - und freut sich, wenn der Paketbote oft klingelt.

Meine Weihnachtsgeschenke sind alle bestellt. Online. Der Postbote fährt bei uns inzwischen mit einem Elektromobil vor. Eines Tages klingelt vielleicht der Roboter an der Tür oder eine Drohne landet mit dem Päckchen auf dem Balkon. Wer weiß, was die Digitalisierung noch alles verändert.

Ich genieße jedenfalls die virtuelle Einkaufstour auf der Couch. Vergleiche, bewerte und schicke natürlich die Pakete zurück, wenn das Produkt nicht hält, was es verspricht. Ich bin Kunde, ich bin König. Warum soll ich deshalb ein schlechtes Gewissen haben?

Mein Schulfreund fährt seit Jahren Pakete aus und ernährt davon seine Familie. Ja, er meckert jetzt wieder kurz vor Weihnachten, wie jedes Jahr. Wenn der Handel boomt, dann stellt doch bitte noch mehr Mitarbeiter ein. Bezahlt sie eben besser, wenn sich keiner mehr bewirbt. Das nennt man Wettbewerb. Der Händler muss zum Kunden kommen und nicht umgekehrt.

Im Moment experimentiere ich mit Lebensmitteln. Weil ich in der Rushhour nicht mehr im Stau stehe, habe ich mehr Zeit zum Kochen. Die frischen Produkte vom Bauer schickt mir ein Start-up direkt in die Stadt und trägt sie auch noch bis zur Tür. Dafür bezahle ich gerne drei Euro und habe am Ende mehr Zeit für die Familie.

Kontra

"Wie blöd sind wir eigentlich?", fragt sich Tom Heerdegen.

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Wenn unsere Einzelhandelskultur untergeht, stirbt mit ihr ein großes Stück Lebensqualität, meint Tom Herdegen.

Ja, ich mache es auch: Ich bestelle bei Amazon und Co.! Oft sogar, um ehrlich zu sein; und auch bei mir daheim wäre es unter dem Weihnachtsbaum ziemlich luftig in diesem Jahr ohne die Geschenke aus dem Netz.

Einkaufs-ethisch bin ich also nicht gerade in der Position, mich moralisch über andere zu erheben und hier das große Wort zu führen. Aber eine Frage möchte ich stellen - mir selbst und ein paar anderen Menschen: Wie blöd sind wir eigentlich? Wir sehen doch, was los ist: Auf der einen Seite müssen Geschäfte schließen, Innenstädte sind schwer gezeichnet vom Überlebenskampf des Einzelhandels. Einkaufsmöglichkeiten vor Ort gehen verloren - und mit ihnen viele Jobs. Den Kommunen brechen dringend benötigte Einnahmen weg, ganze Gegenden veröden.

Auf der anderen Seite sorgt der durch das World-Wide-Shopping ausgelöste Boom in der Logistikbranche nicht nur dafür, dass wir uns dem Verkehrsinfarkt in rasanter Lieferwagenfahrt nähern. Die meisten Arbeitsplätze, die in Packstationen und hinter dem Lenkrad entstehen, sind von einem Traumberuf ähnlich weit entfernt wie die angelieferten Billigprodukte aus Fernost von fairem Handel. Und mit Steuerzahlungen der Big Player im Versandgeschäft würde ich eher auf den Bahamas rechnen als in Bad Bramstedt.

Und wir ahnen doch, wie es weitergeht: Ist die Konkurrenz erst erledigt, könnten sich die Geschäftsbedingungen rasch ändern. Mir erscheint es zumindest fraglich, dass uns Amazon auch dann noch die Portokosten für den neuen Roman spendiert, wenn es den Buchhändler um die Ecke nicht mehr gibt. Und wenn unsere Einzelhandelskultur untergeht, stirbt mit ihr ein großes Stück Lebensqualität. Das Gute an dieser schlechten Entwicklung ist: Wir können sie noch aufhalten. Wenn wir nicht zu bequem dafür sind.

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NDR Info | Kommentare | 13.12.2017 | 17:08 Uhr

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