Leiterin des Jazzfest Berlin, Nadin Deventer. © Camille Blake Foto: Camille Blake

Jazzfest Berlin goes digital

Stand: 05.11.2020 16:19 Uhr

Seit dem 2. November ist es still auf den Kulturbühnen in Deutschland, aber Konzert-Produktionen sind erlaubt und deshalb darf auch das Jazzfest Berlin Musik in ditialen Streams präsentieren.

"So viel Jazzfest wie in diesem Jahr wird man wahrscheinlich nie wieder verfolgen können", sagt Nadin Deventer. "Wir haben so viele Kanäle geschaltet und das Programm so dicht geplant - das geht sonst nicht. Wenn du dir ein Ticket kaufst, da musst du dich auch immer für ein Konzert und gegen fünf andere entscheiden." Die positive Seite eines Festivals, dass komplett digital stattfindet. Nadin Deventer ist seit 2018 die künstlerische Leiterin des Jazzfest Berlin, und in diesem Jahr steht das 1964 gegründete Festival vor einer besonderen Herausforderung. Publikum ist keines zugelassen, da fehlt dann etwas Entscheidendes: "Man geht natürlich in erster Linie da hin, um die Kunst und Künstler zu sehen und kennenzulernen, aber natürlich auch um sich auszutauschen". Diese besondere Situation führt aber auch zu neuen Schwerpunkten, etwa der "Jazzfest Radio Edition" mit Aufzeichnungen von hochkarätigen Bands aus acht Funkhäusern der ARD. Das Gabriel Coburger Quintett ist als Beitrag des NDR mit einem Videokonzert dabei.

Jazzkonzerte - jetzt erst recht!

Mit einer Jetzt-erst-recht-Haltung geht das Jazzfest Berlin in diese 57. Ausgabe, zumal solche Kultur-Glanzlichter auch eine Verantwortung haben. "There's a lot of responsability on the festival because they're very lucky and have the budget. They have support from this incredibile network of radio stations through out germany and there's the support of Arte", so der Pianist Alex Hawkins, der zusammen mit Berliner Künstlern ein Auftragswerk beim Jazzfest vorstellt. Berlin hat die Unterstützung durch das ARD-Netzwerk und durch Arte, und das Budget - deshalb muss Berlin auch liefern, besonders in Zeiten wie diesen.

"Wir haben dann aus mehreren Gründen entschieden, dass wir als Jazzfest Berlin auch die lokale Szene hier in Berlin unterstützen möchten. Aber auch auf das Profil des Jazzfests schauend, haben wir beschlossen, dass wir alles unternehmen möchten, um die amerikanischen Musiker im Spiel zu halten" sagt Deventer. Sechs Gruppen aus den USA werden per Stream zugeschaltet, die lange Tradition des amerikanisch-deutschen Austausches bleibt also erhalten.Total digital, nicht gerade verlockend, aber so breit und vielfältig war das Programm des Jazzfestes lange nicht mehr. Notlösung ja, aber immerhin kein Stillstand, das ist wichtig!

 

Dieses Thema im Programm:

Jazz | 14.05.2020 | 22:05 Uhr

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