Stand: 30.03.2020 14:05 Uhr  - NDR Info

Hamburger Sängerin Regy Clasen ist tot

Die Hamburger Sängerin Regy Clasen ist tot. Wie die Familie der Musikerin am Sonntag auf der Facebook-Seite der Sängerin mitteilte, starb Clasen am Sonnabend im Alter von 48 Jahren im Helenenstift in Hamburg-Altona. In der norddeutschen Musikszene war sie seit Jahrzehnten eine hochgeschätzte Künstlerin. Ein Nachruf auf ihre Musik und ihr Leben.

von Ocke Bandixen

Regy Clasen © picture alliance/xim.gs Foto: Philipp Szyza
Die Hamburger Sängerin Regy Clasen ist am Samstag im Alter von 48 Jahren gestorben.

Diese Stimme: warm und intensiv, nicht verwechselbar mit anderen. Ob Soul, Jazz oder Popmusik: Regy Clasen war sofort präsent, wenn man Musik von ihr hörte. In einem ihrer letzten Projekte schrieb sie mit dem Pianisten Martin Tingvall die Musik für das Musical "Was ihr wollt" am Theater Kiel. "Ich wusste erst nicht, ob ich das so kann, wie es gefragt ist, weil ich das in der Form noch nie gemacht habe", sagte Clasen. "Aber es war dann bald klar, dass es total Spaß macht."

Durchbruch mit "Five live"

Der Spaß an der Musik, die Lust am Singen wurde ihr zu Hause mitgegeben. Regy Clasen wurde hineingeboren in eine Familie, in der viele musizierten und auch auftraten. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde sie in den 90er-Jahren durch die A-cappella-Formation "Five live", die nicht nur in Norddeutschland viele Menschen mit ihren Liedern begeisterte.

Nach dem Ende der Band 1997 arbeitete Clasen weiter als Solokünstlerin. Anrührende Balladen mit Texten voller ungewöhnlicher, frischer Bilder - dargeboten mit Soul in der Stimme. Das Publikum war ebenso hingerissen von ihr wie Sting, der einst ihre Lieder und ihre Stimme lobte.

Regy Clasen: Emotional, aber nie kitschig

Regy Clasen arbeitete immer wieder mit anderen zusammen. Mit dem Gitarristen Dominic Miller, der sonst für Sting arbeitet. Sie sang im Duett mit Stefan Gwildis, stand mit Michy Reincke und Bernd Begemann zusammen auf der Bühne. Sie hatte die Gabe, ihr Talent mit dem anderer zu verbinden, sich in den Dienst eines Liedes zu stellen.

Auch in der Zusammenarbeit mit Martin Tingvall an den Liedern für das Kieler Musical stand die Musik im Vordergrund - und nicht sie selbst. "Wir beide schreiben sehr emotionale Musik und Texte, aber nie kitschig", sagte sie damals. "Das hat sich noch potenziert. Sehr gefühlvoll, berührend, aber nie kitschig."

"Und wenn das alles ist, was von uns übrig bleibt"

Viele Jahre war sie auch ein Stammgast bei Hamburg Sounds, der Musik-Live-Sendung von NDR 90,3. Oder sang als Gast mit Soul-Bands oder mit Mitgliedern der NDR Bigband für die Obdachlosenzeitschrift "Hinz & Kunzt". Die bekennende Buddhistin Regy Clasen konnte Musik zum Leuchten bringen.

Krankheiten machten ihre Auftritte seltener in den letzten Jahren. "Und wenn das alles ist, was von uns übrig bleibt", singt sie in einem ihrer wohl bewegendsten Lieder. Was übrig bleibt, ist ihre ganz eigene Musik. Nicht nur die Hamburger Musikszene verliert mit Regy Clasen eine ihrer eindrucksvollsten Stimmen und Persönlichkeiten.

VIDEO: Regy Clasen: "Wenn das alles ist" (5 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 30.03.2020 | 08:55 Uhr

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