Karussel bei Nacht.  Foto: Anke Hanusik aus Grimmen

"Layla": Dürfen sexistische Songtexte auf Volksfesten gesungen werden?

Stand: 16.07.2022 15:13 Uhr

"Layla" spielt die Hauptrolle in einem Nummer-1-Hit von DJ Robin & Schürze. Das Problem: Der Song ist sexistisch. Die Stadt Würzburg hat deshalb beschlossen: Das Lied soll auf dem städtischen Volksfest nicht gespielt werden. Nun ist eine Debatte entbrannt.

Karussel bei Nacht.  Foto: Anke Hanusik aus Grimmen
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von Julia Hercka

Die Band Troglauer, die regelmäßig auf Volksfesten auftritt, war am Montag gerade auf dem Weg zu ihrem Auftritt im Bierzelt in Würzburg, als sie die WhatsApp-Nachricht bekam: Bitte spielt diesen Song nicht. Für sie zunächst überraschend. Die Menschenmenge im Bierzelt wiederum war mit der Entscheidung der Stadt nicht einverstanden, erzählt Domml, der Sänger der Band: "Es war natürlich so, dass die gröhlende Menge ständig das Lied gefordert hat. Wir waren erstmal ruhig, ließen es gewähren. Dann fing die Menge an zu singen."

Kein Verbot, sondern Bitte zur Unterlassung

Das Netz ist voll von Videos, die diese Szene zeigen. Aber ist es nun in Ordnung, dass die Menschenmenge den Song singt? Uwe Zimmermann von der Stadt Würzburg betont: Es gebe kein Verbot und damit auch keine strafbare Handlung. Die Stadt sei auch keine Sittenpolizei. Vielmehr geht es um die Frage: Welche Rolle nimmt man als Veranstalter eines Familienvolksfestes ein? "Es ist einfach ein geschmackloses Lied für uns. Wir wollen es auf der Bühne nicht aktiv anspielen", erklärt Zimmermann. "Wenn Menschen das auf dem Nachhauseweg oder im Festzelt oder wo auch immer singen, werden sie keine Ermahnung, keinen bösen Blick und keine Ordnungswidrigkeit bekommen."

"Layla"-Macher wehren sich gegen Sexismusvorwurf

Die Macher wiederum wollen in dem Song keinen Sexismus erkennen. Es gehe nicht um eine Prostituierte, sondern um eine Puffmutter. Das habe nichts mit Sexismus zu tun, sagte DJ Robin der Bild-Zeitung. Fragwürdig ist vor allem folgende Textzeile: "Sie ist schöner, jünger, geiler." Frauen als geil oder als Luder zu bezeichnen, wie es weiter im Text heißt, ist nicht gerade charmant, gibt Trodlauer-Sänger Domml zu. Für ihn ist die Frage aber eine andere: "Wo fängt man da an? Es wird immer gerne "Skandal um Rosi" gesungen. Oder im Bereich der Gangster-Rapper gibt es zahlreiche Texte, die deutlich schlimmer sind."

Doch auch in Düsseldorf soll der Song auf der Rhein-Kirmes nicht gespielt werden. Der Grund, aus dem in Würzburg der Song "Layla" unerwünscht ist, sei recht simpel, erklärt Uwe Zimmermann: "Wir haben keine Playlist, was politisch erlaubt ist und was nicht. Es kam die ganz konkrete Anfrage nach diesem Lied von einem lokalen Medienunternehmen. Diese Anfrage haben wir beantwortet. Dass wir damit einen medialen Wert in ganz Deutschland erreichen, haben wir in der Situation eingeschätzt, aber doch unterschätzt."

Politiker*innen äußern sich: Geschmacklos ja, verbieten, nein

Es ist eine riesige Debatte entflammt. Die Meldungen überschlagen sich. Sogar der Bundesjustizminister Marco Buschmann hat sich gemeldet - kritisch. "Man muss Schlagertexte nicht mögen. Man kann sie sogar doof oder geschmacklos finden", schrieb er auf Twitter. "Sie aber behördlich zu verbieten, finde ich, ist eins zuviel." Auch die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien hat sich auf Twitter geäußert: "Layla, was für ein sexistischer, geschmackloser Text, braucht kein Mensch. Aber verbieten, nein."

Uwe Zimmermann von der Stadt Würzburg wiederum betont: Es ist kein Verbot, sondern nur eine Bitte an die Bands. "Wenn man ein Lied verbieten will, müsste man da hoheitlich ran gehen. Dann müsste man einen Straftatbestand oder eine Ordnungswidrigkeit entdecken." Das sei in Würzburg nicht der Fall. Domml sieht die Entscheidung der Stadt trotzdem kritisch. Am Ende sei es sogar Werbung für den Song: "Jetzt kennt jeder das Lied, der es davon nicht kannte."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 13.07.2022 | 16:45 Uhr

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