Beleuchteter Erker in winterlicher Nacht © picture alliance Foto: Martina Raedlein
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AUDIO: Rau(h)nächte zwischen den Jahren - Die Wilde Jagd und das Christentum (29 Min)

Raunächte zwischen den Jahren - Wilde Jagd und das Christentum

Stand: 28.12.2023 09:17 Uhr

Die sogenannten Raunächte sind die zwölf Nächte zwischen Heiligabend und dem Tag der Heiligen Drei Könige. Dann scheint die Zeit still zu stehen und etwas anders zu laufen. Welche Bedeutung haben sie?

von Florian Breitmeier, Martina Kothe

In den sogenannten Raunächten ziehen nach alten Erzählungen Frau Perchte, Frau Holle, Wotan und die Wilde Jagd über das Land. Es sind Nächte, in denen die Tiere sprechen können. In denen - auch heute noch - die Häuser und Ställe mit Weihrauch geräuchert werden, und in denen man auf keinen Fall Wäsche waschen darf. Wo kommen diese Geschichten her? Was bedeuten sie für uns heute? Und wie hat das Christentum die althergebrachten Gedanken aufgenommen und umgewandelt?

Bedeutung der Raunächte

Die Nächte sind lang und dunkel. Das Wetter ist oft stürmisch und man ist auf sich selbst zurückgeworfen. Seit jeher waren diese Tage zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Januar dazu da, sich zu besinnen, Rückschau zu halten und sich auf das neue Jahr vorzubereiten. Es haben sich über Jahrhunderte viele Traditionen gehalten, zum Beispiel die, dass in diesem Zeitraum keine Wäsche gewaschen werden soll.

Ursprung von "Zwischen den Jahren"

Viele Menschen nutzen diese Zeit zwischen den Jahren für einen Kurzurlaub oder zum Entspannen. Dabei sind die Raunächte auch Entscheidungszeiten, in denen sich den alten Überlieferungen die Zukunft deuten lässt. Das christliche Weihnachtsfest wurde in diesen Zeitraum durchaus bewusst integriert. Dazu sagt der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti: "Es gibt zum Beispiel auch den Hinweis darauf. Der 6. Januar ist ja auch einmal ein Weihnachtstermin gewesen und damit ein Beginn des neuen Jahres. Denn Weihnachten wurde auch mal mit dem Jahresanfang gleichgesetzt. Und wenn das Evangelium verlesen wurde und dabei eine Puppe als Christkind in die Krippe gelegt wurde, dann war damit der Beginn des neuen Jahres gegeben. Und so, wie sich das verschoben hat und dann in unterschiedlichen Teilen der Welt auch unterschiedlich gehandhabt wurde, war das eine ungewisse Zeit. Man wusste gar nicht so genau, war man noch im alten Jahr oder war man schon im neuen Jahr? Und so kommt dann der Begriff auf: zwischen den Jahren. Es ist eine Zeit in der das Alte aufhört und das Neue beginnt."

Weitere Informationen
"Knecht Ruprechts Ankunft": Holzstich nach Zeichnung von Ludwig Richter (1803-1884). Spätere Kolorierung. Aus: Knecht Ruprecht. Eine Weihnachtszeitung von Johann Traugott, mit Bildern von Ludwig Richter. Leipzig (J.T. Löschke) 1852. © picture alliance / akg-images

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | vertikal horizontal. Glaubens- und Gewissensfragen | 25.12.2023 | 08:40 Uhr

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Weihnachten

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