Stand: 10.08.2018 09:30 Uhr

Klimawandel: Wassermanagement für die Zukunft

von Achim Gutzeit, NDR Info

Erst wochenlange Hitze und dann öffnen sich die Schleusen - auf Städte prasseln Regenmassen und Unwetter nieder. Solche Extreme nehmen zu und die Wasserwerke bauen schon jetzt für die Zukunft - wenn der Klimawandel Alltag ist.

Klaus Krieger: Das Siel ist auch ein unterirdisches Rückhaltebecken.

Abstieg in Hamburgs Unterwelt: Ingenieur Klaus Krieger von Hamburg Wasser steht 20 Meter unter der Oberfläche in einem neu gebauten Kanal und zieht den Kopf ein. "Wir sind hier am Rande der Wallanlagen in Hamburg und wir schauen jetzt in dieses lange Siel, 1,80 Meter im Durchmesser und die Wände sind beschichtet, mit Kunststoff, mit Polyethylen, sodass das Abwasser nicht an den Beton rankommt", erklärt Krieger. "Denn Abwasser ist aggressiv und wir wollen, das diese Kanäle möglichst lange halten."

Mehr als 5.000 Liter Wasser pro Sekunde können durch die mannshohen Stahlbetonringe rauschen. Aber im Extremfall reicht das nicht, deshalb haben sie noch eine weitere Funktion, so Krieger: "Das ist sozusagen auch ein unterirdisches Rückhaltebecken, was wir hier schaffen. Es kann die Abflussspitzen bei Starkregen dann auch entsprechend puffern, bevor sie weitergeleitet werden zur Kläranlage."

Hauseigentümer sollten sich vorbereiten

Diese Puffer werden immer wichtiger, weil plötzliche extreme Niederschläge den Prognosen zufolge zunehmen und das Wasser kaum noch irgendwo versickern kann. Deshalb werden notgedrungen Straßen, Parkplätze oder begrünte Hausdächer zum Zwischenspeicher, bis die Kanalisation wieder bereit ist.

Das ist keine Notsituation, solange auch Hauseigentümer zum Beispiel für dichte Kellerfenster sorgen. Das Bewusstsein dafür fehlt aber, kritisiert Krieger. Jeder sei gefordert, auch eine gewisse Vorsorge zu betreiben, um sich vor solchen Starkregenfolgen zu schützen. "Und wenn diese in der Zukunft noch häufiger auftreten sollten und zunehmend an Stellen gebaut wird, wo man früher aus gutem Grund bislang nicht gebaut hat - zum Beispiel an Geländetiefpunkten - dann muss man sich auch bautechnisch darauf einstellen. Das ist also auch eine Herausforderung für die Architekten und für die Bauherren", so Krieger.

Karte zur Berechnung von Starkregen in Bleckede. © Helmholtz Zentrum

Bleckede schützt sich vor Starkregen

NDR Info - NDR Info Perspektiven -

Immer häufiger richtet starker Regen Schäden an. Die Stadt Bleckede im Landkreis Lüneburg hat jetzt einen ganz eigenen Weg gefunden, um sich besser davor zu schützen.

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Andernorts ist Wassermanagement lange Alltag

Im Gegensatz zur Stadt ist vor allem in ländlichen Küstenregionen das Verständnis für das Thema Wasser ausgeprägter. In Schleswig-Holstein ist Wassermanagement Alltag. Und das laut Matthias Reimers vom Deich- und Hauptsielverband in Dithmarschen schon seit dem 12. Jahrhundert. "Letztendlich hat man schon damals festgestellt, dass Wasserwirtschaft vor allem im Küstenbereich nur zu organisieren ist, wenn man sich gegenseitig unterstützt, anders kanns gar nicht laufen. Also das sogenannte genossenschaftliche Prinzip, was hier übers Wasserverbandsgesetz umgesetzt wird. Was sagte unser ehemaliger Verbandsvorsteher immer: 'Wat een allein nie kann, dafür steiht die Verband.' Es geht nur zusammen", betont Reimers.

Große Investitionen notwendig

Vor zehn Jahren haben die Verantwortlichen in Schleswig-Holstein mit einer Bestandsaufnahme begonnen. Zehntausende Kilometer Kanäle, Pumpstationen und Schöpfwerke müssen teils angepasst oder erneuert werden. Ein Kraftakt, sagt Reimers: "Wir stehen vor großen Investitionen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, wenn wir uns die Gesamtinfrastruktur der Wasser- und Bodenverbände im Land Schleswig-Holstein angucken, bewegen wir uns im Milliarden-Bereich, der da auf uns zukommt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 10.08.2018 | 11:50 Uhr

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